Weniger Teilnehmer, höhere Kosten: VHS Kamen-Bönen erhöht die Beiträge

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Corona und Raumprobleme: Der VHS Bönen fehlen durch die Sanierung der Alten Mühle Räume für Veranstaltungen. Nach den Herbstferien sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und die Mühle wieder genutzt werden können.

Bönen – Corona treibt die VHS ins Defizit. Der Zweckverband will mit „moderaten Gebührenerhöhungen“ gegensteuern. „Es geht ums Überleben. Wir können das Defizit nicht ignorieren und weiter anwachsen lassen“, sagt der Leiter der VHS Kamen-Bönen, Dr. Thomas Freiberger. Er ist überzeugt:  Corona wird auch in den kommenden Semestern die Situation im Zweckverband massiv negativ beeinflussen.

Nach Corona-bedingter Schließung startete am Montag die VHS Kamen-Bönen in das neue Semester. Absehbar weniger Teilnehmer und Kursausfälle machten eine Erhöhung der Kursgebühren unumgänglich, so Freiberger. Schon jetzt sei absehbar, dass im Schnitt 30 Prozent der Veranstaltungen in diesem Semester im Zweckverband Kamen-Bönen nicht stattfinden werden.

In Bönen liege die Zahl höher als in Kamen. Das könne sich aber noch verschieben, denn das Semester habe gerade erst angefangen, erläutert die Bönener VHS-Mitarbeiterin Esther Hahm. „Für die ersten Kurse haben die Anmeldungen stattgefunden, für spätere Veranstaltungen ist das Anmeldeverfahren noch offen.“ 

Starke Einbrüche durch Corona

Dabei zeichne sich ab, dass Corona für starke Einbrüche bei den Anmeldezahlen bis dato gesorgt habe. „Fünf Kurse im Bereich Sprachen, Gesundheit und Kreativ mussten wir bisher absagen, weil die Mindestteilnehmerzahl nicht erreicht wurde. 13 Koch- und Backkurse mussten wir schon vorab aus dem Programm nehmen, weil wir die Hygienevorgaben in der Küche nicht erfüllen können. Das ist besonders schade, weil diese Angebote immer eine besonders hohe Nachfrage haben“, bedauert Hahm.

Aber auch die Raumsituation macht der VHS in Bönen zu schaffen. „Uns fehlen die Räume in der Alten Mühle“, so Hahm. Die wird bekanntlich seit Monaten restauriert und ist deshalb als Veranstaltungsort nicht nutzbar. „Nach letztem Stand steht uns die Alte Mühle als Veranstaltungsort im Oktober nach den Herbstferien wieder zur Verfügung.“ Bis dahin werden Kurse beispielsweise im Gesundheitsbereich in den Zechenturm verlagert, einige auch nach Heeren-Werve. Denn Corona erfordere mehr Platz, um die Abstandsregeln einhalten zu können.

10 Quadratmeter pro Teilnehmer in Sportkursen

Für Sportkurse müssten jetzt zehn Quadratmeter pro Teilnehmer einkalkuliert werden. Angebote wie der Fatburner-Kurs wurden deshalb auf zwei Termine aufgeteilt. „Der kleine Schulungsraum im Verwaltungsgebäude neben der Mühle kann deshalb nicht genutzt werden, weil wir hier unter Coronabedingungen nur fünf statt sonst zwölf Teilnehmer unterbringen können“, erläutert Hahm. „Damit liegen wir unter der Mindestteilnehmerzahl.“

Esther Hahm und VHS-Leiter Dr. Thomas Freiberger berichten über den Semesterstart und die Gründe für die Gebührenerhöhungen.

Die Reduzierung der Teilnehmerzahlen drückt natürlich die Einnahmen. „Wo früher beispielsweise 30 Teilnehmer in einem Raum sitzen konnten, sind jetzt nur noch zwölf möglich aufgrund der Abstandsregeln“, rechnet VHS-Leiter Dr. Thomas Freiberger vor. „Damit erreichen wir natürlich keine Kostendeckung. Denn die Kursleiter erhalten unabhängig von der Teilnehmerzahl ein festes Stundenhonorar in Höhe von 20 Euro, was nicht sehr viel ist – sowie eine Fahrtkostenerstattung. Darin enthalten seien aber noch nicht die Personal- und Fixkosten. Zudem verursache Corona höheren Aufwand und damit höhere Kosten für Reinigung und Desinfektion der Unterrichtsräume.

Finanzierung ruht auf drei Säulen 

Dabei finanziert sich der Zweckverband Kamen-Bönen nicht allein über die Einnahmen aus den Kursen, sondern über drei Säulen:

Das Land gibt Fördermittel, unter anderem zur Finanzierung der pädagogischen Mitarbeiter der VHS. Dafür muss die Volkshochschule ihrem Bildungsauftrag nachkommen und eine Mindeststundenzahl nachweisen.

„Das richtet sich nach der Einwohnerzahl“, erklärt Freiberger. „Bei uns sind das 4 800 Stunden im Jahr, die wir anbieten müssen. In der Regel haben wir bisher rund 9 000 Stunden erreicht, also fast das Doppelte der Pflichtstunden. Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr wenigstens die Hälfte erreichen, um den Förderzuschuss vom Land zu erhalten – der lag bisher bei 230 000 Euro pro Jahr.“ Aber das Land arbeite derzeit an einer Novellierung des Weiterbildungsgesetzes, die eine Verringerung der erforderlichen Pflichtstunden vorsieht.

Die beiden Trägerkommunen Kamen und Bönen finanzieren Ausstattung und Verwaltungspersonal mit quartalsweisen Abschlagszahlungen. Da beide Kommunen keine vollen Haushaltskassen haben und sich Corona-bedingt auf Einbußen bei Gewerbesteuereinnahmen einstellen müssen, sei eine Erhöhung des Budgets nicht zu erwarten, so Freiberger.

Yogakurse finanzieren die politische Bildung

Die Einnahmen durch Kurse und Veranstaltungen betrugen zuletzt rund 200 000 Euro im Jahr. Insgesamt stünden dem Zweckverband etwa 800 000 Euro pro Jahr aus allen drei Quellen zur Verfügung, verdeutlicht Freiberger, der von einer komplizierten Mischkalkulation spricht. „Im Grunde kann man sagen, die Yogakurse finanzieren die politische Bildung, denn für Vorträge dürfen wir zum Beispiel keinen Eintritt nehmen.“

Nach dem Start ins Semester 2020 steht für Freiberger und seine Mitarbeiter die Planung für das kommende Jahr an. „Die Auswirkungen von Corona werden uns, da bin ich sicher, noch mehrere Semester beschäftigen. Wir müssen versuchen, die Defizite so gering wie möglich zu halten. Zur Schadensbegrenzung haben wir unsere Kursgebühren um wenige Euro erhöht. Wir hoffen aber, sobald sich die Lage wieder normalisiert, zu den alten Gebühren zurückkehren zu können.“

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