Zwei junge Flüchtlinge absolvieren ein Praktikum im Awo-Seniorenzentrum

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Gemeinsam gegen Rassismus: Mitarbeiter und Bewohner des Awo-Seniorenzentrums setzen ein Zeichen gegen Hass und Hetze. Die beiden Praktikanten aus Eritrea und dem Iran sind ihnen willkommen.

Bönen „Wir sagen ,Nein’ zu Rassismus“ lautet das Motto einer Aktionswoche um den „Tag gegen Rassismus“ am 21. März. Auch das Awo-Seniorenzentrum in Bönen beteiligt sich, um ein Zeichen zu setzen – und stellte zwei Flüchtlinge als Praktikanten ein.

Die Parolen sind lauter geworden: Inzwischen begegnen immer mehr Menschen Geflüchteten, die sich vor Gewalt, Terror und Krieg nach Deutschland gerettet haben, mit Ablehnung und sogar Hass. Davon zeugen auf bittere Weise die Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Sachsen und anderswo in der Republik. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) will dagegen ein klares Zeichen setzten. Bei Plakaten, Luftballons und Armbändern, die an Mitarbeiter und Bewohner verteilt wurden, wollte es die Einrichtung aber nicht belassen. Kurzfristig wandte sich das Seniorenzentrum an den Verein Zuflucht.Bönen und stellte zwei Praktikumsplätze für Flüchtlinge zur Verfügung.

Rasool Aliasl hat seinen Dienst bereits angetreten. Der 29-jährige arbeitet acht Wochen lang im Hauswirtschaftsbereich mit. Das Praktikum ist Grundlage für sein Studium. „Ich will Ernährungswissenschaften studieren“, erzählt der sympathische junge Mann. Der Iraner kam bereits 2014 für das Studium nach Deutschland, musste dann aber wieder zurück in seine Heimat, um ein Stipendium zu beantragen.

Als konvertierter Christ war er im Iran in großer Gefahr. Nach einem Kirchenbesuch wurde er überfallen, verhört und schließlich für knapp vier Monate inhaftiert. Über das, was er im Gefängnis erlebt hat, spricht er nicht. Nur, dass seine Familie ihn anschließend zur Flucht gedrängt hat, berichtet der angehende Oecotrophologe. Kontakt zu seinen Eltern hat er seither nicht mehr – das sei zu gefährlich. Seit August lebt der 29-Jährige in Bönen, spricht aber bereits sehr gut Deutsch. Die wichtigen Fachbegriffe, die er für seine Ausbildung benötigt, will Rasool Aliasl nun an der Eichholzstraße lernen. „Ich bin sehr dankbar, dass ich den Praktikumsplatz bekommen habe“, sagt der Iraner. Zuvor hat er sich mehrfach bei Bönener Unternehmen beworben, aber keine Reaktion darauf erhalten.

„Bei unseren Mitarbeitern kommt Rasool Aliasl sehr gut an. Er ist freundlich, höflich und fleißig“, freut sich Einrichtungsleiter Ralf Degenhardt-Ruhoff über die Verstärkung im Team.

In Kürze soll auch Selamamit Yigeremu dazu gehören. Die zierliche Afrikanerin hat in Eritrea studiert, sie ist Hebamme und Krankenschwester. Auch sie hat unter den politischen Bedingungen in ihrem Heimatland gelitten. Um ihr Leben zu retten, floh sie über Äthiopien nach Libyen. Von dort aus ging es mit dem Boot auf die italienische Insel Lampedusa und schließlich mit dem Zug nach Deutschland.

Die 25-Jährige lebt seit September in der Gemeinde und hat einen Asylantrag gestellt. Jetzt lernt sie eifrig Deutsch, um später in ihrem Beruf arbeiten zu können. Sobald der Kreis Unna Grünes Licht für das Praktikum gibt, wird sie auf der Pflegestation im Awo-Seniorenzentrum mitwirken. Bezahlt werden die beiden während des Praktikums nicht, aber es ist für sie eine große Chance, in das Berufsleben einzusteigen.

„Wir haben unter anderem mit den Bewohnern gesprochen, sie wollen die Eingliederung der beiden unterstützen“, erzählt Einrichtungsleiter Ralf Degenhardt-Ruhoff. Er kann sich durchaus vorstellen, weiteren Flüchtlingen eine ähnliche Perspektive zu bieten und die Zusammenarbeit mit Zuflucht.Bönen zu intensivieren. „Wir sind für alles offen. Möglicherweise wird daraus auch mal eine Ausbildung.“ Gerade in der Alten- und Krankenpflege werden in Deutschland schließlich händeringend Kräfte gesucht.

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