Unbekannter Züchter setzte 35 Vögel in Nordbögge aus

Tierschützer bewahren 35 Tauben vor dem Tod

Die Tiere haben unter der unsachgemäßen Haltung erkennbar Federn gelassen.

Von wegen: Züchterstolz. Ein Taubenhalter hat 35 meist junge und schwache Tiere In Nordbögge einfach sich selbst überlassen. Tierschützer bewahrten vor dem Tod.

Bönen - „Das ist eine riesige Sauerei. Die Tiere hätten da draußen keine Überlebenschance gehabt.“ Für Sandra Lopes-Cano steht außer Frage, dass der jüngste Einsatz der Bönener Tierschützer im Verein „Vier Pfötchen“ 35 ausgesetzte Ziertauben vor einem Ende als leichte Beute von Räubern und Greifen oder dem allmählichen Hungertod bewahrt hat.

Ein aufmerksamer Zeitgenosse hatte die Polizei auf den am Boden hockenden Schwarm an der Pelkumer Straße aufmerksam gemacht, das brachte Montagnachmittag gleich von zwei Seiten Hilfe auf den Weg.

Aufmerksamer Bürger verständigte die Polizei

Via Facebook erfuhren die Pfötchen-Mitstreiter von dem Problem, wie die zweite Vorsitzende Sabrina Zander auf Nachfrage berichtete. Ein Post auf „Bönen live“ hatte die vornehmlich um Katzen bemühten Tierfreunde gegen 17.15 Uhr aktiv werden lassen. Sie griffen zum Kescher und zu den Transportboxen für Samtpfoten, die gleichermaßen dienlich sind, wenn Federvieh einzusammeln und abzuholen ist.

Vom Hammer Tierschutzverein war da schon der Vorsitzende Heinrich Karlson mit seiner Frau Ulrike zur Stelle. Ihn hatte die Leitstelle der Polizei in Unna direkt verständigt, nachdem sich eine Streife ein Bild von der Situation gemacht hatte. Die Beamten stuften den Schwarm nahe der Einmündung Pelkumer Straße/Hammer Straße als Gefahrenlage ein: Sowohl für die Tiere wie die Verkehrsteilnehmer, wie Polizeisprecher Christian Stein mitteilte. Ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz liege in diesem Fall aber nicht vor.

Gemeinsame Aktion mit Tierschutzverein Hamm

Mit vereinten Kräften kümmerten sich sich die Tierfreunde darum, dass hier keine Kreatur zu Schaden kam – unabhängig von der Zahl der Pfoten. Dabei kam ihnen entgegen, was den Tauben zur Verhängnis geworden wäre: „Die Tiere sind zumeist flugunfähig und waren sehr geschwächt“, berichtete Lopes-Cano. So fiel es immerhin leichter als zunächst gedacht, sie einzufangen. „Mit Kescher, Futter und Geduld“, seien schließlich alle 35 in die Boxen gelangt.

Für 17 Vögel ging die Reise zu den Karlsons nach Heeren. Als früherer Taubenzüchter ist der Vorsitzende des Hammer Tierschutzvereins mit deren Hege und Pflege vertraut. „Die werden ein bisschen aufgepäppelt, dann gebe ich die Tiere weiter“, sagte er. Eine Großvoliere in Schalksmühle käme als neues Zuhause in Betracht, auch mit der Taubenhilfe NRW stehe er darüber in Kontakt.

Tiere werden aufgepäppelt und vermittelt

Die Bönener Retter haben sieben Tauben gleich in eine Pflegestelle in Dortmund vermitteln können, wie Sabrina Zander berichtete. „Wir hoffen, dass wir die übrigen auch bis zum Ende der Woche untergebracht haben. Bis dahin sollen die Tiere zu Kräften kommen und einen Plagegeist los werden: „Die Tiere sind teils mit Federlingen befallen, das ist so etwas wie ein Floh bei Tauben.“

Ihm sei aber mit einem Spray gut beizukommen. Im August haben die „Vier Pfötchen“-Akteure schon einmal elf Tauben ähnlich aufgelesen. „Wir vermuten, dass es derselbe Züchter war“, so Zander. Es handle sich um eine Mischung aus den Rassen „Usbeke“ und „Mövchen“, teils noch nicht flugfähige Jungtiere. Die Vögel seien vernachlässigt, hätte Schnabelfehlstellungen oder andere Einschränkungen.

Lopes-Cano: Bei Problemen an den Tierschutz wenden

„Das sind Tiere für geschlossene Voliere, die haben draußen keine Chance. Sie würden kein Futter finden oder wäre leichte Beute für Marder, Füchse oder Greifvögel“, sagte Lopes-Cano voller Unverständnis. „Wenn Züchter ihre Tiere loswerden wollen, sollten sie sich bei Tierschützern melden oder sie wenigstens am Tierheim vor die Tür stellen".

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