Wohnen im Alter: Mit ambulanter Hilfe in den eigenen vier Wänden bleiben

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Training für die kleinen grauen Zellen: Anneliese Maslowski macht regelmäßig Sudoku. Auf dem Sofa sitzt eine Auswahl ihrer selbst gemachten Teddybären und Kissen. Stricken und Häkeln gehört zu ihren Leidenschaften.

Bönen – Die Gesellschaft verändert sich. Wir werden immer älter. Damit stellt sich für jeden auch irgendwann die Frage, wie sich Wohnen im Alter gestaltet. Viele Menschen wollen bis ins hohe Alter selbstbestimmt in der eigenen Wohnung bleiben, so wie die Bönener Seniorin Anneliese Maslowski. Unterstützung im Alltag bekommt sie vom ambulanten Pflegedienst.

Es gibt nicht die beste Lösung für Wohnen im Alter, sondern es gibt unterschiedliche Angebote, die im Zusammenhang zu sehen sind mit der persönlichen Lebenssituation und dem Gesundheitszustand des Einzelnen: Verbleib in der eigenen Wohnung, seniorengerechtes, betreutes Wohnen, Senioren-Wohngemeinschaften und Seniorenheime. Sinnvoll ist, sich frühzeitig über das Thema Gedanken zu machen. Die Bönenerin Anneliese Maslowski hat sich entschieden, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung zu bleiben Hier stellen wir Wohnen in den eigenen vier Wänden vor mit Unterstützung durch vor. 

Die gestrickten Teddybären auf dem Sofa fallen sofort ins Auge. Die macht Anneliese Maslowski selbst. Mit ihren 86 Jahren lebt die Bönener Seniorin noch selbständig in ihrer eigenen Wohnung. „Die Beine machen nicht mehr so mit und die Augen sind nicht mehr so gut wie früher“, räumt sie ein, „aber so lange, wie ich das Lachen nicht verlerne, ist alles gut.“

Damit sie den Alltag gut bewältigen kann, hat sie Unterstützung durch die Pflegepraxis Anita Stracke. Die Mitarbeiter kommen ins Haus und helfen morgens beim Waschen oder beim Ausstieg aus der Badewanne und beim Anziehen und unterstützen sie im Haushalt. Das Kochen schafft sie noch selber. „Dann mache ich etwas mehr und friere mir die Portionen ein, dann muss ich sie nur noch warm machen.“ Zudem hat sie eine Hilfe für den Garten. Den kann sie nicht mehr selbst pflegen, aber sie genießt es, draußen zu sitzen in der Sonne, sobald das Wetter gut ist. 

Den Pflegerinnen kocht sie morgens eine Tasse Kaffee mit. „Die Leute, die zu mir gut sind, die sollen es auch gut haben“, findet sie, und ist dankbar, dass sie durch die ambulante Pflege in der Lage ist, auch im Alter in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben. Denn Sie will selbstbestimmt leben und auch weiterhin ihr eigener Herr sein. Das ist ihr ganz wichtig. 

„Ich sag immer: Für ein Heim bin ich noch nicht alt genug“, lacht die 86-Jährige. Sie war vor einiger Zeit zur Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim. Das hat ihr nicht gefallen. Sie musste sich das Zimmer und das Bad mit einer fremden Person mit beginnender Demenz teilen. Das war schwierig und bestärkte Anneliese Maslowski in ihrer Überzeugung, dass ein Seniorenheim für sie nicht das Richtige ist. „Als ich dann endlich wieder zu Hause war, das war der Himmel auf Erden“, erinnert sie sich. „Dann nehme ich lieber den Pflegedienst in Anspruch.“ 

Vor 14 Jahren starb ihr Mann. Seitdem lebt sie allein in ihrer Wohnung. Sie teilt das Schicksal vieler Frauen in ihrem Alter, die ihre Männer überleben und plötzlich alleine klar kommen und ihre Tage füllen müssen. Vielen fällt die Decke auf den Kopf, sie vereinsamen, haben kaum noch soziale Kontakte. Anneliese Maslowski dagegen genießt die Ruhe. Treffen mit Freundinnen sind eher selten. Seit sie nicht mehr so gut zu Fuß ist, finden viele Kontakte über das Telefon statt. „Ich bin gerne allein. Ich habe einen großen Fernseher, das ist fast wie Kino. Und dabei handarbeiten, das ist herrlich!“

Stricken ist ihr Hobby: Mit ihren Handarbeiten hat Anneliese Maslowski schon vielen Menschen eine Freude gemacht.

Langweilig ist ihr nie. Denn sie hat viel zu tun. Für ihre zehn Urenkel hat sie Teddys gestrickt und mit Namen versehen. Die haben so viel Anklang gefunden, dass sie mittlerweile 60 dieser Kuscheltiere hergestellt hat. „Ich kann aus dem Kopf sagen, wie viele Maschen ich zunehmen und abnehmen muss.“ Auch Kissenhüllen, Schals und Taschen fertigt sie. Für Weihnachten hat sie schon einen ganzen Korb voller Geschenke zusammen, und sie plant schon, was ihre Betreuer Ostern von ihr bekommen. 

Auch, wenn ihre Beine nicht mehr so wollen wie früher, einige Besorgungen macht sie noch selbst. Zur Bank, zum Friseur oder zum Bäcker fuhr sie früher mit dem Taxi. „Das ist zwar etwas teurer, aber das habe ich mir gegönnt.“ Jetzt fährt sie öfter mal mit dem Bürgerbus. „Der hält direkt vor der Tür. Das ist eine tolle Sache. Meine Beine sind etwas kurz, deshalb ist es schwierig mit den drei Stufen im Einstieg für mich“, erzählt sie. „Aber die Fahrer sind alle so nett. Die steigen aus und helfen mir beim Einsteigen.“ 

In der Ortsmitte besucht sie regelmäßig den Wochenmarkt. Da kauf ich mir auch mal was Schönes. Auch im Alter kann man sich ja noch was gönnen.“ 

Als der Mann ihrer jüngsten Schwester starb, zog sie auf deren Bitte für drei Monate zu ihr. „Sie wollte nicht alleine bleiben. Aber man muss lernen, auch ohne Partner klarzukommen.“ Anneliese Maslowski war anschließend froh, wieder in ihren eigenen vier Wänden zu sein. „Ich bin nicht gerne zu Besuch. Ich kann in niedrigen Betten nicht schlafen. Hier habe ich alles so eingerichtet, dass es passt.“ In ihrer eigenen Wohnung ist alles vertraut, hier kommt sie zurecht. 

Könnte sie sich vorstellen, mit ihrer Schwester zusammen zu ziehen? Dann wäre keine allein und immer jemand da. „Nein, jeder bleibt in seiner Wohnung, denn jeder hat so seine Gewohnheiten.“ 

Einsam fühlt sich Anneliese Maslowski dennoch nicht, und will, so lange es eben geht, in ihrer Wohnung bleiben – unterstützt von den Helfern des ambulanten Pflegedienstes. „Ich mach mir den Tag so schön, wie es eben geht. Man weiß nicht, was morgen kommt“, sagt sie und strahlt dabei ganz viel positive Energie aus.

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