Das Nest auf dem Scheunendach

Auf Hof Louven in Bönen wird ein neues Heim für Familie Storch eingerichtet

Ohne technische Hilfe lässt sich das riesige Nest nicht aufs Scheunendach in Bönen brngen
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Im kommenden Jahr sollen die Vögel in das neue Heim umziehen. Erik Giesbrecht, Rudolf und Torsten Louven (von links) haben dafür alles vorbereitet

Bönen – Einmal zeigte sich der Storch am Freitagnachmittag. Das männliche Tier kreiste über dem Hof. Wahrscheinlich, um auszumachen, was die Louvens so treiben. Es war nämlich einiges los an der Straße Auf der Horst. Ein Kran stand auf dem Erdbeerhof, ein Mast mit Storchennest aufgebockt daneben. Publikum gab es auch, denn das Vorhaben war schon außergewöhnlich. Das Nest sollte seinen Platz über dem First der Scheune finden.

„Der Baum, wo die Störche jetzt nisten, ist morsch“, zeigt Torsten Louven zum Rand des Naturschutzgebietes Hemmerder Wiesen. „Irgendwann wird das Nest, das die selber gebaut haben, abstürzen.“ Und weil der eine Storch während der Aufzucht der Jungtiere regelmäßig das Nest vom First aus beobachtet, dachte sich die Familie Louven: der ideale Platz für ein neues Heim für Meister Adebar. Fürs kommende Jahr wohlgemerkt, denn Frau Storch brütet schon, zieht im Moment sicher nicht um.

Im dritten Jahr nistet das Paar jetzt neben dem Hof Louven. „Im ersten hatten sie zwei Junge, im zweiten eins“, erzählt Rudi Louven. „Wenn der Nachwuchs größer wird, ist kein Platz mehr für alle im Nest.“ Bevor sie im Herbst Richtung Süden fliegen würden, ließen sie sich sowieso immer auf der Scheune nieder. „Die beiden haben ihr altes Nest, das übrigens immer größer ausgebaut wurde, schon gegen ein anderes Storchenpaar verteidigen müssen“, sagt Torsten Louven.

Der Schwiegersohn von Rudi Louven hat eine besondere Beziehung zu den Tieren, nutzen die Vögel doch auch seinen Garten zur Frühgymnastik. „So brachte der Storch im August unsere Tochter Mia vorbei“, sagt er und schmunzelt ebenso wie Ehefrau Marit Louven. Scheue würden die Tiere nicht kennen. Torsten Louven entdeckte aus der Nähe, dass das männliche Tier beringt ist. Schwager Eick weiß, dass die Störche „vielleicht fünf Meter neben meinem Trecker stehen, wenn ich pflüge.“ Sie lauern auf Mäuse.

Hilfe vom Fachmann

Jetzt gilt es aber anzupacken. Kranführer Erik Giesbrecht denkt, dass der Ausleger seiner Maschine vielleicht zu kurz ist. Er will auf den Platz des aufgebockten Nests. „Wir haben einfach gefragt. Lutter ist ja ein lokales Unternehmen. Sie haben Hilfe zugesagt“, erklärt Rudi Louven das Engagement der Bönener Spedition.

Er holt einen Trecker mit Gabel, der Mast wird versetzt, der 40 Tonnenkran kann näher an die Scheune. Teleskopstützen raus, Teleskopmast ausgefahren. Wie schwer denn das Storchennest sei, will Giesbrecht wissen. Er tendiert zu Seilen, die er am Nest befestigen will. „250, 300 Kilogramm, schätzt Torsten Louven wiegt der Eigenbau aus Holzmast, einem geschweißten Rahmen und aus Weide geflochtenem Nest. „Die weiße Farbe ist eine Empfehlung von Anke Bienengräber gewesen“, erklärt er. Die Biologin von der Ökostation in Bergkamen-Heil beriet die Louvens. „Die Bauanleitung gab es im Internet“, erzählt Torsten Louven. Da seien die Nester meistens aus Holz. „Wir hatten aber noch Eisen da.“

Solange die Störche noch in der Nachbarschaft leben, schmückt eine Attrappe das Nest auf Hof Louven in Bönen.

Die Seile sitzen, der Mast mit Nest geht in die Senkrechte. Rudi Louven erklimmt den First der Scheune. Das Dach ist schon geöffnet, Pfannen sind entfernt. Louven weist Giesbrecht ein. Es geht recht fix. Der Mast sinkt durch die Öffnung auf den Dachboden. Torsten Louven und Sascha Hagedorn stehen dort und richten die Konstruktion aus, fixieren zunächst mit Spanngurten.

„Das hat ich nicht im Blick“, bemerkt Rudi Louven, dass das Nest mehr als zwei Meter über dem First steht. Blöd, die Seile müssen noch vom Kranhaken gelöst werden. Sascha Hagedorn hilft. Er ist einen Tick größer, Louven sichert ihn.

Ein Storch zieht um - neues Nest auf Hof Louven in Bönen

Ungewöhnliche Umsiedlung: Ein Storch zieht um auf den Hof Louven in Bönen. Die schönsten Bilder von der Aktion.
Ungewöhnliche Umsiedlung: Ein Storch zieht um auf den Hof Louven in Bönen. Die schönsten Bilder von der Aktion.
Ungewöhnliche Umsiedlung: Ein Storch zieht um auf den Hof Louven in Bönen. Die schönsten Bilder von der Aktion.
Ungewöhnliche Umsiedlung: Ein Storch zieht um auf den Hof Louven in Bönen. Die schönsten Bilder von der Aktion.
Ein Storch zieht um - neues Nest auf Hof Louven in Bönen

Nackt soll das Nest bis zum kommenden Jahr aber nicht bleiben. Die Louvens haben einen Pappstorch gebastelt, der im Mannkorb gen Nest schwebt. Dazu streut Rudi Louven noch Streu, damit es die Tiere gemütlicher haben. „Und wenn sie nach dem langen Flug ankommen haben sie gleich etwas zu futtern.“

Alles wird zusammengepackt, der Kran zurückgebaut. Als kleinen Dank bekommen die Helfer ein Stück Erdbeerkuchen. „Es war mein erstes Storchennest“, gibt Giesbrecht zu Protokoll. Der Kranführer stellt normalerweise Lampenmasten auf, hebt Maschinen auf ihren Platz.

Der Blick der Vier geht auch öfter mal Richtung Himmel. Doch der zweite Storch lässt sich noch nicht blicken, nur der brütende blickt über den Rand des alten Eigenheims im Baum. „Das dauert manchmal lang“, meint Rudi Louven zur Rückkehr des Versorgers, „er muss ja erst mal etwas finden.“

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