„Hotspot“ ohne Netz

Bei Hitze geht der Helinet-Anschluss in Nordbögge in die Knie

 Die Helinet hat einen Bauzaun als Schattenspender vor dem Verteilerkasten in Nordbögge aufgestellt.
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Wenn Nordbögge auf dem Thermometer zum „Hotspot“ wird, breche im Dorf der Online-Anschluss zusammen, klagt Daniel Schumacher. Der Helinet-Verteiler an der Hammer Straße/Ecke Hubertstraße steige bei Hitze immer aus.

Wenn Daniel Schumacher dieser Tage wissen will, wann Feierabend ist in seinem Homeoffice am Fredenbaum, dann schaut er weder auf den Rechner noch auf die Uhr – sondern aufs Thermometer. Wenn’s auf die 30 Grad zu geht oder drüber, „dann ist 14 Uhr Schluss“, sagt der Vertriebsleiter. Aber nicht, weil es sein Arbeitgeber gut mit ihm meint: „Dann bricht regelmäßig die Internetleitung zusammen.“

Bönen - Verflogen ist bei dem Mitstreiter der Dorfgemeinschaft die Freude darüber, dass die Nordbögger in einer Gemeinschaftsaktion den Anbieter Helinet, Tochter mehrerer Stadtwerke der Hellweg-Lippe-Region, vor fünf Jahren dafür gewinnen konnten, das kaum versorgte Niemandsland Nordbögge auf der Internetkarte mit besseren Anschlüssen zu versorgen. Dafür wurde Glasfaser verlegt, aber eben nur bis zu den Schaltkästen, in denen die Telefondrähte der Telekom zu den Häusern zusammenlaufen. Immerhin, besser als nichts.

Eine dieser Schaltstellen steht an der Hammer Straße an der Einmündung Hubertstraße. „Immer wenn es heiß wird, steigt hier die Technik aus“, sagt Schumacher bei einem Treffen am Corpus Delicti. Falsch liegt er damit offenbar nicht. Warum sonst hätte jemand schützend ein Bauzaunelement mit lichtdichter Plane davor stellen sollen? „Das wurde am Mittwoch aufgestellt, um den Kasten vor Sonne zu schützen. Das gab es im vergangenen Jahr auch schon.“

Autounfall sorgt für Totalausfall

So bestätigt es auch Martin Köster, Sprecher der Helinet. Das Kuriosum ist im Unternehmen bekannt, man kümmere sich. An jenem Tag, an dem der Schattenspender aufgestellt wurde, geriet auch der Nordbögger aus Ärger um den immer wieder gestörten 30 000 Mbit-Anschluss für nicht ganz 50 Euro so ins Schwitzen, dass er – nicht die erste – Beschwerde an Helinet und den Geschäftsführer persönlich absetzte. „Darauf gab’s keine Reaktion“, schimpft Schumacher. „Aber Fakt ist, dass ich ab 14 Uhr meinen Job nicht mehr machen kann. Und da bin ich in diesen Zeiten nicht Einzige in Dorf. Samstag gab es sogar einen Totalausfall.“

Was zum Zeitpunkt des Gesprächs mit der Redaktion Ende vergangener Woche keiner ahnte: Der neuerliche Ausfall an diesem Tag geht auf das Konto eines Autofahrers. Hätte der nicht auf der anderen Seite der Autobahnbrücke an der Hammer Straße eine Laterne umgesenst, hätten die Stadtwerke auch nicht den Strom abschalten müssen, wie Köster erläuterte. Da war für alle ringsum zeitweise die Leitung tot.

Aber Daniel Schumacher hat hier ein grundsätzliches Problem im Sommer. E-Mails wickelt der Vertriebschef eines Herstellers für Arbeitsbekleidung in Breakdown-Phasen umständlicher über das Mobiltelefon ab. Auf Programme und Daten für seinen Job habe er keinen Zugriff mehr. Das will er nicht länger hinnehmen. „Ich habe meinen Anwalt schon kontaktiert. Die Frage ist nur noch: Unternehme ich alleine etwas, weil mein Vertrag dauerhaft nicht erfüllt wird, oder machen wir etwas in Gemeinschaft, etwa die monatlichen Beiträge einbehalten, bis endlich etwas passiert.“

Schattenspender hat sich bewährt

Denn alles Reden und Vermittlungsversuche hätten nichts gebracht. „Da wurde in dem Glasfaserkasten ein Kühler gewechselt, aber das Problem besteht weiter.“ Im Zweifel könne er das umfänglich belegen, versichert Schumacher. Im Protokoll des Routers lässt sich auf die Sekunde nachverfolgen, wann Nordbögge „on“ ist oder ein „Hotspot“ ohne Netz.

„Der Kabelverzweiger steht bei uns unter Beobachtung“, versicherte Helinet-Sprecher Martin Köster. Unter den unzähligen Knoten im Netz zeige just dieser eine an der Hammer Straße das beklagte Hitzephänomen. Deswegen seien schon Bauteile ausgetauscht worden, aber gelöst sei das Problem noch nicht. „Wir lernen noch daran“, so Köster. Die Techniker hätten ein Auge auf das Teil.

Bewährt habe sich aber die Erste-Hilfe-Maßnahme mit dem Sonnenschutz. „Seit wir das Teil aufgestellt haben, gab es keinen hitzebedingten Ausfall mehr. Das hat sich schon im Vorjahr bewährt.“ Dass danach die Leitung zeitweise tot war, habe an der Stromabschaltung gelegen. Der Schattenspender sei selbstverständlich keine Lösung auf Dauer. Die KVZ sind so konstruiert, dass Betriebswärme aufsteigt und durch Lüftungsschlitze im Dach entweicht. Sollte das Phänomen anhalten, müsse gegebenenfalls eine aktive Lüftung oder Kühlung nachgerüstet werden. Zumal das Netz ausgebaut wird. Am Dienstag begannen Techniker damit, von dem vertrackten Verzweiger eine Glasfaserleitung für neue Anschlüsse in der Böckler-Siedlung zu ziehen.

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