Die Band Tender Gleam und ihr Debütalbum Petrichor

Wie ein Licht in der Entfernung: Die Band Tender Gleam produziert ihr erstes Album selbst

Benjamin Kurz (links) und Thomas Sterthoff von Tender Gleam.
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Benjamin Kurz (links) und Thomas Sterthoff produzieren alles selbst. Musik machen beide schon von klein auf.

Für den Geruch von Regen auf trockener Erde gibt es einen Begriff: Petrichor: Die Band Tender Gleam hat diese poetisch klingenden Bezeichnung nun als Titel für ihr erstes Album gewählt. Und so wie Petrichor mehr als nur den Geruchssinn anspricht, berühren auch die sechs Stücke des Duos aus Bönen und Hamm vor allem die Gefühlsebene.

Bönen/Hamm – Ruhig, teils zart-melancholisch und doch voller Hoffnung schmeicheln sie im Ohr und in der Seele. Die Musik klingt ziemlich reif, erwachsen. Tatsächlich sind die beiden Künstler, die das Album im Oktober herausgebracht haben, aber gerade erst volljährig geworden. Trotzdem liefern der Bönener Benjamin Kurz und Thomas Sterthoff aus Westtünnen den richtigen „Soundtrack“ für eine paar Stille Tage zum Jahreswechsel.

Das Genre ihres Erstlingwerkes zu beschreiben, fällt den Beiden schwer. „Wir wollen uns eigentlich auch gar nicht festlegen“, sagt Benjamin Kurz. Er verrät, dass das zweite Album, das bereits in Arbeit ist, anders klingen wird. „Uns geht es viel mehr um die Inspiration, die wir haben, um Künstler, die uns angeregt haben“, fügt Thomas Sterthoff hinzu. Dazu gehören für ihn der amerikanische Liedermacher und Sänger Frank Ocean, das australische Psychedelic-Rock-Projekt Tame Impala, das The Alan Parson Project und vor allen die britische Rockband Pink Floyd.

Von klein auf von Musik umgeben

Die ungewöhnliche Mischung rührt daher, dass die Zwei von klein auf von Musik umgeben waren und sich viel damit beschäftigen. Ihr musikalischer Horizont ist weit. „Ich komme aus einem sehr musikalischen Haushalt“, erzählt Benjamin Kurz. Sowohl seine Eltern als auch seine vier Brüder spielen Instrumente, seine Mutter singt in einem Chor. „Bei uns standen immer das Klavier und einige Gitarren“, erzählt der 18-Jährige. Er selbst hat mit dem Schlagzeug angefangen. Da war er noch im Kindergarten. In der Grundschule kam die Trompete dazu, und nach einem High-School-Halbjahr in den USA hat er Gitarren- und Gesangsunterricht beim Musikkarussell genommen.

Bei Thomas Sterthoff war es hingegen ganz klassisch die Flöte, mit der er als Sechsjähriger begonnen hat zu musizieren. Später kam Gesangsunterricht dazu, jetzt spielt er Klavier. Rund zwei Jahre war der junge Westtünnener sogar Mitglied im Kirchenchor.

Kennengelernt haben sich die Freunde allerdings nicht durch die Musik, sondern beim Theaterspielen beim Helios-Theater in Hamm. „Da haben wir festgestellt, dass wir beide sehr kreative Köpfe sind“, berichtet Thomas Sterthoff. Die beiden Teenager verabredeten sich oft, entwickelten mit Freunden Drehbücher und drehten eigene Videos. Natürlich spielte auch dabei die Musik schon eine große Rolle.

Kleine Jungen, die ihre Wurzeln nicht vergessen wollen

Mehr aus Spaß beschlossen die Zwei, in diesem Frühling, eine Band zu gründen. Die Corona-Pandemie verschaffte ihnen nämlich einige Freizeit. „Und eines Abends haben wir das einfach gemacht“, sagt Thomas Sterthoff und lacht. Auf den poetischen Namen „Tender Gleam“, auf deutsch so viel wie „zärtliches Glimmen“, kamen sie bei einem abendlichen Spaziergang. „Der Name sollte etwas mit unserer Musik zu tun haben“, erklärt Benjamin Kurz.

Er interpretiert ihn gerne mit einem Licht, das in der Entfernung aufleuchtet. „Für uns bedeutet das, dass wir uns selbst nicht verlieren wollen. Irgendwie wollen wir die ‘kleinen Jungen’ bleiben, die ihre Wurzeln nicht vergessen, an ihre Familie und an alte Freunde denken“, beschreibt der Schüler des Bönener Marie-Curie-Gymnasiums. „Es soll aber auch ausdrücken, dass es uns immer um die Musik, um die Kunst, geht“, fügt Thomas Sterthoff hinzu.

Songtexte werden grundsätzlich zusammen geschrieben

Eine Band ohne Lieder ist natürlich keine, aber Ideen für erste eigene Stücke hatten sie genug. „Die Texte schreiben wir grundsätzlich zusammen“, berichtet Benjamin Kurz. Die sind wunderbar lyrisch, kurze Gedichte. Es geht um die Natur, um Gefühle, das Leben an sich. „Promises“, „Versprechen“, heißt das erste Lied, welches die talentierten Musiker schließlich fertig produziert hatten. In der Reihenfolge auf dem Album belegt es jedoch Platz vier. „Wenn man die Song-Titel hintereinander liest, ergeben sie einen Sinn“, verrät Thomas Sterthoff. Auch dabei haben die jungen Künstler sich also etwas gedacht.

Die Instrumente, die auf dem Album zu hören sind, haben sie selbst eingespielt. Im Vordergrund ist die Stimme von Benjamin Kurz zu hören, im Hintergrund Thomas Sterthoffs. „Wir produzieren eigentlich alles zusammen, wechseln uns ab. Durch die Arbeitsteilung sind wir deutlich effektiver“, stellt Benjamin Kurz fest. Das Schneiden und Mischen haben sie eigenhändig übernommen, ebenso wie die grafische Gestaltung des Albums.

Aus der Albumproduktion ein Geheimnis gemacht

Bei all der Arbeit, die sie sich für ihre erste Veröffentlichung gemacht haben, haben die beiden jedoch Stillschweigen bewahrt. Nur wenige enge Freunde wussten „ganz grob“ von ihrem Vorhaben. Mit der Veröffentlichung der „Scheibe“ am 18. Oktober auf den gängigen Portalen im Internet haben sie dann alle überrascht, vor allem ihre Familien.

Die Resonanz ist dabei fast ausschließlich positiv. „Manchen ist die Musik zwar etwas zu ruhig, aber grundsätzlich finden sie sie alle gut“, freut sich Benjamin Kurz. Der 18-Jährige will im kommenden Jahr sein Abitur machen und dann – falls die Pandemie es zulässt – am liebsten für das soziale Projekt „Musik ohne Grenzen“ für ein Jahr nach Jamaika gehen. Thomas Sterthoff ist sich noch nicht sicher, wie es für ihn weitergehen soll. Auf jeden Fall möchte er etwas Kreatives machen. Zeit, um mit Tender Gleam das zweite Album zu produzieren, haben die beiden demnach zunächst noch.

Das Album „Petrichor“ von Tender Gleam lässt sich im Internet bei Spotify oder bei Amazon music herunterladen. Wer reinhören möchte, findet die Lieder außerdem auf Open.Spotify und Youtube (Suchbegriffe Petrichor, Tender Gleam).

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