Solidaritätsaktion: Hallenstunden für TuS Bönen

Wasserschaden in Bönener Sporthalle: Jetzt handelt der Sport

Die Impfstraße ist in einem der drei Hallensegmente aufgebaut und wird noch benötigt. Am Montag soll die Trocknung beginnen. Untern Sportboden steht Wasser.
+
Die Impfstraße ist in einem der drei Hallensegmente aufgebaut und wird noch benötigt. Am Montag soll die Trocknung beginnen. Untern Sportboden steht Wasser.

Die Inzidenz sinkt, die Sportler machen sich warm. Nur für die TuS Bönen gibt‘s in ihrer Goethe-Halle keine Chance auf Training: Wasserschaden. Aber Bönens Sportlerfamilie hilft sich, die anderen Vereine treten Zeiten in anderen Hallen ab.

Bönen – In der anhaltenden Funkstille aus dem Rathaus über den Wasserschaden an der Goethe-Turnhalle nehmen Bönens Sportler nun in solidarischer Selbsthilfe untereinander Kontakt auf. Sie wollen der wohl längere Zeit heimatlosen Turn- und Spielvereinigung (TuS) für die Wiederaufnahme des Sportbetriebs nach dem Lockdown Hallenstunden abtreten. Welchen Bedarf der mit 1700 Mitgliedern größte Verein hat und was ihm die Sportlerfamilie in den anderen Hallen überlassen kann, soll am Donnerstag kommender Woche, 17. Juni, in der Halle besprochen werden.

Inzidenz sinkt: Hallensport möglich

Mit der jüngsten Lockerungsstufe für Kreise mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 50, wie sie unter anderem in Bönen nun seit Sonntag gilt, ist Hallensport mit einem Dutzend Teilnehmer (geimpft, genesen, getestet) wieder möglich. Wenn der Trend anhält, ist in Kürze die 35er-Marke unterschritten. Dann dürfen drinnen wie draußen bis zu 100 Sportler wieder beisammen sein und bis zu 1000 Gäste zuschauen.

GSV-Chef Dirk Presch stößt Initiative an

Das hat Dirk Presch als Vorsitzenden des Gemeindesportverbandes (GSV) veranlasst, nach Bekanntwerden des erheblichen Wasserschadens in Bönens Vorzeige-Sportstätte die Akteure an einen Tisch zu holen. Zu 20 Uhr hat er für den 17. Juni in den Besprechungsraum an der Halle eingeladen – coronabedingt noch in übersichtlicher Zahl. Aber TuS-Chef Marvin Manz soll dabei sein, ein Vertreter des RSV Altenbögge als Hallennutzer mit Handball, Tischtennis & Co. und wer sonst noch nennenswerte Belegungen in anderen Sportstätten hat und etwas abtreten kann. Etwa die Lauffreunde, Fußballer und die TVG Germania Flierich als Verantwortliche für die Halle dort.

Politik und Gemeinde mit am Tisch

Weil alle darauf brennen zu erfahren, wann und wie es mit der sanierungsbedürftigen Goethe-Halle weitergeht und was das absehbar für die stets im September vom GSV organisierten Vergabe der Trainingskontingente bedeutet, soll Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte mit am Tisch sitzen. „Zudem habe ich Friedhelm Lange als Vorsitzenden des Sportausschusses gebeten, in der Runde dazuzukommen“, sagte Presch. Die Politik müsse angesichts des erheblichen Problems schließlich ins Boot geholt werden. Auch die Vize-Vorsitzende Deniz Werth sei daher eingeladen.

Das TuS-Logo aktualisiert: Ein blauer Hula-Hoop-Reifen um die Hüfte steht normalerweise für Bönens größten Sportverein. Der hatte auch kein Wasser zu Füßen, ehe sich zuerst am Schießstand Schimmel und Nässe in den Wänden zeigten.

„Die Solidarität unter den Sportlern ist da“, berichtete der GSV-Vorsitzende. „Ich habe in Coronazeiten eine Whatsapp-Gruppe der Vereine eingerichtet. Da melden einige schon Bereitschaft, die TuS zu unterstützen.“ Das freut den Vorsitzenden Marvin Manz: „Ich bin total glücklich über die Resonanz. Jeder hat sich betroffen gezeigt und gemeldet, dass er etwas möglich machen will“.

Verwaltung ergeht sich in Schweigen

Apropos melden: Von der Verwaltung hat Manz noch nichts gehört, seit das Thema öffentlich erörtert wird. Der letzte Kontakt bestand wohl Mitte April. Auch mit dem Sportverband habe noch niemand Kontakt gesucht, berichtete Dirk Presch.

Bis eine TuS-Vertreterin das Problem vergangene Woche in einer Einwohnerfragestunde öffentlich ansprach, hatte sich das Rathaus nach außen komplett in Schweigen gehüllt. Und das, obwohl die Schießgruppe Nordbögge, die TuS und nicht zuletzt deren Hausmeister seit Februar mahnend auf typische Anzeichen für Nässe im Bau hingewiesen hatten und fragten, wann und wie die Verantwortlichen reagieren wollen.

Auf der gesamten Bodenplatte steht Wasser

Mittlerweile ist offenkundig, dass auf der gesamten Grundfläche von gut 2000 Quadratmetern der Dreifachhalle und ihrer Nebenräume Wasser steht, das weder aus einem Leck in der Versorgung noch dem Abwassersystem stammt. Als eine mögliche Ursache gilt ein Schaden an der Pumpenanlage im Gebäude. Von dem Apparat für das Trockenhalten der Bodenplatte war eine Pumpe durch Korrosion abgerissen und dies längere Zeit keinem aufgefallen. „Wenn die Pumpe dabei eine Rolle spielt, dann müssen wir auch dafür einstehen“, hatte Bürgermeister Stephan Rotering dem WA in einer ersten Reaktion gesagt – und dabei übrigens für einen offenen Umgang mit der Sache plädiert.

Gutachten soll Ursache ans Licht bringen

Möglich ist auch, dass die Gebäudewanne im Erdreich 13 Jahre nach Fertigstellung möglicherweise undicht geworden ist. Antworten soll „in Kürze“, so die Verwaltung, das Gutachten eines bestellten Sachverständigen liefern. Die Gemeinde sagt, sie habe diese Ursachenforschung erst abwarten wollen, ehe sie Gegenmaßnahmen ergreift, damit diese auch zielgerichtet sind. Deshalb trüge der Eindruck, es sei über Monate nichts unternommen worden.

Trocknung soll nächste Woche beginnen

Nun ist gerade vom Gebäudemanagement der Gemeinde der Auftrag zur Trocknung des Bodens und der Wände ergangen. Das Schimmelproblem hat mittlerweile auch die Geräteräume erreicht. Die Arbeiten sollen am kommenden Montag starten und erfordern ein stellenweises Öffnen des Schwingbodens in der Halle.

Wie die Goethe-Schule die Grundschüler in den letzten Wochen vor den Ferien wieder in Bewegung bringen will, muss an dieser Stelle offenbleiben. Die WA-Anfrage dazu blieb am Montag ohne Reaktion.

Schaden in sechsstelliger Höhe befürchtet

Der Bürgermeister hat auch gesagt, es würden noch Ansprüche an die Versicherung geprüft. Aber es könnte auch die Gemeinde hart treffen. In seiner ersten Einschätzung vor dem Bauausschuss hat Fachbereichsleiter Robert Eisler die Politik und die Bürger darauf eingestimmt, „dass voraussichtlich mit einem Schaden in größerer sechsstelliger Höhe zu rechnen ist“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare