Zuflucht.Bönen sucht Räume für einen Flüchtlingstreffpunkt

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Die Gemeinde würde die ehemaligen Praxisräume im Ärztehaus an der Bahnhofstraße für den Verein anmieten. Zuflucht.Bönen sagen die aber nicht zu.

Bönen – Eine feste Anlaufstelle als Dreh- und Angelpunkt der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit im Ortsbild präsent, offener Treff, Begegnungsstätte, Büro und Seminarraum unter einem Dach: All das soll der „Treffpunkt“ bieten, den der Verein „Zuflucht.Bönen“ mit der Gemeindeverwaltung einzurichten bemüht ist. Die Finanzierung ist dank der Integrationsförderung des Landes Nordrhein-Westfalen zumindest in diesem und dem nächsten Jahr kein Problem – eine geeignete Adresse zu finden aber schon.

Eine Möglichkeit ist schon ausgemacht, für den Verein aber nicht erste Wahl: An der Bahnhofstraße 136 sind über den früheren Räumen der nun schräg gegenüber ansässigen Marien-Apotheke im ersten und zweiten Stock ehemalige Praxisräume verfügbar. Die Gemeinde wäre nicht abgeneigt, wie die Erörterung in den politischen Gremien zeigte. 

Der Eigentümer ließe mit sich reden, es stünden immerhin 170 Quadratmeter, zwei Toiletten, ein Büro und ein Raum zur Verfügung, der zur Küche gestaltet werden könnte. Dazu zwei Kursräume für Sprachunterricht und andere Angebote der ehrenamtlichen Helfer. Für die alltägliche Arbeit biete die Adresse den nötigen Platz und für den barrierefreien Zugang auch einen Aufzug. Für größere Veranstaltungen, die vielleicht zwei- oder dreimal jährlich anstünden, könne der Verein in andere Räume ausweichen, so die Einschätzung der Bönener Verwaltung. Eine zwischenzeitlich erwogene Alternative hat sich zerschlagen. 

„Aber wir favorisieren nach wie vor eine Lösung im Erdgeschoss“, sagte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Werner dem WA. In einem Abstimmungsgespräch mit der Gemeinde sei am Donnerstag daher verabredet worden, dass „Zuflucht.Bönen“ zunächst an der Bahnhofstraße nahe des Bahnübergangs noch einen Versuch unternimmt. Dort werden wohl Räume frei, wenn der derzeitige Mieter demnächst in das neue Volksbankgebäude umzieht. Weil das noch in Bau ist, wäre an einen Einzug von „Zuflucht.Bönen“ erst im kommenden Jahr zu denken – sofern der Vermieter mitzieht.

Bönen bekommt 451 000 Euro vom Land  zur Förderung der Integration

Das will der Verein nun in Erfahrung bringen. „Wir müssen bis zum Ende der Sommerferien zu einer Entscheidung kommen“, gab Wolfgang Werner eine zeitliche Perspektive. Gäbe es das Corona-Problem nicht, wäre der Zug zu diesem Zeitpunkt übrigens schon so gut wie abgefahren, denn die Förderung des Landes über insgesamt 451 000 Euro für Bönen ist auf das Jahr bezogen. „Wegen Corona gab es aber ein Jahr Verlängerung“, informierte Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte von der Gemeindeverwaltung. Die Gemeinde erwägt, das Mietverhältnis auch an den Förderfristen auszurichten. Damit wäre der künftige Treffpunkt zunächst bis Ende 2021 gesichert. 

„Was kommt danach?“, fragt Wolfgang Werner daher, ehe die Standortentscheidung überhaupt gefallen ist. Die politische Diskussion darüber wird unweigerlich folgen, zumal ein Ausgangspunkt der Unternehmung der Antrag der SPD-Fraktion von Anfang des Jahres ist, das Bahnhofsgebäude für die Einrichtung der Anlaufstelle zu ertüchtigen. Das Geld in Renovierung und Ausstattung dieser Immobilie sah die Verwaltung aber nicht gut angelegt: Die Entwicklungsszenarien für den Bahnhof sehen vor, das Gebäude abzureißen. Bis das geschieht, will die Verwaltung dorthin zunächst Akten auslagern, weil der Platz im Rathaus für zusätzliche Arbeitsplätze benötigt wird. 

Die Verwaltungsspitze sprach sich daher für eine langfristige Lösung durch Anmietung aus. Gegenwärtig ist „Zuflucht. Bönen“ mit einem Treffpunkt immer mittwochs von 18 bis 20 Uhr Gast der Evangelischen Kirchengemeinde im Fritz-von-Bodelschwingh-Haus an der Niemöllerstraße. Die Coronaauflagen haben allerdings zu einer Zwangspause geführt, auch die Kinderbetreuung ist vorerst ausgesetzt. Mit einem Teil des Angebots ist der Verein aber in der Tagesstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Eichholzplatz untergekommen. An das ehedem geplante und bei der Verteilung der Integrationsmittel bedachte Sommerfest ist unter den gegenwärtigen Pandemie-Bedingungen gleichfalls nicht zu denken. Aber es gibt Überlegungen, im vertretbaren Rahmen für die Kurzweil Ausflüge anzubieten. „Wir diskutieren, ob wir mit Gruppen in den Maxi-Park fahren, wie wir es schon früher getan haben, oder ein Theater besuchen“, so der Vorsitzende von „Zuflucht.Bönen“. „Aber spruchreif ist das noch nicht.“ Am Geld scheitert es ausnahmsweise mal nicht.

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