Westfälische Lyrik: "Tante Lisbeths Erben" zu Gast in Bönen

+
Hartmut Hegewald, Gerda Gnad und Michael Winkler zerlegten die Spezies „Westfale“ musikalisch.

Bönen - Können sich Westfalen mit Musik und Gesang präsentieren? Gewiss können sie das – und wie! Den Beweis dafür lieferten Gerda Gnad, Hartmut Hegewald und Michael Winkler als „Tante Lisbeths Erben“ am Sonntagabend im Haus Böinghoff in Flierich.

Vor rund 50 Besuchern zündeten sie im Rahmen von Sabine Miermeisters Kulturprogramm „Extrakult“ ein Feuerwerk plattdeutscher Texte, verknüpft mit traditionellen Folk- und Bluesmelodien, die aus der ostamerikanischen Appalachenregion stammen.

Dem von Beginn an erwartungsfrohen Publikum wurde eine sprachhistorisch breit gestreute Liedermischung geboten, ohne allerdings zu sehr ins pädagogisch Ernsthafte zu verfallen. Namhafte Autoren, darunter etwa Augustin Wibbelt oder etwas aktueller Tönne Vormann wie auch die Bullemänner und andere hatten dazu ihre Beiträge geliefert.

Alles zusammen genommen ergab einen interessanten Sprachmix von moderner plattdeutscher Lyrik, zu Herzen gehenden Balladen und bodenständigen Kirmesliedern, welche die Drei in gekonnter Mundart vortrugen – mal als Solist, im Duett oder Terzett, wobei Gitarre, Geige, Mandoline und Rhythmik den musikalischen Unterbau bedeuteten. Dazu Gerda Gnads ländlich-historisch geprägte Moderation mit ihrem von unnachahmlicher Mimik begleiteten Gesang waren im Ergebnis das Produkt eines außergewöhnlichen Abends.

Vom Publikum, in dem auch einige noch plattdeutsch sprechende Besucher vertreten waren, heftig gefeiert wurden die „Erben“ nicht ohne Zugaben entlassen. Die besondere Spezies, der Westfale, wurde in ihren Eigenheiten, ihren Lebensgewohnheiten, auch ihren schicksalhaften Angelegenheiten musikalisch seziert. Was macht er, wenn er „dat arme Dier“ kriegt, oder nur glücklich ist, wenn „kein anderer da ist“? Der bedauernswerte Stotterer, der von Armut geknechtete Kötter, die vom eigenen Schicksal und dem ihrer fünf Söhne gebeutelte Mutter – Themen, die der Wirklichkeit entnommen sind.

Meckerkultur in A-Cappella-Version

Insgesamt überwog jedoch die humoristische Seite. Umwerfend und geprägt von großartiger Situationskomik die „Westfälische Schimpfkanonade“ von den Bullemännern mit ein paar zusätzlichen Vokabeln, damit Laien überhaupt etwas verstehen konnten. Ein Beispiel für eine an sprachlichen Wendungen reiche Meckerkultur auf Plattdeutsch, in A-Cappella- Version perfekt umgesetzt. Das westfälische Essen kam natürlich mit auf den Tisch: Ganz klar das „Möppkenbraut“, von vielen mitgesungen. Mit dem „Westfalenlied“ am Schluss rundete sich eine perfekte Hommage an den Typus „Westfale“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare