„Zuflucht.Bönen“ sucht Paten, die Flüchtlinge betreuen

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Ein Praktikum ist für viele junge Flüchtlinge der Eintritt in eine Ausbildung. Bönener Paten können dabei helfen.

Bönen - Der Verein „Zuflucht. Bönen“ sucht Bönener, die Flüchtlinge bei der Bewältigung ihres Alltags unterstützen möchten. „Als Paten können sie den Menschen den Weg ebnen und Türen öffnen“, sagt Ingeborg Reiners-Woch von „Zuflucht.Bönen, die bereits Erfahrung mit Patenschaften hat.

„Obwohl seitens der Verwaltung alles Lebensnotwendige geregelt wird und die beiden jungen Leute vom Bundesfreiwilligendienst ab Januar die Integrationsbemühungen der Gemeinde unterstützen werden, bleibt immer noch viel zu tun“, ist ihre Erfahrung. „Denn jede Person, jede Familie hat ihre eigenen Fragen und Anliegen.“ Da müssen Formulare verstanden werden, bevor sie ausgefüllt werden können, da ist es hilfreich, jemanden vor der Unterschrift unter einen nur teilweise verstandenen Vertrag oder vor dem vielleicht unwissentlichen Schwarzfahren zu bewahren. Es ist gut, jemanden beim ersten Besuch beim Arzt zu begleiten oder mit ihm zur Bank zu gehen, wenn ein Konto eingerichtet werden soll.

Ein Gespräch mit der Familie kann der Anmeldung in einem Sportverein oder im Musikkarussell vorangehen. Ein gemeinsamer Besuch der Gemeindebücherei und der Erwerb einer Lesekarte kann zum Stöbern und Lernen anregen. „Es ist äußerst motivierend für Kinder, die Angebote des Jugendzentrums Go in kennenzulernen, vor allem die Ferienangebote“, sagt Reiners-Woch. Sie selbst betreut eine albanische Familie mit vier Kindern. „Wir haben uns gemeinsam das Ferienspaß-Programmheft angesehen und besprochen, woran die Kinder Spaß hätten.“ Nach einem Gespräch mit den Go-in-Mitarbeitern konnten die beiden größeren Mädchen an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen.

Fremdsprachen sind keine Voraussetzung

Auch kulturelle Angebote der Gemeinde könnten von den hier lebenden Flüchtlingen wahrgenommen werden, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden. „Eine gemeinsame Tasse Kaffee ist für viele Flüchtlinge ein willkommener Anlass, das im Sprachkurs erworbene Wissen in einer authentischen persönlichen Gesprächssituation umzusetzen“, erzählt Reiners-Woch. Denn die meisten Flüchtlinge seien sehr bildungswillig. „Sie möchten die deutsche Sprache so schnell wie möglich lernen und am Alltag in der Gemeinde teilhaben.“ Das zeige auch die große Teilnehmerzahl in den angebotenen Deutschkursen. Fremdsprachenkenntnisse seien deshalb keine Voraussetzung für eine Patenschaft, betont Reiners-Woch. „Das klappt mit etwas Geduld auch so.“ Wichtiger sei es, dass Paten sich in der Gemeinde auskennen, etwa als Zeitungsleser wissen, wo welche Veranstaltung stattfindet, um ihre Schützlinge darauf aufmerksam zu machen oder zu begleiten.

„Dabei muss niemand fürchten, dass er damit eine Art Adoption eingeht, die ihn dauerhaft einer Person oder Familie verpflichtet“, betont Reiners-Woch. Jeder Pate gebe so viel Nähe, wie er mag oder kann. Oft sei nur ein Anstoß nötig, den der Pate als Türöffner begleite, um Schwellenängste abzubauen. Danach übernähmen oft Vereine und Institutionen die weitere Kommunikation und Betreuung. „Egal, ob es sich um Vereine oder die Verwaltung in Bönen handelt, ob es die Bücherei betrifft oder die VHS - alle Ansprechpartner sind sehr engagiert, hilfsbereit und freundlich“, betont Reiners-Woch. „Die Willkommenskultur wird gelebt.“

Manchmal entwickelten sich aber auch langfristigere Bindungen, wie im Fall eines 18-jährigen Jungen aus Guinea, den Reiners-Woch betreut. „Er fiel aufgrund seines Alters durch die Maschen der Beschulung.“ Gemeinsam haben sie es geschafft, ihn in der Werkstatt Unna unterzubringen, wo er die Chance hat, sich auf eine Berufsausbildung vorzubereiten. Einmal in der Woche unterstützt sie ihn bei den Hausaufgaben und guckt, wo es Defizite gibt.

„Wir sind aber weder Anwälte noch Psychologen“, macht Reiners-Woch deutlich. Dafür gebe es Profis. „Die Paten regeln keinerlei administrative Verfahren oder Prozesse, sie sind eher die guten Nachbarn, die sehen, wo sie gebraucht werden und die angesprochen werden können.“

Auf welchem Wege die betroffenen Flüchtlinge, die längerfristig in Bönen bleiben werden, angesprochen werden können, um von dem Angebot zu erfahren, müsse noch überlegt werden. Denn die Verwaltung dürfe aus Datenschutzgründen keine Adressenlisten herausgeben. Fachbereichsleiterin Barbara Potthoff unterstütze die Idee aber grundsätzlich.

Bönener Bürger, die sich vorstellen können, die Integration der Flüchtlinge in dieser Weise zu unterstützen, sind eingeladen, am Dienstag, 15. Dezember, um 19 Uhr zum nächsten Treffen von „Zuflucht.Bönen“ in die Alte Mühle zu kommen.

Wer verhindert ist, kann mit Wolfgang Werner Kontakt aufnehmen unter Telefonnummer 5 04 46 oder die Internetseite www.zufluchtboenen.de.

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