Die Feuerwehr und das Coronarisiko

Jeder Einsatz ein Ansteckungsrisiko für die Feuerwehrleute

Feuerwehr Bönen vor dem Förderturm
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Einsatzfähig bleiben, heißt die Devise der Bönener Feuerwehr. Infektionen unter den Einsatzkräften sollen möglichst vermieden werden. Daher beschränkt sich die Feuerwehr nur noch auf die reinen Einsätze.

Eigentlich hatte die Freiwillige Feuerwehr Bönen ihre Aktivitäten angesichts der steigenden Corona-Fall-Zahlen nur langsam zurückschrauben wollen und erst mal nur die Jugendfeuerwehrarbeit beendet, doch mit der exponentiellen Zunahme der Ansteckungen müssen auch Bönens Blauröcke alles einstellen, was nichts mit dem Einsatzbetrieb zu tun hat.

„Wir haben die kompletten Dienste für November eingestellt, alle Nebentätigkeiten liegen auf Eis. Es gibt keine Schulungen oder Übungen“, sagt Timo Rinkewitz, Sprecher der Feuerwehr Bönen. Ein erster Maschinistenlehrgang auf Kreisebene konnte zwar noch in Bönen durchgeführt werden, weil man vom Schulungsraum in die Fahrzeughalle umzog und statt eines Büfetts auf Bestellzettel umstellte, „doch den zweiten Lehrgang haben wir abgesagt. Der wird verschoben“, sagt Rinkewitz.

„Wir beschränken uns komplett auf das Einsatzgeschehen.“ Und selbst das findet unter Corona-Bedingungen statt. Mund-Nasen-Schutz – bei Patientenkontakt mit FFP2-Standard – und regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren sind dabei längst nicht alles.

Mit mehr Fahrzeugen zum Einsatz

„Um auch bei der Anfahrt auf den Fahrzeugen Abstand zueinander haben zu können, werden die Fahrzeuge nicht mehr in Gruppen-, sondern nur noch in Staffelstärke besetzt“, erklärt Rinkewitz, dass statt der üblichen neun Leute somit nur noch sechs auf den großen Fahrzeugen Platz nehmen.

Damit trotzdem genügend Personal an der Einsatzstelle vorhanden ist, wird mit mehreren Fahrzeugen ausgerückt und im Zweifel auch ein Mannschaftstransportwagen genutzt. Sofern dies geht. „Bei Vollalarm ist das natürlich nicht möglich. Da müssen wir alle Plätze nutzen, die wir haben. Aber bei einer Ölspur oder kleineren Dingen können wir so vorgehen – auch wenn das Aufgebot an Fahrzeugen dazu eigentlich nicht nötig ist.“ Doch besondere Zeiten erfordern eben besondere Maßnahmen.

„Feuerwehr ist Teamarbeit. Da hat man Kontakt zueinander“, sagt Timo Rinkewitz. Doch die Kontakte müssen auch die Feuerwehrleute derzeit runterfahren.

Schwierig ist das Abstandhalten bei der Feuerwehrarbeit aber ohnehin: „Feuerwehr ist Teamarbeit“, sagt Rinkewitz. „Da hat man Kontakt zueinander.“ Deshalb achtet die Bönener Feuerwehr zumindest darauf, dass sich die Züge und Leute unterschiedlicher Standorte nicht mehr mischen als unbedingt notwendig. Jeder bleibt daher bei seiner Einheit und hilft nicht an anderer Stelle aus.

Brände und Unfälle nehmen auf Corona keine Rücksicht

Dabei ist das Einsatzgeschehen auch im Corona-Jahr nicht heruntergegangen. „Die Brandmeldeanlagen laufen auch so weiter – und die Leute haben Unfälle in ihren Autos“, zählt Rinkewitz auf, womit sich die Feuerwehrleute regelmäßig befassen müssen. Doch zumindest, was eigene Erkrankungen anbelangt, ist die Bönener Feuerwehr bislang davon gekommen. Damit das so bleibt, setzt man weiterhin auf bewährte Maßnahmen – und die aktuelle Verschärfung. „Der Aufenthalt in den Gerätehäusern soll so kurz wie möglich gehalten werden – auch nach Einsätzen“, erklärt Timo Rinkewitz. Nachbesprechungen könnten auch gut über die Whatsapp-Gruppe laufen.

Und was passiert, wenn es mal zu einem dramatischen Einsatz kommt, nach dem Kameraden Gesprächsbedarf haben? Dafür gäbe es keinen konkreten Plan, muss Rinkewitz zugeben, aber er ist überzeugt, dass dann spontan eine Lösung gefunden werde. Zum Glück sind solche schwerwiegend belastenden Einsätze in Bönen extrem selten. Bleibt also zu hoffen, dass sie, auch in den nächsten Wochen ausbleiben, denn erst einmal gelten die verschärften Maßnahmen bis Ende November. „Dann gibt es eine Neubewertung der Situation und dann entscheiden wir, wie es im Dezember weitergehen wird.“

Jugendfeuerwehr pausiert bis Ende des Jahres

Die Jugendfeuerwehr ist aber in jedem Fall bis Ende des Jahres eingestellt – auch hier folgte die Feuerwehr Bönen einer Empfehlung des Kreisbrandmeisters Thomas Heckmann. Der Bönener weiß, dass der Nachwuchs überall von aktiven Feuerwehrleuten betreut wird. Sollte es da zu Infektionen kommen, fielen zahlreiche Aktive für Einsatzdienst aus. „Und unser Ziel muss es sein, einsatzfähig zu bleiben“, sagt Heckmann.

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