Im Bereich Alter Bahnhof

Wenn Radler rasen: CDU-Politiker sehen Gefahren für Fußgänger am Alleenradweg in Lenningsen

Alleenradweg TIlman Rademacher Claudia Gebhard Alter Bahnhof Lenningsen
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Der Alleenradweg führt auf Höhe Lenningsen direkt am Spielplatz „Alter Bahnhof“ vorbei. Immer wieder kommt es zu brenzligen Situationen, wie der neugewählte CDU-Ratsherr Tilman Rademacher (von links) und Ortsvorsteherin Claudia Gebhard berichten.

Wenn von Rasern die Rede ist, denkt man gleich an rüde Autofahrer. Doch auch manch Radler hält mehr von Tempo als von Sicherheit – etwa auf dem beliebten Alleenradweg zwischen Unna und Welver. Im beschaulichen Lenningsen ist man daher in großer Sorge.

Als Gefahrenstelle haben dortige Anwohner den Abschnitt zwischen der Fröndenberger Straße und dem Gnadenweg ausgemacht – und im Besonderen den Bereich vor dem Spielplatz am Alten Bahnhof. Der Radweg führt direkt am Areal vorbei – aber er ist eben nicht nur für Radler gedacht, sondern darf gleichberechtigt auch von Fußgängern genutzt werden.

Größtes Problem: Die Kinder können Sandkasten und Klettergerüst nur erreichen, wenn sie den Alleenradweg nutzen oder zumindest kreuzen. „Es häufen sich die Fälle, in denen Spielplatzbesucher über Beinahe-Zusammenstöße mit Radfahrern klagen“, sagt Tilman Rademacher.

Ortstermin mit dem Kreis Unna

Der 30-jährige Rechtsanwalt ist neugewählter Ratsherr für die CDU im Wahlkreis Bramey/Lenningsen. Seit seine Plakate an den Straßen hingen, werde er verstärkt angesprochen im Ort, berichtet er. Eine häufig geäußerte Befürchtung der Gesprächspartner: dass am Spielplatz irgendwann ein schlimmer Unfall passiert. Zusammen mit seiner Parteikollegin und Ortsvorsteherin Claudia Gebhard hat Rademacher bereits Kontakt mit dem Kreis Unna aufgenommen, der für den Alleenradweg zuständig ist. Auch der Behörde sei das Problem in Lenningsen bekannt, sagt deren Sprecher Max Rolke. Am Freitag, 30. Oktober, ab 15 Uhr kommt es nun zu einem Ortstermin. Es steht die Frage im Raum, wie – etwa durch Hinweisschilder oder gar bauliche Maßnahmen – die Gefahrenstelle entschärft werden kann.

Darum ging es bereits 2015, als der Geh- und Radweg durch eine Asphaltdecke aufgewertet wurde. Seit damals mahnen Piktogramme auf dem Boden zu Vorsicht bei der Weiterfahrt. Doch das ist aus Sicht der CDU-Politiker nicht ausreichend. „Zwar scheint für Radfahrer die Verkehrssituation am Spielplatz zunächst recht übersichtlich zu sein“, meint Rademacher. „Doch wenn Kinder vom Alten Bahnhof kommen und direkt zum Spielplatz rennen, wird’s brenzlig.“

Der 21 Kilometer lange Alleenradweg sei in großen Teilen auch Fußweg, sagt Rolke. Das unterscheide ihn von anderer ausgewiesenen Radwegen im Kreis Unna. Zwar sehe die Straßenverkehrsordnung Tempolimits für Radler nicht vor. Wer im Sattel sitze, habe aber dennoch Sorge dafür zu tragen, dass er andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährde. „Im Zweifel bedeutet das Absteigen oder Schrittgeschwindigkeit.“

Viele Pendler und Rennradfahrer

Davon seien viele Radler im Bereich Lenningsen weit entfernt, schildern Rademacher und Gebhard. Auch Hundebesitzer, die Gassi gehen, beschwerten sich über allzu rasantes Fahren und rüpelhaftes Verhalten von Zweirad-Nutzern. „Schwächere Verkehrsteilnehmer fühlen sich dominiert“, sagt Gebhard.

Rademacher hat beobachtet, dass auch viele Pendler auf dem Alleenradweg unterwegs sind. Das sei mit Blick auf Umwelt und Gesundheit positiv, eine starke Nutzung verschärfe die Gefahrenlage aber natürlich. Überdies führe der E-Bike-Boom zu tendenziell höheren Geschwindigkeiten. Die Sportler unter den Velo-Fans, Rennradfahrer und Mountainbiker, wollten naturgemäß schnell vorankommen.

Die CDU-Politiker wollen die Radler nicht vergraulen, aber für maximale Sicherheit des Fußvolks sorgen. „Es ist ein Zielkonflikt, der Kompromisse nötig macht“, sagt Rademacher. Er kann sich auf Höhe des Spielplatzes eine Verengung des Radwegs durch beidseitige Hindernisse vorstellen, sodass Radler eine leichte S-Kurve nehmen müssen, dabei Tempo verlieren und sich hintereinander einreihen. Auch eine verbesserte Beschilderung könne hilfreich sein, ergänzt Gebhard. Für eine Umfahrung des Spielplatzes auf der anderen, der südlichen Seite ist kaum Platz; dort befindet sich bereits ein Reitweg.

Das blaue Verkehrszeichen 240 „Gemeinsamer Fuß- und Radweg“ zeigt, dass beide Verkehrsteilnehmer auf dem Alleenradweg gleichberechtigt sind. Radler müssen also im Zweifel das Tempo reduzieren oder ganz absteigen, um Gefährdungen auszuschließen. Das Problem: Sie tun es nicht immer.

„Wenn das Rad eine ernst zu nehmende Alternative ist, müssen wir auch die Verkehrsregelung ernst nehmen“, sagt Rademacher. Gebhard, die auch im Kreistag sitz, hofft, dass aus dem Beispiel Lenningsen Lehren für zukünftige Radweg-Projekte gezogen werden.

Apropos Zielkonflikt: Um die Gefährdung von Radlern zu minimieren, wurden zuletzt an der Fröndenberger Straße sowie am Gnadenweg die Poller, die mittig auf den Einfahrten zum Alleenradweg standen, auf Bitten des ADFC abmontiert. Das Ergebnis: Nun „verirren“ sich auch Autos auf dem Geh- und Radweg. „Mich selbst hat ein Paketfahrer mal nach einer bestimmten Adresse gefragt“, erzählt Rademacher, Vater zweier Kinder. „Ich konnte ihn dann aufklären, dass er hier nichts zu suchen hat.“

Bürger zum Ortstermin willkommen

Zum Ortstermin am Freitag, 30. Oktober, ab 15 Uhr am Spielplatz „Alter Bahnhof“ in Lenningsen will auch Jürgen Busch kommen, Leiter des Sachgebiets „Straßenunterhaltung, Neubau, Ausbau“ beim Kreis Unna. Eingeladen zum Treffen ist die gesamte Dorfgemeinschaft sowie auch Vertreter des ADFC.

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