Der Zünsler macht Hobbygärtnern und Profis in Bönen zu schaffen

Die Larven des Buchsbaumzünslers sind echte Vielfraße. Innerhalb kürzester Zeit können sie einen Buchsbaum kahl fressen. Dabei beschränken sich die grünen, bis zu fünf Zentimeter langen Raupen nicht nur auf die Blätter.
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Die Larven des Buchsbaumzünslers sind echte Vielfraße. Innerhalb kürzester Zeit können sie einen Buchsbaum kahl fressen. Dabei beschränken sich die grünen, bis zu fünf Zentimeter langen Raupen nicht nur auf die Blätter.

BÖNEN - Besonders auffällig ist der Schmetterling nicht. Mit einer Länge von rund 25 Millimetern und einer Breite von etwa 40 Millimetern ist er nicht besonders groß, seine Flügel sind eher schlicht: hell, mit braunem Rand. Und doch sorgt der Cydalima perspectalis derzeit nicht nur in Bönen für reichlich Probleme.

Innerhalb von nur 14 Tagen war die Buchsbaumhecke auf dem Grundstück von Annerose Mainka abgestorben. 250 Pflanzen musste die Fliericherin vor Kurzem entsorgen. Auch auf den Friedhöfen in Bönen und Flierich, die die Gärtnerin betreut, hat sie inzwischen ebenfalls schon einige Exemplare ausgraben müssen. Die Pflanzen sind entweder einem Pilz zum Opfer gefallen oder eben den gefräßigen Raupen der Buchsbaumzünsler.

Die treiben seit etwa einem Jahr ihr Unwesen im Kreis Unna, in Hamm und insbesondere auch in Bönen, berichtet Thomas Niermann vom Raiffeisenmarkt in Hamm-Rhynern. „Wir haben einen sprunghaften Anstieg festgestellt“, sagt er. Bis zu 20 Kunden kämen derzeit täglich mit Proben ihrer Buchsbäume zu ihm in den Handel, um sich beraten zu lassen. Gegen die Ostasiaten, die vermutlich vor circa zehn Jahren über Westeuropa Stück für Stück höher in den Norden bis in unsere Region gekommen sind, gibt es tatsächlich Mittel, weiß Thomas Niermann. Er empfiehlt die biologische Art der Schädlingsbekämpfung mit dem Bacillus thuringiensis. Das Bakterium ist für den Zünsler giftig. Frisst die Raupe davon, stirbt sie. Andere, ebenfalls für Bienen unbedenkliche Mittel, würden den Fresstrieb der Raupen ausschalten. „Sie verhungern dann“, so der Händler. Die einfachste Methode, gerade zu Beginn des Befalls, sei das Absammeln. „Der Buchsbaum ist an der Oberfläche wie ein Besen. Streicht man darüber, fallen die Raupen zu Boden und man kann sie aufsammeln. Das ist natürlich sehr nachhaltig.“ Auch eine „Dusche“ mit dem Hochdruckreiniger kann die Larven aus dem Geäst treiben.

Eher vorsorgend sind Zünslerfallen. Die locken mit Pheromonen, mit Sexualbotenstoffen, bereits die Falter in die Falle, sodass diese ihre Eier nicht mehr ablegen können. Fachleute rechnen mit zwei bis drei Generationen Buchsbaumkillern pro Jahr. Die Raupen überwintern in ihrem Gespinst auf Buchs oder anderen Gehölzen. Selbst an eisige Temperaturen scheinen sie sich inzwischen gewöhnt zu haben, obwohl sie eigentlich aus wärmeren Gefilden stammen. Im Frühling werden sie wieder aktiv und fressen, was sie nur kriegen können. Dabei belassen sie es nicht bei den Blättern, sondern gehen auch an die Rinde, was das Gewächs Buchs besonders schädigt. Anschließend verpuppen sie sich mehrfach. Im Juli schlüpfen die Falter und legen ihre Eier ab. Ihre Nachkommen zeigen sich im September.

Je früher der Zünsler entdeckt wird, desto größer ist die Chance, die Pflanze zu retten. Das ist allerdings gar nicht so einfach. „Die meisten denken erst mal, der Buchs sei nur trocken, wenn er gelb oder braun wird“, erklärt Sladan Andric, Inhaber von „Der Garten“. Die Raupe fräße sich aber von innen nach außen durch den Stamm und die Wurzeln. So blutet die Pflanze aus. „Dann ist sie nur schwer zu retten“, so der Bönener Gartenbauer.

Auf den eigenen Kompost gehört er nach dem Ausgraben allerdings keinesfalls. Besser ist es, ihn zum Wertstoffhof zu bringen. Von dort kommt er ins Kompostwerk nach Ostbüren. Die hohen Temperaturen während des Kompostierungsprozesses töten dann die Schädlinge garantiert ab.

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