Bald auch Wohnaccessoires

„Wir wollen weiter wachsen“: Junge Bönener Firma plant Erweiterung ihrer Produktpalette

Das Parax-Team hat sich vergrößert: Zwei Mitarbeiter und ein Auszubildender sind dazugekommen.
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Das Parax-Team hat sich vergrößert: Zwei Mitarbeiter und ein Auszubildender sind dazugekommen.

Die Idee, eine optisch ansprechende Wandhalterung für Fahrräder zu entwerfen, herzustellen und zu vermarkten, zündete: Mittlerweile hat die Bönener Firma Parax neben dem Ur-Produkt noch weitere Halterungstypen im Angebot. Und die beiden Geschäftsführer Torben Siegert und Fridolin Förster wollen wachsen, künftig auch Wohnaccessoires anbieten.

Bönen – Es ist ein ausgeschnittenes, eloxiertes Quadratrohr aus Alu, verschlossen mit einer schön gemaserten Holzplatte, verdeckt an die Wand geschraubt. Ganz im Sinne guten Designs – scheinbar einfach, aber doch ein Hingucker. Dieses D-Rack ist der Urtyp eines Fahrradwandhalters, den die Bönener Torben Siegert (31 Jahre) und Fridolin Förster (30) ab 2015 entwickelten.

Inzwischen sind es drei Modelle, die sie unter dem Markennamen Parax produzieren – lokal, nachhaltig und mit Firmensitz in Bönen. „Wir wollen langfristig in Bönen bleiben, es ist und bleibt meine Heimat“, sagt Siegert, „ein guter Standort, und das operative Geschäft lief sowieso immer von hier aus“.

Blick in die Firmenräume: Sie werden angesichts neuer Produktideen schon wieder zu klein.

Die Idee zum D-Rack kam dem Sportstudenten in Köln, weil er sein geliebtes Rennrad irgendwie unterbringen wollte. Nicht vor der Tür, nicht im Keller und auch nicht im Flur, sondern eben an der Wand. Und optisch sollte es zur Einrichtung passen. „Erschwingliche Wandhalterungen, die mir gefielen, gab es aber nicht. Diese Idee aufs Papier zu bringen, war dann Fridos Aufgabe“, erzählt Siegert.

„Aus dem Versprechen ,Ich zeichne Dir das in zwei Wochen’ bis zur Präsentation wurden dann gut zwei Jahre“, erinnert sich Physikstudent Förster unter anderem an die Entwicklung der Matrix für das Pressstrangprofil des Flansches, der das Rohr unsichtbar trägt „Ich hab damals im Fab-Lab in Berlin tatsächlich lange herumexperimentiert. Der Ausschnitt im Rohr, das Lager für die Aufnahme des Oberrohrs vom Fahrrad, ist zum Beispiel sehr aufwendig zu fräsen, weil dort ein Silikonformstück dauerhaft festsitzen muss.“

Viel Ausdauer und Herzblut

In dem Produkt stecken eine Menge Denkarbeit, viel Ausdauer und Herzblut, im Gesamtpaket viele originelle Ideen. Damit nicht genug: Marktreife und -einführung kosten. Die Entwickler überzeugten mit ihrem Enthusiasmus. Förster und Siegert finanzierten Prototyp und die erste Kleinserie per Crowdfunding.

Siegert arbeitete seit einigen Jahren wieder in Bönen, beim Sportartikelvertrieb der Tailwind Brands GmbH. Die Einzelteile des D-Racks wurden im Elternhaus am Bockeldamm zusammengesetzt und von dort versandt. Förster beendete sein Masterstudium in Berlin nicht, kehrte 2019 auch zurück.

„Die Entscheidung stand an, machen wir es ganz oder gar nicht“, blickt er zurück. „Wir hatten aber ja nur ein Produkt“, ergänzt Förster. Von dem sie aber, wie gesagt, voll überzeugt waren. „Es gab ja sehr viele positive Rückmeldungen, und wir hatten einige größere Posten schon verkauft.“ Die beiden trauten sich in die Selbstständigkeit. Parax zog in eine 50 Quadratmeter große Werkstatt am Grenzweg. „Wir brauchten aber Platz, bei Torben zu Hause stand der Laser-Cutter im Keller, die Fräse in der Gartenhütte“, beschreibt Förster das Provisorium zuvor.

„Ein schönes Stück klarstes Design“

Als Vertriebswege nutzen die Freunde die gängigen Verkaufsplattformen im Internet, aber auch spezialisierte wie Bike24.de – und natürlich die eigene professionell aufgezogene Website. Ein gelungener Internetauftritt, ebenfalls made by Förster & Siegert. „Über unseren eigenen Webshop verkaufen wir inzwischen 40 bis 50 Prozent der Fahrrad-Wandhalterungen.“

Im April 2020 half dann der Zufall beim Wachstum der Firma. „Wir haben die Velostop-Wandhalterung der Firma Stückwerk aus Lenningsen übernommen“, erklärt Förster, „die Leute um René Struttmann dort sind Designer. Sie wissen, wie man Produkte so konzipiert, dass sie wirtschaftlich hergestellt werden können.“

Aus Velostop wurde bei Parax das S-Rack, ein gelasertes, gekantetes Blech mit integrierter Ablage aus Holz. „Davon haben wir einige 1000 Stück verkauft“, sagt Siegert, „den Preis von 70 Euro können sich auch Studenten leisten“. Das Spitzenmodell D-Rack ist mehr als doppelt so teuer. „Aber Leute, die 10.000 Euro für ein Fahrrad ausgeben, sind bereit, das Geld für ein schönes Stück klarstes Design auszugeben.“ Aus Blech in Kombination mit Holz gestalteten die Bönener übrigens auch ihr L-Rack. Pfiffig, der Fahrradträger ist abklappbar, die Klappe magnetisch. Ein idealer Ort für die Zettelwirtschaft im Haushalt.

Drei Neue im Team

Wie die Produktpalette von Parax wächst die Mitarbeiterzahl. Laura Waßmuth ist seit August 2020 dabei und Simon Maletz seit Juni. Beide stehen fürs Marketing im Unternehmen. „Wir machen aber weit mehr als die Werbung“, sagt Maletz, „wir arbeiten beim Zusammenbau der Racks mit oder falten auch Kartons. Man kann durchaus sagen, wir kennen das Produkt in allen Details, verkaufen es nicht nur“.

Waßmuth brachte sich schon mit einem fahrradaffinen Give-away ein. Sie kreierte einen Kundengutschein mit Fahrradflicken als kleines Geschenk, der im Versandkarton liegt. Liebevoll gestaltet ist die Verpackung mit kleiner Box fürs Befestigungsmaterial und der von Förster erdachten Bohrschablone inklusive praktischem Lot. Die Idee wird konsequent umgesetzt.

Nachhaltigkeit gehört zum Fahrradfahren, Nachhaltigkeit soll auch für das Produkt aus Bönen stehen. Produziert wird alles im Umkreis von 100 Kilometern, alle Produkte sind plastikfrei. Das Leder des Gurts, der beim D-Rack das Vorderrad fixiert, sodass es nicht an die Wand schlägt, wird ersetzt werden. „Wir werden das zukünftig aus Ananasleder anbieten, ein Imitat aus Fasern des Grüns dieser Pflanze“, erklärt Maletz.

Suche nach größeren Räumen

Ab diesem Monat beschäftigt Parax mit Mohammad Maash einen Auszubildenden als Fachlagerist. Den geflüchteten Iraner vermittelte Mutter Bärbel Förster, die in der Bönener Flüchtlingshilfe aktiv ist. „Er ist ein smarter Typ, schon seit vier Monaten bei uns und schon unverzichtbar“, lobt der Sohn und Chef. An den Kopf fassen müssen sich die Arbeitgeber aber im Rückblick auf die behördliche Genehmigung des Ausbildungsverhältnisses. „Laura hat tagelang am Telefon gehangen, um bei Ausländerbehörde und Arbeitsagentur irgendwas herauszufinden. Das war schon Extrembürokratie“, sagt Förster.

„Wir wollen weiter wachsen“, bestätigen die beiden Jungunternehmer. Die Produktpalette soll erweitert werden. „Parax bleibt als Marke für die Fahrradwandhalterungen, neu kommt ,Wood & Wonder’ hinzu“. Der firmeneigene Laser-Cutter schneidet dann Dekoartikel aus Holz für die Wohnungseinrichtung. Spinnerei ist das nicht. Die Bönener machen aus einer guten Idee einen Prototypen und testen am Markt, ob er ankommt. Es müsse Interesse da sein, die Macher wollen Außergewöhnliches bieten, aber dabei wirtschaftlich arbeiten.

Ideen hätten sie noch genug, betont Förster. „Aber wir brauchen wieder mehr Platz“, stellt Siegert fest. Die Parax-Macher suchen eine neue Produktions- und Lagerstätte – natürlich in Bönen.

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