Gastronomen zwischen Verständnis und Enttäuschung

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Haus Böinghoff und auch der Biergarten bleiben weiter geschlossen. Inhaberin Katja Lohmann verkauft bis auf Weiteres in Flierich Kaffee und Kuchen „to go“ und hofft, dass es irgendwann wieder normal weitergeht.

Bönen – Die Geschäfte haben seit Montag wieder geöffnet, Restaurants und Gaststätten müssen jedoch geschlossen bleiben. Damit geht die Zeit der erheblichen Umsatzeinbußen für die heimischen Gastronomen durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus weiter. Die Betreiber müssen sich in Geduld üben. Ein kleiner Stimmungsbericht:

Die unveränderte Lage

Mit einer schnellen Öffnung scheinen die Bönener Gastronomen nicht gerechnet zu haben. Dennoch ist eine Enttäuschung zu spüren, dass es keine kleinen Lockerungen gegeben hat. „Ich habe Verständnis dafür“, sagt Klaus Timmering, Inhaber der gleichnamigen Gaststätte an der Bahnhofstraße, zu der Entscheidung der Bundes- und Landesregierung, dass zwar Geschäfte, Buchläden und Autohäuser wieder aufmachen durften, Restaurants dagegen geschlossen bleiben müssen. „Wie will man im Haus die Abstandsregeln von 1,5 Metern einhalten. Das ist schwierig“, meint Katja Lohmann vom Haus Böinghoff in Flierich. Eine Lockerung hätte sich Nikolos Sotsos von der Gaststätte Rhodos im Haus Kreutz allerdings durchaus gewünscht. „Wir haben jetzt über einen Monat geschlossen. Das ist schon schwer“, sagt er. Lohmann wiederum hätte sich vorstellen können, unter freiem Himmel Gäste zu bedienen: „Wir hatten gehofft, dass wir wenigstens den Biergarten wieder öffnen können.“ Auch Timmering hätte Möglichkeiten gesehen, die Gesundheitsregeln einzuhalten. „Tische auseinanderzustellen wäre für uns kein Problem gewesen“, findet er. Außerdem seien Restaurants immer schon ein Vorreiter in Sachen Hygiene-Standards gewesen. Der Thekenbetrieb sei schon vor Jahren mit dem Rauchverbot weggefallen, erklärt Timmering.

Der Verdienstausfall

„Das Frühjahr und Ostern sind vorbei, das lässt sich nicht mehr aufholen“, sagt Katja Lohmann. So geht es allen Betrieben. Ein Liefer- oder Abholdienst, so er denn angeboten wird, sei keine dauerhafte Lösung, heißt es von den Restaurantbetreibern.

Klaus und Renate Timmering erhielten schnell die Fördermittel  für ihre Gaststätte.

Die Fördermittel

Die befragten Betriebe haben die Unterstützung beantragt und finden überwiegend lobende Worte für die Umsetzung. „Ich habe das als unproblematisch empfunden“, sagt Lohmann, auch die Banken seien kulant. „Das ist anstandslos gelaufen, so wie es die Politik versprochen hat“, schließt sich auch Torsten Nüsken von der Gaststätte Dörnemann in Nordbögge bezüglich der Fördermittel an. Fixe, weiterlaufende Kosten wie Wasser und Strom könnten bezahlt werden, auch für die festangestellten Mitarbeiter griffen die Regeln. „Es hat geholfen“, sagt Timmering, der nur zwei Tage, nachdem er den Antrag gestellt hatte, schon das Geld auf dem Konto hatte. „Da kann man nur fünf Sterne für geben.“ Sorgen bereitet die Zukunft dennoch. „Im Moment hilft es, aber es kommt darauf an, wie lange es noch so bleibt“, erklärt Lohmann. Nikolos Sotsos hat dagegen Probleme mit den Fördermitteln. Mit fachmännischer Unterstützung hat er den Antrag gestellt, doch noch sei kein Geld eingegangen. Abwarten habe ihn sein Steuerberater mitgeteilt. Das ist derzeit leichter gesagt, als getan.

Kleine Arbeiten

Die Zeit ohne Gäste wurde in verschiedener Weise genutzt. „Draußen gibt es genug zu tun“, sagt Nüsken. Auch wenn der Betrieb ruht, steht bei Dörnemann niemand still. Bei Böinghoff wurde die Zeit für eine Renovierung genutzt, zum Beispiel wurde gestrichen. „Sachen, die man alleine machen kann“, so Lohmann. Der Biergarten in Flierich war bereits schön herausgeputzt, ehe die Stühle wieder eingeräumt wurden.

Die ungewisse Zukunft

„Gesund bleiben ist die Hauptsache“, betont Lohmann. Da kommt aber gleich die Frage bezüglich einer möglichen Wiedereröffnung auf, „wie schützt man sich selbst“ – und die Mitarbeiter. Ob kleinere Lockerungen helfen würden, sei schwer abzuschätzen. „Reicht die Hälfte der Gäste“, fragt sie, für den Fall, dass jeder zweite Tisch besetzt werden dürfte. Schwer sei die Ungewissheit, wann und wie es weitergeht, ist von den Betreibern zu hören. „Natürlich hat man Sorgen. Sorgen haben wir alle. Es wird nichts mehr so sein wie bisher“, bezieht Nüsken auch andere Lebensbereiche in seine Gedanken mit ein. Er erwartet deshalb keinen normalen Einstieg. Feiern werde es seiner Meinung zum Beispiel nach auf absehbare Zeit wohl nicht mehr geben. „Wir schaffen das. Das Merkel-Wort bleibt“, verbreitet Timmering dagegen Optimismus.

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