Pumpenalarm schlug fehl - Türen ein Schwachpunkt

Wasserschaden Goethe-Halle: Gemeinde Bönen will Bürger und Sportler nun offensiv informieren

Die Turnhalle an der Goetheschule ist in die Tiefe gebaut und hat ein Problem: Wasser unterm Sportboden. Wie das gelöst werden soll, schildert die Gemeinde kommende Woche.
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Die Turnhalle an der Goetheschule ist in die Tiefe gebaut und hat ein Problem: Wasser unterm Sportboden. Wie das gelöst werden soll, schildert die Gemeinde kommende Woche.

Kein Herumdrucksen mehr: Nächste Woche will die Gemeinde darlegen, was es mit dem Wasserschaden in der Goethe-Halle auf sich hat. Auch die Ursachen zeigen sich allmählich.

Bönen – In einem Informationsgespräch zum Wasserschaden an der Goethe-Turnhalle will die Verwaltungsspitze die Öffentlichkeit und die betroffenen Sportvereine über Ursache, Ausmaß und Konsequenzen der Schäden ins Bild setzen. Das hat Bürgermeister Stephan Rotering angekündigt – und damit darauf reagiert, dass sein Haus im wortkargen Umgang mit dem Problem nicht gerade das beste Bild abgegeben hat. Allmählich wird auch klar, wie es vor Monaten zu dem Malheur gekommen ist.

Technische oder organisatorische Fehler spielen bei der Überwachung der unbemerkt ausgefallenen Pumpenanlage für den Gebäudeabschnitt um den Schießstand der Schießgruppe Nordbögge und den dortigen Zugang zum Untergeschoss eine Rolle. Wie berichtet, ist die Pumpe durch einen Korrosionsschaden abgerissen. Auf den Ausfall der Anlage für das Trockenhalten der Gebäudesohle in diesem Abschnitt hätte ein Alarm aufmerksam machen müssen. Aufgefallen ist das Problem aber erst, als die Schießgruppe der Verwaltung im Februar meldete, dass Wasser auf dem Flurboden stand.

Alarm lief beim Hausmeister nicht auf

„Der Alarm hätte beim Hausmeister auflaufen müssen. Dort ist er aber nicht angekommen. Die Frage ist noch, warum das nicht funktioniert hat“, berichtete Fachbereichsleiter Robert Eisler. Die Frage, auf welchem Wege der Alarm übermittelt werden sollte, konnte er nicht beantworten. „Nach der Reparatur ist das System aber auf den Computer des Hausmeisters gelegt worden“, sagte er.

Panne beim Wechsel der Mobiltelefone?

Im Bönener Dorffunk erzählt man sich derweil, dass die Alarmierung auf ein Mobiltelefon geleitet gewesen sei, die Verwaltung aber die Geräte und/oder die Rufnummer gewechselt und versäumt habe, den Pumpenalarm anzupassen. Darauf angesprochen sagte Eisler: „Dazu kann ich nichts sagen.“

Anfangs Wasser im Flur und im Fahrstuhlschacht

Der Pumpendefekt gilt als eine mögliche Ursache, zumal in der Nähe erste Schäden aufgetreten sind. „Nachdem die Schützen sich gemeldet haben, hat der Bauhof das Wasser abgepumpt. Wir haben einen Spülwagen bestellt und die Kanalisation überprüft“, schilderte Eisler die Chronologie. In diesem Zuge sei auch das Wasser im Fahrstuhlschacht entdeckt und dieser tiefste Punkt im Bau abgedichtet worden.

Schimmel: Geräteräume werden leer gemacht

Dass die Probleme damit nicht gelöst waren, stellte sich erst später heraus. Da zeigten Wände immer mehr Symptome von aufsteigender Nässe. Dann war das Wasser in den Hülsen zu sehen, die in den Sportboden eingelassen sind, um Pfosten oder Geräte aufzustellen. Auf der Grundplatte hat sich das Wasser so weit verteilt, dass nun mit dem Ausräumen der Geräteräume begonnen wird, weil dem Material wie etwa den Ringer-Matten der TuS Schaden durch Schimmel droht. Die Schützen müssen ihre speziell zu sichernden Waffen an anderer Stelle nach Vorschrift einschließen.

Sachverständiger sieht Türen als Schwachstelle

In der Betrachtung des Sachverständigen kommen Eisler zufolge die unteren Zugänge der zur Hälfte ins Erdreich gebauten Halle als Schwachstelle in Frage. „Durch die Fluchttür und den Zugang zum Schießstand ist möglicherweise Wasser eingedrungen und zwischen die verschweißte Betonplatte und den Estrich gelaufen.“ Die Bodenabläufe vor den Türen hätten bei einem starken Guss wahrscheinlich nicht alles Wasser geschluckt, sodass ein Teil ins Gebäude lief und unter dem Bodenbelag längere Zeit unentdeckt blieb.

Ist der Sportboden noch zu retten?

So wie eben auch unter dem Schwingboden mit gut 50 Zentimetern federnder Holzkonstruktion auf dem Estrich und unter dem Kunststoffbelag mit den Spielmarkierungen in der Halle. Die spannende und für das Ausmaß des Schadens entscheidende Frage ist nun, ob die Holzkonstruktion angegriffen oder noch in Takt ist, weil sie auf dem Estrich und damit etwas höher liegt. Die Hülsen, in denen sich das Wasser zeigt, reichten tiefer bis auf den Beton, so Eisler.

Nebenräume müssen vollsaniert werden

Ob er zurecht hofft, dass die Gemeinde hier keinen Totalschaden erleidet, wird sich mit Beginn der Trocknungsarbeiten am Montag zeigen. Dafür muss der Boden an einigen Stellen aufgeschnitten werden. In den Nebenräumen ist die Sache unterdessen klar: Die nassen Gipskarton-Wände sind nicht zu sanieren, da muss alles raus und neugemacht werden. Von größeren sechsstelligen Kosten geht die Bauabteilung schon mal aus.

Verwaltungsspitze holt Sportler an den Tisch

Was sonst noch offenzulegen ist, soll kommenden Dienstag auf den Tisch, wenn Bürgermeister Stephan Rotering, Robert Eisler als Mann vom Baufach und Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte als Verantwortlicher für Sport und Schule sich mit der TuS Bönen und der SG Nordbögge sowie dem Gemeindesportverbandsvorsitzenden Dirk Presch an einen Tisch setzen. In einem Akt von Selbsthilfe haben der GSV und die anderen Bönener Vereine schon damit begonnen, die Belegungspläne der Sportstätten aus Solidarität so zu verändern, dass die TuS mit Angeboten ausweichen kann. Zumal Corona seit dieser Woche wieder Sport in Gruppen drinnen zulässt.

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