Dankbarkeit überwiegt:

Gelassenheit nach Impfung mit Astrazeneca in Bönen 

Kita- und Grundschulpersonal wird in der Goethehalle in Bönen mit Astrazeneca gegen das Corona-Virus geimpft
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Der Bönener Hausarzt Dr. Burkhard Simonis (links) klärte die Impfwilligen in der Goethehalle auch über die Risiken auf.

Bönen - Die Nachricht aus Dänemark, dass der Astrazeneca-Impfstoff dort vorerst nicht mehr verimpft wird, erreichte Jutta Schäfer und ihre Kollegen aus der Offenen Ganztagsschule (OGS) kurz vor der eigenen Immunisierung mit dem Serum am Freitagnachmittag. Dennoch nahmen sie das Angebot an, mit den Lehrern der beiden Bönener Grundschulen, den Integrationskräften und den Mitarbeitern der Kitas vorgezogen gegen das Coronavirus geimpft zu werden. Und auch jetzt, nachdem nicht nur in Deutschland, sondern auch in etlichen anderen Ländern das Verabreichen des Vakzins vorläufig ausgesetzt wurde, ist die OGS-Leiterin froh, diesen Schritt gegangen zu sein.

„Natürlich sorgt das Aussetzen des Impfens mit Astrazeneca für Verunsicherung. Trotz alledem bin ich dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, so früh gegen das Virus geimpft zu werden“, sagt sie.

Dass es nun eine gründliche Untersuchung der aufgetreten Krankheits- und Todesfälle gibt, insbesondere, ob diese in einem Zusammenhang mit der Astrazeneca-Impfung stehen, begrüßt Jutta Schäfer. „Das finde ich gut und richtig. Aber ob es richtig ist, das Impfen damit ganz zu stoppen, weiß ich nicht.“ Dadurch werde allen, die dringend auf die Immunisierung warten, die Entscheidung abgenommen. Und die könne schließlich jeder frei für sich selbst treffen.

„Es gibt Aufklärungsgespräche, und darin wird man unter anderem gefragt, ob man unter Blutgerinnungsstörungen leidet oder zu Thrombosen neigt“, berichtet die OGS-Leiterin.

Thrombosen bei Covid-Erkrankungen

Jeder könne danach abwägen, ob er das Risiko eingehen möchte oder nicht. „Thrombosen gehören auch bei Corona-Infektionen zu den Begleiterscheinungen“, hat sie außerdem erfahren. Das Risiko dabei sei sogar deutlich höher. „Wir haben zurzeit nur diesen einen Impfstoff, der sich auch in Arztpraxen verabreichen lässt. Und die Infektionszahlen steigen. Ich habe Angst, dass uns das Ganze überrollt. Wir müssen unbedingt mit dem Impfen vorankommen. Deshalb glaube ich nicht, dass diese Pause jetzt gut ist.“

Mit ihren Kollegen hat sie nach der Impfung zwar über die erlebten Nebenwirkungen gesprochen – fast alle hatten leichte, typische Beschwerden – das Thema Astrazeneca kam dabei aber kaum zur Sprache. „Das blendete man für den Moment eher aus“, so Jutta Schäfer.

Am Freitag war der Beratungsbedarf dagegen noch hoch, berichtet Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte von der Gemeindeverwaltung. Viele der 155 impfwilligen Lehrer und Erzieher, die auf Einladung des Kreises Unna und der Gemeinde zur Immunisierung in die Goethehalle gekommen haben, informierten sich demnach kurz vor der Spritze noch einmal gründlich bei den Medizinern und Fachleuten vor Ort über das da schon umstrittenen Präparat des britisch-schwedischen Herstellers. Impfen ließen sich dann aber dennoch alle.

Zweiter Termin in der Goethehalle abgesagt

Den rund 100 Mitarbeitern der Kitas in Bönen, die bei einem zweiten Termin am kommenden Freitag eigentlich die Injektion mit dem Astrazeneca-Serum bekommen sollten, mussten Otte und seine Kollegen am Dienstag absagen. „Wir haben in den Einrichtungen angerufen“, berichtet der Fachbereichsleiter.

Wann er den Hörer in die Hand nehmen kann, um den Berechtigten eine neue Impf-Gelegenheit anzubieten, weiß er nicht. Das hängt schließlich davon ab, ob und wann der Impfstoff wieder freigegeben wird. Eine alternative Verabreichung des Biontech-Vakzins ist nicht vorgesehen. „Ich weiß allerdings nicht, wie die Menschen den Impfstoff künftig annehmen werden“, befürchtet Otte, dass einige der bisher Impfwilligen angesichts der aktuellen Entwicklung nun abspringen könnten. Er und sein Team stehen hingegen weiterhin bereit, die Organisation eines zweiten Impftermins in der Gemeinde neu aufzusetzen.

Das Serum, das am kommenden Freitag verabreicht werden sollte, geht nun auf jeden Fall zum Kreis Unna zurück.

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