Welt-Parkinson-Tag: Ein Betroffener aus Bönen berichtet

+
Rudolf und Annelie Ilske hadern nicht mit dem Schicksal. Sie begegnen der Parkinson-Erkrankung mit einer positiven Lebenseinstellung.

Bönen – Die Krankheit ist chronisch und unheilbar. Morbus Parkinson zeigt sich schleichend, oft dauert es Jahre, bis die auftretenden Symptome richtig gedeutet werden. Treffen kann sie jeden, in der Regel vor allem Menschen ab etwa 55 Jahren. Der Bönener Rudolf Ilske (80) erhielt vor sieben Jahren die Diagnose.

Gemerkt hat Rudolf Ilske erst mal gar nichts. Im Gegenteil: Der Lenningser war und ist ein aktiver Mann. „Ich bin auf jeden Gipfel gestiegen“, erzählt der passionierte Wanderer. Zweimal ist er den Jakobsweg gegangen, hat dabei mehr als 1000 Kilometer zurückgelegt. Und auch den riesigen, wunderschönen Garten der Familie hat er immer liebevoll gepflegt und in Schuss gehalten. 

Die Diagnose Morbus Parkinson traf ihn völlig unvorbereitet – und buchstäblich mit einem Schlag. Für Rudolf Ilske begann der Tag vor sieben Jahren eigentlich ganz normal. Nur seine Frau stellte nach dem Aufwachen fest, dass seine Unterlippe schief herunterhing. 

Diagnose war ein Schock

Sie brachte ihn ins Evangelische Krankenhaus nach Unna. Dort stellten die Ärzte einen Schlaganfall bei dem Lennigser fest. Er kam zunächst auf die Intensivstation, wurde untersucht, behandelt und anschließend in eine Reha-Klinik in Bad Driburg überweisen. Dort wurden weitere Untersuchungen vorgenommen. Schließlich bat der Klinikleiter Rudolf Ilske an einem Nachmittag in sein Büro. 

„Ich erinnere mich noch, wie er mich gefragt hat, was ich von Beruf bin. ‘Der Gärtner meiner Frau’,“ scherzte der Ruheständler. Der Mediziner hatte allerdings keine guten Nachrichten für ihn: Er leidet am Parkinson-Syndrom in Folge des Schlaganfalles, erfuhr Rudolf Ilske. 

„Das war natürlich ein Schock“, so der 80-Jährige. Auch seine Frau Annelie Ilske musste die Diagnose zunächst „verdauen“. „Aber man muss es so annehmen, wie es ist“, sagt sie heute. „Ganz wichtig ist, dass man dann den richtigen Neurologen findet und gut betreut wird.“ Sechs Wochen blieb Rudolf Ilske in der Reha-Klinik und gewöhnte sich allmählich an den Gedanken, an Parkinson erkrankt zu sein. 

Den Humor nicht verloren

Das bedeutet aber keineswegs, dass er deshalb aufgegeben hat – im Gegenteil: „Die richtige Einstellung ist ganz wichtig“, stellen die Ilskes fest. Und die ist bei dem humorvollen Senior grundsätzlich positiv. Rudolf Ilske geht regelmäßig zur Krankengymnastik, zur Ergotherapie und zur Massage. Er wird mit einem speziellen Pflaster und Tabletten behandelt. 

„Er verträgt das glücklicherweise sehr gut. Es gibt aber auch leider viele, bei denen das nicht so ist“, berichtet Annelie Ilske. Außerdem greift ihr Mann immer noch zu seinen Walking-Stöcken, um eine Runde durch das Dorf zu drehen – wenn auch mit kleineren Schritten. „Die Stöcke helfen mir, mich aufrechter zu halten“, sagt der Lenningser. Ziemlich schnell fanden die Ilskes den Weg in eine Selbsthilfegruppe in Unna. Die Mitgliedschaft im Parkinson-Forum hat beiden sehr geholfen. „Wir wussten nichts über die Krankheit. 

"Darauf ist niemand vorbereitet"

Darauf ist ja niemand vorbereitet“, sagt Annelie Ilske. Sie ist dankbar dafür, in der Gruppe umfassende Informationen zu bekommen und sich mit anderen Betroffenen und Angehörigen austauschen zu können, zum Beispiel über gute Fachärzte, Therapien oder Kliniken. Natürlich gibt es für das Paar auch traurige Momente dort, etwa wenn sie beobachten, wie andere Mitglieder sich aufgrund der Krankheit immer mehr verändern. „Manchmal denke ich, dass ich da gar nicht hingehen dürfte, weil es mir noch so gut geht“, so Rudolf Ilske. 

Die Krankheit ist ihm kaum anzumerken. „Ich habe schon Probleme, wenn ich mich hinkniee, wieder hochzukommen“, erzählt er aber. Das typische Zittern ist bei ihm auf den ersten Blick nicht zu sehen, es ist aber durchaus da. „Bei der Kommunion in der Kirche habe ich zweimal die Hostie fallen gelassen“, berichtet der gläubige Katholik. „Seitdem nimmt er die Mund-Kommunion“, ergänzt seine Frau. 

Auch Schluckbeschwerden sind dazugekommen, ab und zu fällt es Rudolf Ilske schwer, Worte zu bilden. Mit dem Schicksal hadert er deswegen nicht. „Es kommt nun mal etwas im Alter. Das muss man annehmen.“ Angst, dass sich die Beschwerden stärker werden, hat er nicht. „Ich bin dankbar, dass es mir noch so gut geht. Und mit meiner Frau an meiner Seite habe ich die beste Unterstützung.“

Beratung 

Unter der Rufnummer 0 23 03/8 03 34 erreichen Ratsuchende Marinanne Ihne am Parkinsontelefon des Parkinson-Forums Unna. Informationen zum Verein gibt Dr. Hans Wille unter der Telefonnummer 0 23 03/77 32 17.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare