Schwieriges Jahr für Unternehmer

Taxis warten an den Feiertagen vergeblich auf Fahrgäste

Taxidach mit Taxischild
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Keine Hoffnung auf Silvester: Für die Taxiunternehmen bleibt die Lage schwierig.

Bönen – Weihnachten ist da, der Jahreswechsel naht. Normalerweise gäbe es jetzt Tagen mehr als genug zu tun für Taxifahrer. Doch auch für sie gilt: In diesem Jahr ist alles anders. Da Weihnachten nur im kleinsten Familienkreis gefeiert werden und auf Zusammenkünfte an Silvester ganz verzichtet werden soll, wird es erheblich weniger Passagiere geben. Wie geht es den Taxiunternehmen in Bönen und Bergkamen während des aktuellen Shutdowns?

Auf die Frage, ob sich die Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die mit dem aktuellen, zweiten Lockdown einhergehen, auf das Taxigeschäft auswirken, antwortet Klaus Michael Kovacs überraschend mit einem „Nein.“ Der Inhaber des Bönener Taxi- und Busunternehmens K. M. Kovacs lässt dieses Nein mit der unmittelbar folgenden Aussage allerdings direkt in einem anderen Licht erscheinen: „Negative Auswirkungen machen sich schon seit dem ersten Shutdown im März bemerkbar.“ Der Unternehmer wirft ein, dass es zwar in den Sommermonaten eine kleine Entspannung gab, aber von Normalität war auch da keine Spur.

Reisebusse waren noch kein einziges Mal im Einsatz

So waren seine beiden Reisebusse seit Pandemiebeginn nicht ein einziges Mal im Einsatz. Als im Frühjahr während des Shutdowns über die anstehenden Lockerungen gesprochen wurde, kamen zwar vereinzelte Anfragen, und einige wenige Kunden haben sogar Busreisen reserviert. Jedoch mussten diese später aufgrund der Pandemiebestimmungen abgesagt werden. Die Busse stehen also still, nehmen kein Geld ein, verursachen stattdessen ausschließlich Kosten.

Genauso wie es die Investitionen in allerlei Hygienemaßnahmen wie der Einbau von Trennscheiben in den Taxis taten. Doch private Taxifahrten werden aktuell kaum noch ausgeführt. Was die Fahrer bei Kovacs beschäftigt hält sind Krankentransporte. Wenngleich auch dort ein Rückgang zu bemerken ist.

Krankentransporte halten die Taxifahrer über Wasser

Krankentransporte machen auch beim Bergkamener Unternehmen Taxi Edi derzeit das Hauptgeschäft aus. „Das ist der Grund, weshalb wir noch gut dastehen“, ist sich Edi Karajlija, dessen Frau Merita Inhaberin des Taxiunternehmens ist, sicher. „Daher hoffen wir sehr, dass die Krankenhäuser auch weiterhin Patienten aufnehmen, auch wenn deren Behandlungen und Eingriffe verschiebbar sind. Sonst würde ebenfalls ein Großteil dieser Fahrten wegfallen.“

Noch bis Mitte Oktober waren die Einnahmen im guten Bereich, erklärt Edi Karajlija. Doch dann kündigte sich der Shutdown an. „Die Fahrten wurden definitiv weniger“, erinnert er sich. Nach und nach wurde die Anzahl der sich im Einsatz befindlichen Autos reduziert. Aktuell sind drei bis höchstens vier auf den Straßen unterwegs. Für gewöhnlich sind es sechs. „Glücklicherweise mussten wir keinen unserer 16 angestellten Fahrer in Kurzarbeit schicken“, freut sich Karajlija.

Mit einer Erhöhung der Anzahl der privaten Fahrten über Weihnachten und Silvester rechnen weder der Bönener noch der Bergkamener. „Es wird sehr ruhig werden“, blickt Klaus Michael Kovacs voraus. In seinem Unternehmen sind Fahrten über die Feiertage nur mit Vorbestellung möglich. So kann der Inhaber planen, wie viele Autos er an diesen Tagen einsetzen wird.

Silvester wird in diesem Jahr sehr ruhig werden

Doch in einer Zeit, während der die Festtage und der Jahreswechsel aus Sicht eines Taxiunternehmers nahezu nicht stattfinden, könnte sich in naher Zukunft eine andere Möglichkeit bieten: Die Taxifahrt zum Impfzentrum. Zumindest Edi Karajlija hält das für nicht allzu abwegig. Wenngleich er ergänzt: „Ich komme als Fahrer mit vielen Menschen ins Gespräch und weiß, dass es bei vielen eine große Unsicherheit gibt, ob sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen wollen.“

Dass sich die generelle Situation alsbald nicht entspannen wird, da sind sich beide Männer einig. „Ein Licht am Ende des Tunnels ist ja überhaupt nicht zu sehen“, äußert sich Klaus Michael Kovacs. „Ganz im Gegenteil scheint es ja gerade noch schlimmer zu werden“, spielt er auf die neu entdeckte Mutation des Virus an, über die derzeit viel berichtet wird.

Lieber längere Einschränkungen, wenn sie dauerhaft wirken

Und so ist seine Hoffnung nicht die auf schnelle Lockerungen der derzeitigen Einschränkungen, sondern weiter in die Zukunft gerichtet: „Ich wünsche mir, dass man jetzt lange genug die Füße stillhält, und wenn es vielleicht bis Ende Februar dauert. Wenn wir jetzt lange genug durchhalten, dann sind die kommenden Lockerungen hoffentlich von längerer Dauer.“

Kovacs' Bergkamener Kollege ergänzt eine Hoffnung, die er für die gesamte Branche hat: „Ich hoffe ganz stark, dass es nach dem langen Shutdown und nach der ganzen Pandemie noch viele der jetzigen Taxiunternehmen geben wird.“ Denn er weiß: So wie er haben gerade unzählige seiner Kollegen Existenzängste.

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