Pläne noch unbekannt

Woolworth-Gelände in Bönen hat neuen Besitzer

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Das Woolworth-Gelände an der Edisonstraße ist verkauft worden. Der neue Besitzer ist noch unbekannt.

Bönen – Die ehemalige Woolworth-Immobilie an der Edisonstraße hat einen neuen Eigentümer. Ob dieser dem völlig heruntergekommenen Komplex neues Leben einhauchen wird, bleibt aber fraglich.

Der neue Eigentümer hat sich bisher nicht zu erkennen gegeben, wie die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung (WFG) Kreis Unna berichten. Demnach hat die bisherige Besitzerin, die Intown Property Management GmbH in Berlin, den Verkauf zwar bestätigt, den Käufer aber auch auf Nachfrage hin nicht genannt. 

Einem Kenner des Objektes zufolge soll dieser aus Zypern stammen. Ein laut WFG seriöser Interessent, der bereits mehrere Objekte in Unna besitzt, sei nach eigenen Angaben nicht zum Zug gekommen, obwohl er bereits das exklusive Recht bekommen hatte, das Gebäude zu begutachten. 

Zuerst kamen die Kupfediebe

Die WFG, die Gemeinde, die Nachbarn im Industriegebiet aber auch die Polizei, die dort aufgrund von Vandalismus, Einbrüchen und anderen Delikten immer wieder tätig werden muss, hoffen seit Jahren auf einen neuen Eigentümer oder Mieter, der das Objekt wieder sinnvoll nutzt und damit dem Verfall ein Ende macht. Einziehen kann dabei niemand mehr in das einstige Distributionscenter. Das Verwaltungsgebäude und die Hochregallager sind Ruinen. 

An die Verbotsschilder halten sich nicht alle.

Nach der Insolvenz der Kaufhaus-Kette 2009 steht der Komplex seit Juni 2010 leer. Verlassen war er allerdings nie: Zuerst kamen Kriminelle aus Rumänien, Bulgarien und Russland. Sie schlachteten das Gebäude regelrecht aus und nahmen alles mit, was sich zu Geld machen lässt. 

Vor allem auf Kupfer hatten es die Diebe abgesehen. Organisierte Banden schickten ihre Lakaien nach Bönen, die dann Wochen oder gar Monate im Gebäude hausten. Sie schälten die Kupferkabel aus deren Kunststoffummantelungen, wie tonnenweise Überreste davon belegen. Das verwertbare Material wurde nachts abgeholt. 

Sogar Taucher nutzten das Gebäude

Gelegentlich fuhren die Banden-Bosse in teuren Luxuslimousinen vor, wie Beobachter bemerkten, vermutlich um sich vor Ort von der Arbeit zu überzeugen und die „Mitarbeiter“ entsprechend einzunorden. Der Schaden, den sie angerichtet haben, geht in die Millionenhöhe, schätzen Experten. 

Im Komplex zeugen Abfälle und die Hinterlassenschaften in den längst nicht mehr funktionierenden Toiletten von den „Dauergästen“. Die bekamen zudem Gesellschaft: von Sprayer, Paintballspielern, Auto-Tunern, risikofreudigen Fotografen und leichtsinnigen Jugendlichen. Sogar Taucher kamen, um im überfluteten Kellergeschoss Unterwasseraufnahmen zu machen. Mit denen brüsteten sie sich anschließend im Internet. 

In den Kommentaren zu den Youtube-Videos ist außerdem die Rede von Bandenkriegen, Marihuana-Plantagen und Schusswechseln vor Ort. Tatsächlich sind im Gebäude Einschusslöcher zu sehen. 

Zuletzt wieder mehr Polizeieinsätze

Immer wieder wurde die Polizei an die Edisonstraße gerufen, doch die Beamten konnten nur wenig ausrichten. Zum einen ist der Komplex zu groß und zu unübersichtlich, um zu verhindern, dass ungebetene Gäste dort eindringen. Zum anderen ist das einstige Logistikzentrum in Privatbesitz, und die Eigentümer haben die Polizei nicht um Hilfe gebeten. 

Auf Druck der Gemeinde und des Kreises beauftragten sie aber immerhin Objektschützer damit, das Areal zu bewachen. Allerdings wurden teilweise nur ein bis zwei Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma auf dem etwa 104 000 Quadratmeter großen Grundstück eingesetzt. Nach dem spontanen Verkauf der Immobilie Mitte März wurden die Sicherheitskräfte kurzfristig komplett abberufen, am nächsten Tag aber vorerst wieder eingesetzt. Sie vermuten, dass die Polizei auf diese Maßnahme gedrängt hat. 

In den vergangenen Wochen wurden die Beamten nämlich wieder vermehrt auf das Gelände gerufen. Die „Besucher“ haben Spuren hinterlassen. Wände wurden eingetreten, verbliebenes Mobiliar zertrümmert, Fenster, Türen und Dachluken eingeschlagen. 

Mehrfach musste die Feuerwehr in den vergangenen Jahren zur ehemaligen Woolworth-Zentrale ausrücken,um dort absichtlich gelegte Brände zu löschen. 

Suche nach Mieter scheiterte

2012 sorgte zudem ein Rohrbruch, möglicherweise ebenfalls hervorgerufen durch massiven Vandalismus dafür, dass das Untergeschoss komplett mit Wasser voll lief. Die eingesetzten Pumpen waren machtlos gegen die Massen. Das Wasser steht heute noch hoch, auf der Oberfläche schwimmt ein schmieriger Chemikalienfilm. 

Das Objekt ist marode, baufällig und einsturzgefährdet. Zu retten ist da nichts mehr. Dennoch hielt die Intown bis zum Schluss fest an dem Komplex. Statt Käufer suchte sie einen Mieter. Für ihn wollte die Immobiliengesellschaft alle Gebäude abreißen lassen und neue Hallen nach Bedarf bauen. 

Den Mietzins setzte die Intown jedoch so hoch an, dass sich niemand fand, der auf dieses Angebot einging. Dabei gab es durchaus Interessenten, unter anderem einen namhaften deutschen Konzern, wie Sebastian Wels im vergangenen Jahr erzählte. Sein Unternehmen, die Haus Kentrop GmbH in Hamm, war zum Schluss mit der Vermarktung des Objektes betraut. 

Zuvor hatte sich die WFG jahrelang vergeblich darum bemüht, den Komplex an den Mann zu bringen. Meistens scheiterte dies an den stattlichen Forderungen des Eigentümers.

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