Zwischen Aufatmen und Vorsicht

Schulleitungen sehen Ende der Maskenpflicht im Unterricht auch kritisch

Schülerin mit Maske im Klassenraum
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Noch ist ein Mund-Nasen-Schutz Pflicht, wenn Kinder – wie hier an der Hellweg-Grundschule – im Unterricht lernen. Das soll sich nach Plänen des NRW-Schulministeriums ändern, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind.

Ab November soll wieder ein Stück Normalität in den Schulalltag zurückkehren: Dann dürfen Schüler im Unterricht die Maske abnehmen, das hat das Schulministerium am Mittwoch verkündet. Voraussetzung für die Erleichterung im Unterricht: Die Infektionen steigen nicht weiter an. Die Bönener Schulleitungen reagieren zwiespältig.

Bönen – Einerseits freuen sich die Schulleiter über die Erleichterung, die der Wegfall der Maskenpflicht Schülern und Lehrern bringt, andererseits bleibt Skepsis, weil ohne den Mund-Nasen-Schutz die Infektionszahlen wieder steigen könnten.

Die Maskenpflicht an den Schulen in NRW soll am 2. November weitestgehend aufgehoben werden. Sie soll nach Plänen der Landesregierung unter Berücksichtigung des weiteren Infektionsgeschehens im Unterricht abgeschafft werden und gilt dann nur noch im Schulgebäude und auf Verkehrsflächen. Hintergrund der Entscheidung: steigende Impfquoten bei den Schülern. Im Außenbereich der Schulen ist die Maskenpflicht bereits aufgehoben worden.

Tests in den Schulen gehen weiter

Am ersten Schultag nach den Herbstferien, am 25. Oktober, sollen zum Unterrichtsbeginn alle Schüler getestet werden, die nicht immunisiert sind oder die keinen negativen aktuellen Schnelltest vorlegen. Ab dem zweiten Schultag würden dann in den Schulen die üblichen Tests bis zu den Weihnachtsferien fortgeführt. Das gilt für die Corona-Selbsttests (dreimal pro Woche) an den weiterführenden Schulen und auch für die PCR-Pooltests (zweimal pro Woche) an den Grund- und Förderschulen.

In einer Reihe von Bundesländern ist die Maskenpflicht an Schulen bereits gelockert. Mehrere Lehrerverbände warnten bereits vor einem Schnellschuss und übereilten Lockerungen bei der Maskenpflicht an Schulen – nicht zuletzt wegen der steigenden Corona-Neuinfektionen nach den Sommerferien, die viele Quarantänemaßnahmen ausgelöst hatten. Der Präsenzunterricht nach den Herbstferien dürfe nicht gefährdet werden, mahnten die Verbände.

Appell: Zum Ende der Herbstferien testen lassen

Auch die Leiter der Bönener Schulen sehen die angekündigte Aufhebung der Maskenpflicht mit gemischten Gefühlen. „Grundsätzlich gut finde ich, dass zumindest eine Woche nach den Herbstferien abgewartet wird mit der Umsetzung, weil genau wie nach den Sommerferien die Zahl der Infektionen durch Reiserückkehrer wieder hochgeht“, sagt Petra Coerdt, Leiterin der Humboldt-Realschule. „Ich freue mich für die Schüler, denn selbst nach einer so langen Zeit der Gewöhnung ist die Maske eine Belastung. Andererseits hoffe ich, dass der Schutz ausreicht, denn Abstand im Raum haben wir natürlich nicht. Das bleibt ein Spagat. Es gibt gute Argumente dafür und dagegen, von daher ist eine Entscheidung da sehr schwer zu treffen.“

Tatsächlich gab es nur zwei positive Fälle an der Realschule, seit die Tests durchgeführt werden und vereinzelte Quarantänefälle, die aus dem familiären Umfeld resultierten. Den dringenden Appell des Schulministeriums, die Schüler am Wochenende vor dem Schulstart nach den Ferien in den Testzentren kostenlos testen zu lassen, wird Petra Coerdt auch an die Eltern ihrer Schüler weitergeben. „Das halte ich für sehr sinnvoll und trägt zur Sicherheit aller bei.“

Nur fair gegenüber den Freiheiten der Erwachsenen

Bianca Giese, kommisarische Leiterin am Marie-Curie-Gymnasium, findet, bei allen Bedenken seien die geplanten Erleichterungen den Kindern gegenüber nur fair, wenn Erwachsene mittlerweile viele Veranstaltungen ohne Maske besuchen dürfen. „Da fragt man sich, wie verhältnismäßig ist es, dass die Kinder noch die ganze Zeit Maske tragen müssen. Jeder, der sich damit sicherer fühlt, darf ja auch weiterhin Maske tragen.“ Zudem sollte das Infektionsgeschehen nach den Ferien genau beobachtet und notfalls das Ende der Maskenpflicht um zwei Wochen verschoben werden.

Gewagte Entscheidung - Kinder brauchen besonderen Schutz

Antje Anbring-Keiter, Leiterin der Hellweg-Grundschule, hält die Entscheidung gerade nach den Ferien für gewagt im Hinblick auf die Reiserückkehrer. „Die Kinder brauchen besonderen Schutz, weil sie sich nicht impfen lassen können. Auf der anderen Seite weiß ich, dass viele erleichtert aufatmen werden, denn das ist schon eine sehr große Belastung, den Unterricht komplett mit Maske durchzuführen.“ Wie sich das auf das Infektionsgeschehen auswirken werde, müsse man abwarten.

Eine echte Erleichterung für die Kinder

„Ich begrüße die Entscheidung, das ist eine echte Erleichterung für die Kinder“, sagt Annegret Berg von der Goethe-Grundschule. „Wir hatten ja schon vorher Zeiten, in denen keine Maske am Platz getragen werden musste. Ich gehe davon aus, dass die Lehrer die Maske weiter aufbehalten werden im Klassenraum. Das will ich noch mal mit der Schulaufsicht klären, das geht aus der Mail nicht eindeutig hervor.“

Große Angst, dass die Entscheidung zu mehr Infektionen führen könnte, hat Berg nicht. „Wir haben hier insgesamt so wenig Infektionsfälle und zusätzlich die regelmäßigen Lollitests – ich bin da optimistisch.“

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