Gottesdienste zu Weihnachten

Live oder Video: Kirchen gehen unterschiedlich mit Corona um

Daniel Schinzig filmt Thomas Melloh, Susanne Krämer-Puzicha, Joachim Zierke und Detlef Belter (von links) in der Fliericher Kirche.
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Aufnahmen für den Online-Weihnachtsgottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde: Daniel Schinzig filmte am Donnerstag Thomas Melloh, Susanne Krämer-Puzicha, Joachim Zierke und Detlef Belter (von links) in der Fliericher Kirche.

Bönen – Weihnachten 2020 wird anders als alles, was wir bisher kannten. Auf den Besuch des Weihnachtsgottesdienstes müssen Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde in diesem Jahr verzichten. In den katholischen Kirchen sollen die Gottesdienste dagegen nach wie vor stattfinden.

Für viele Menschen gehört ein Besuch des Weihnachtsgottesdienstes einfach zum Christfest dazu. Schließlich ist der Anlass – Christi Geburt – neben allen lieb gewonnenen Traditionen wie Geschenken, Tannenbaum und gemeinsamen Festtafeln in erster Linie ein religiöser. Aber die besorgniserregenden Infektionszahlen haben jetzt zumindest die Evangelische Kirchengemeinde Bönen dazu bewogen, ab sofort bis zum 10. Januar alle Gottesdienste abzusagen. Das Erzbistum Paderborn hält dagegen bislang weiter daran fest, dass katholische Gottesdienste unter Coronaschutzregeln stattfinden können, so auch in der Pfarrei St. Barbara Bönen und Heeren.

Die vier Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bönen versammelten sich am Donnerstagnachmittag in der evangelischen Kirche in Flierich, um ihren Gemeindemitgliedern eine Alternative zu den abgesagten Weihnachtsgottesdiensten bieten zu können. Susanne Krämer-Puzicha, Detlef Belter, Joachim Zierke und Thomas Melloh standen gemeinsam vor der Kamera von Daniel Schinzig.

Mit Videogottesdiensten hat die evangelische Kirchengemeinde bereits gute Erfahrungen gemacht und in der Vergangenheit viele Zuschauer erreicht. Reinhard Wagenblaß und Anna Polomoschnik spielten anschließend die Musik für die Gottesdienstaufnahmen ein.

„Ursprünglich war zusätzlich zu den Präsenzgottesdiensten ein Videogottesdienst geplant, den Joachim Zierke halten sollte“, berichtet Thomas Melloh. Das Presbyterium der Gemeinde Bönen hatte in seiner Sitzung am Mittwochabend dann aber relativ schnell beschlossen, dem dringenden Appell der Evangelischen Kirche von Westfalen zu folgen und alle Gottesdienste mit Rücksicht auf die Coronazahlen abzusagen. „Die Stimmung war ziemlich gedrückt, weil wir ja ziemlich einschneidende Entscheidungen treffen mussten“, berichtet Detlef Belter.

Alternativen für das Weihnachtsfest

Diskutiert wurde dann ausführlich über mögliche Alternativen für das bevorstehende Weihnachtsfest. Das Konzept für den Online-Gottesdienst wurde kurzfristig geändert. Jetzt werden alle vier Bönener Pfarrer gemeinsam den Gottesdienst zum Thema „Licht“ gestalten. Ab Heiligabend soll das Video auf der Homepage der Kirchengemeinde online jederzeit abrufbar sein.

„Auch wenn die Gottesdienste abgesagt sind, alle Predigtstellen der Gemeinde bleiben am 24. Dezember von 14 bis 18 Uhr geöffnet“, so Belter. Pfarrer und Presbyter werden anwesend sein. „Wir sind ansprechbar für Besucher, die vielleicht in diesen schwierigen Zeiten auch ein tröstendes Wort brauchen.“ Alte Kirche und Bodelschwingh-Haus sind zusätzlich noch einmal von 22 bis 23 Uhr geöffnet. „Für uns steht im Vordergrund, die Menschen zu schützen und ihnen etwas mitzugeben“, so Belter. Darüber hinaus seien alle Besucher eingeladen, das Friedenslicht mit einer Laterne nach Hause zu tragen.

Gemeinsam Weihnachten einläuten

Während die Evangelische Kirchengemeinde alle Gottesdienste absagt, sollen in den katholischen Kirchen Messen stattfinden. Gemeinsames gibt es dennoch: das ökumenische Glockenläuten am Heiligen Abend um 14 Uhr.

Das Erzbistum Paderborn, zu dem auch die Pfarrei St. Barbara Bönen und Heeren gehört, hat sich gegen eine Absage der Gottesdienste entschieden. „Wir respektieren die Empfehlung der Evangelischen Kirche von Westfalen. Andere evangelische Landeskirchen halten dagegen an der Feier von Präsenzgottesdiensten fest. Das tun wir auch im Erzbistum Paderborn“, heißt es in einer Stellungnahme, die auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zitiert: „Die beiden großen Kirchen gehören zu den besonders regelkonformen Institutionen mit Blick auf die Einhaltung der coronabedingten Abstands- und Hygieneauflagen.“

Weil sich das Infektionsgeschehen weiter zugespitzt hat, sollen die Gottesdienste an Weihnachten unter noch einmal deutlich verschärften Bedingungen stattfinden.

„Wegen der Abstandsregelung ist das Platzangebot in beiden Kirchen begrenzt und eine Anmeldung notwendig, um am Gottesdienst teilnehmen zu können“, betont Pfarrer Benno Heimbrodt, der einräumt, „Corona beherrscht derzeit das Denken so sehr, dass im Moment wenig Weihnachtsfreude aufkommt.“

„Wir haben einen Ordnungsdienst, wir werden uns strikt an die Regeln halten, und ich bringe mit Maske die Kommunion zu den Leuten. Das sollte relativ sicher sein.“ Ein Restrisiko, das sieht auch Heimbrodt, bleibe natürlich immer.

Kontaktdaten zum Gottesdienst mitbringen

Auf dem Kirchengelände und in den Kirchengebäuden, besteht für die Besucher der Gottesdienste die Pflicht zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes. Zur Vermeidung von Warteschlangen vor Beginn der Gottesdienste bittet Heimbrodt darum, ein bereits ausgefülltes Formular mit den Kontaktdaten mitzubringen. Das Formular kann auf der Internetseite der Pfarrei unter www.stbarbaraboenen-heeren.de abgerufen werden.

Die Beachtung der Mindestabstände sollte vor allem beim Betreten und Verlassen beachtet werden. Das gelte auch für den Besuch der Krippen an Heiligabend in der Zeit von 14.30 bis 16.30 Uhr. Für die Krippenbesichtigung ist keine Anmeldung nötig, allerdings wird der Einlass durch einen kirchlichen Ordnungsdienst geregelt.

Ein Gottesdienst in der Neuapostolischen Kirchengemeinde

In der Neuapostolischen Kirchengemeinde wird Weihnachten ein Gottesdienst am 25. Dezember um 10 Uhr in der Kirche an der Friedhofstraße stattfinden, bestätigt Jürgen Koschker, der Öffentlichkeitsbeauftragte des Kirchenbezirks Hamm. „Natürlich werden die Sicherheitsabstände eingehalten, der Kirchenraum wird gelüftet und es darf nicht gesungen werden“, erläutert Koschker.

Etwa 70 bis 80 Menschen können an dem Gottesdienst unter Wahrung des Sicherheitsabstands teilnehmen, so Koschker. „Wir haben allerdings mehr Anmeldungen erhalten als Plätze vorhanden sind. Deshalb versuchen wir jetzt, jüngere Gemeindemitglieder anzusprechen, für ältere Menschen auf ihren Platz zu verzichten, denn wir werden einen Gottesdienst live streamen im Netz, der über YouTube verfolgt werden kann.“

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