Konkurrenz durch Discounter

Schwächelnder Wochenmarkt in Bönen: Das sagt der Experte

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Komplett und ausgewogen muss das Angebot auf einem Wochenmarkt sein, meint Ingo Johnson. In Bönen fehlt nun aber ausgerechnet der Stand für Obst und Gemüse.

Bönen – Wie geht es weiter mit dem schwächelnden Wochenmarkt in Bönen? Im Interview erklärt Ingo Johnson von der Deutschen Marktgilde, mit welchen Problemen die deutschen Wochenmärkte zu kämpfen haben und welche Möglichkeiten es gibt, wieder mehr Kunden anzulocken.

Spätestens seit dem Rückzug des Werner Händlers Michael Hubracht wird in Bönen wieder über die Probleme des örtlichen Wochenmarktes diskutiert. Die Verwaltung hat die Erstellung eines neuen Konzeptes angekündigt. Dabei könnte auch professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. 

Eine Anlaufstelle wäre die Deutsche Marktgilde, die verschiedene Wochenmärkte in Deutschland betreibt. WA-Redakteur Ansgar Wolfgart sprach mit Ingo Johnson, Vorstandsassistent der Marktgilde, über die Probleme der Wochenmärkte und was getan werden muss, um wieder Kunden anzulocken.

Wie bewerten Sie die allgemeine Situation von Wochenmärkten in Deutschland?

Ingo Johnson: Es gibt eine Statistik, dass in den vergangenen 25 Jahren der Umsatz von Wochenmärkten um zwei Drittel zurückgegangen ist. Also die Entwicklung ist rückläufig. Das ist bundesweit zu beobachten.

Ingo Johnson von der Deutschen Marktgilde

Was ist das größte Problem für Wochenmärkte? 

Johnson: Das Händlersterben. Die Händlerzahlen gehen immer weiter zurück, aus Altersgründen und weil keine Nachfolger da sind. Hinzu kommt die Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter.

Was gibt es für Maßnahmen, um einen Markt wieder flott zu bekommen? 

Johnson: Wenn wir beauftragt werden, einen Markt zu übernehmen, gucken wir uns das Umfeld vor Ort an, etwa ob der Markt an seinem Platz noch gut aufgehoben ist. Wenn ringsum nur noch Leerstand ist und da keine Kundenfrequenz vorhanden ist, wäre die erste Überlegung, ob man einen anderen Standort findet. Der Wochenmarkt alleine kann kaum noch bestehen. Er belebt alleine auch keine Innenstadt mehr. Wenn die Einzelhandelspolitik über Jahrzehnte verschlafen wurde, rettet der Wochenmarkt das auch nicht mehr.

Was schauen Sie sich noch an? 

Johnson: Man muss versuchen, die wichtigen Händler auf den Markt zu bekommen. Das heißt, das Sortiment muss komplett und ausgewogen sein. Es muss von allem etwas da sein: Fisch, Käse, Brot, Obst und Gemüse. Das machen wir über unsere umfangreiche Datenbank. Wenn man die wichtigsten Sachen vorweisen kann, lockt das auch die Kunden wieder an. Ohne Händler keine Kunden und ohne Kunden keine Händler. Man muss zudem versuchen, über moderne Medien und Zeitungsartikel, die Werbetrommel zu rühren.

Gibt es denn einen Punkt, an dem sich ein Wochenmarkt für eine Kommune nicht mehr lohnt? 

Johnson: Es gibt tatsächlich Punkte, an denen man sagen kann: Es funktioniert nicht mehr. In erster Linie dann, wenn eine bestimmte Zahl von Händlern nicht mehr erreicht wird. Es ist vorgeschrieben, ab wann man offiziell nicht mehr von einem festgesetzten Markt sprechen darf. Bei Privatmärkten hat man diese Vorschriften zwar nicht. Aber auch da ist irgendwann Ende. Wenn man kein vernünftiges Sortiment zusammenbekommt, bleibt einem nichts anderes mehr übrig, als die Segel zu streichen.

Was erwartet ein typischer Besucher von einem Markt? 

Johnson: Ganz allgemein erwartet er, dass er ein umfangreiches Sortiment vorfindet und das auch in einer entsprechenden Qualität.

Und was erwartet ein Marktbeschicker? 

Johnson: Er erwartet eine entsprechende Kundenfrequenz. Am liebsten wäre es ihm, wenn es ständig Aktionen gibt und auch entsprechend Werbung gemacht wird, um Kunden anzulocken. Natürlich will er auch möglichst wenig bezahlen.

In Bönen befinden sich neben dem Marktstandort zwei große Discounter. Welche Auswirkungen hat so eine Konkurrenzsituation? 

Johnson: Das ist eine sehr große Konkurrenz, weil die Discounter in diesem Bereich auch stark aufgerüstet haben. Das sieht man ja schon an Werbeslogans wie „Der beste Wochenmarkt Deutschlands“ oder „Frische wie vom Wochenmarkt“. Wenn die Discounter dann auch noch genau vorweisen können, wo die Produkte herkommen und es zudem auch noch günstiger ist, ist die Konkurrenz nicht zu unterschätzen. Auf der anderen Seite haben wir die Erfahrung gemacht, dass solche Läden auch Kunden auf den Wochenmarkt bringen, wenn sie in unmittelbarer Nähe liegen und es als Ergänzung angesehen wird. Es gibt also auch positive Erfahrungen, auch etwa durch Parkplätze. Die Kunden möchten möglichst nah am Einkaufsort parken.

Welche Rolle spielt die Kaufkraft der Kunden? 

Johnson: Das hat sicherlich einen gewissen Einfluss. Auch da kommt es aber auf das Angebot an. Bei Kunden mit niedriger Kaufkraft ist ein teurer Feinkosthändler vielleicht Fehl am Platz, weil er dort keinen Umsatz macht. Aber das normale Sortiment sollte eigentlich laufen, wenn nicht komplett übertriebene Preise verlangt werden.

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