Wieder kein Urteil: Streit in Bönener Asylunterkunft bleibt weiter ungeklärt

Unna/Bönen - Der Fall einer mutmaßlich gestohlenen Schachtel Zigaretten, bei dem auch ein Messer eine Rolle gespielt haben soll, bescherte dem Amtsgericht Unna überraschenden Aufwand. Ein zweiter Versuch, den Vorfall, der sich im Sommer in Bönen ereignet haben soll, aufzuklären, scheiterte nun aus einem gewichtigen Grund.

Rückblende: Am späten Abend des 20. Juli, so zumindest der Vorwurf, tauchte ein 25-jähriger Bewohner einer Asylunterkunft im Zimmer seines Nachbarn auf, nahm dort eine Schachtel Zigaretten vom Tisch und hielt dabei ein Küchenmesser in der Hand. 

Soweit die Anklage, doch die wollte der junge Mann bereits im Dezember, als der Fall zum ersten Mal verhandelt werden sollte, nicht auf sich sitzen lassen. 

Damals stand es Aussage gegen Aussage, und in der Situation entschied der Unnaer Strafrichter, das Verfahren auszusetzen und mit weiteren Zeugen, den Polizisten vor Ort, neu aufzurollen. Jetzt erfolgte der zweite Anlauf, Licht ins Dunkel zu bringen. Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld und präsentierte sich erneut als Opfer falscher Anschuldigungen. 

Richter fühlt sich nicht zuständig

Ja, es sei zu einem Streit gekommen, weil ihn der Andere aufgefordert habe, ein Hemd anzuziehen. Er habe den Älteren letztlich gepackt, dabei sei dessen Zigarettenbox runtergefallen. Er habe die Zigaretten dann genommen und weggeworfen. Geklaut habe er sie also nicht. Und: „Ich führe kein Messer mit mir. Er lügt.“ Und Letzteres habe der Gegner auch nicht zum ersten Mal getan. Eine andere Version lieferte das mutmaßliche Opfer. 

Der 25-Jährige sei in sein Zimmer gekommen, habe sich umgeschaut und die Schachtel genommen. Er selbst habe daraufhin „Hallo?“ gerufen, sei ihm gefolgt und auf dem Flur habe der Angeklagte dann mit dem Messer gewedelt und ihn dabei angeguckt. Er habe das als Bedrohung empfunden, so der 53-Jährige. Nach dieser Aussage, so die Einschätzung des Richters, stellte sich das Ganze unter Umständen als räuberischer Diebstahl dar, für den er als Einzelrichter nicht zuständig sei. 

Aus diesem Grund werde er den Fall an das Schöffengericht abgeben. Demnächst wird es nun einen dritten Versuch geben, die Sache aufzuklären. Und dann wird auch vermutlich auch der Polizist gehört, der die besagte Zigarettenschachtel später im Zimmer des Angeklagten gefunden haben soll.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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