Gutachter sucht noch nach der Ursache

Seit Monaten Wasser auf der Bodenplatte: Goethe-Turnhalle ein Sanierungsfall

Unter dem blauen Belag des Sportbodens verbirgt sich ein Problem großen Ausmaßes. Bis in alle Winkel ist auf der Betonplatte zuunterst Wasser gelaufen. Das zeigt sich in den Bodenhülsen.
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Unter dem blauen Belag des Sportbodens verbirgt sich ein Problem großen Ausmaßes. Bis in alle Winkel ist auf der Betonplatte zuunterst Wasser gelaufen. Das zeigt sich in den Bodenhülsen.

In der Corona-Pause zunächst unbemerkt, ist Bönens Vorzeige-Turnhalle unter Wasser geraten. Es steht auf der gesamten Bodenplatte, auch unterm Sportboden - ein Problem, so groß wie die Halle selbst.

Bönen – Corona hat Bönens Dreifachhalle an der Goetheschule verwaisen lassen. Wann in der Halle wieder Sport getrieben werden kann, hängt aber nicht allein von der Infektionsrate ab. Die sorgenvolleren Fragen sind vielmehr diese: Wie konnte während des Stillstands über gut ein Jahr die gesamte Bodenplatte voll Wasser laufen? Wie bekommt man es unter dem speziellen Sportboden wieder heraus? Welche Schäden hat es angerichtet und wer kommt dafür auf?

Mit einem „größeren sechsstelligen Betrag“ wird die Gemeinde das erst 13 Jahre alte Aushängeschild wohl trockenlegen müssen. Das hat der Fachbereichsleiter Bau, Robert Eisler, in einer ersten öffentlichen Reaktion gesagt, als Julia Ritter von der Turn- und Sportvereinigung (TuS) Bönen im Bauausschuss die Einwohnerfragestunde nutzte, um öffentlich den Finger in die Wunde zu legen. Bis dahin herrschte nach außen großes Schweigen.

Dem größten Sportverein ist die Hallenverwaltung außerhalb des Schulsports übertragen. Mit ihrem Hausmeister Ralf Wegner kümmert sich die TuS, wie auch die Schießgruppe der Nordbögger Schützen, um die Anlage, als sei es das eigene Haus. Deshalb ist dort das Kopfschütteln groß: Der Schaden sei im Februar aufgefallen, dann aber augenscheinlich lange nichts passiert.

Schadensbegrenzung mit Bordmitteln. TuS-Hausmeister Ralf Wegner hat aus der Vereinskasse einen Nasssauger besorgt, um Wasser an den Hülsen abzuziehen.

Mittlerweile hat die Ursachenforschung begonnen, aber noch nicht ergeben, wie das Wasser auf etwa 2000 Quadratmeter Bodenplatte geflossen ist. Ausgeschlossen scheint nach der Überprüfung des Wasseranschlusses, der Sanitärinstallation samt der Abwasserrohre nur, dass es zumindest aus diesen Leitungen nicht stammt.

Auf Undichtigkeiten am Dach gebe es keine Hinweise. Ob an der etwa zur Hälfte als Untergeschoss ins Erdreich gesetzten Halle an der Sohle Wasser steht, das eindringen kann, müsse gegebenenfalls durch eine Schachtung geprüft werden, erläutert Fachbereichsleiter Eisler auf Nachfrage. Dazu müsse zunächst ein Gutachten auf den Tisch. Das Papier als Grundlage für die Sanierung einzuholen, habe nun mal so lange gebraucht, erklärt er die Reaktionszeit im Rathaus. Auf Verdacht irgendwelche Maßnahmen vorzunehmen, sei doch Verschwendung.

Die Expertise verspreche auch eine Antwort auf die Frage, ob ein Pumpenschaden an der Hebeanlage für das Trockenhalten der Gebäudesohle das Problem nach sich gezogen hat oder zudem von außen Wasser in das Bauwerk eindringt.

Der Pumpenschacht befindet sich dort, wo im Untergeschoss zuerst am Fahrstuhlschacht Nässe festgestellt wurde. „Wir haben den Fahrstuhlschacht dann abdichten lassen, aber nicht geahnt, dass das Wasser schon auf dem Hallenboden stand“, so Eisler. Als sich nebenan am Schießstand wieder Schimmel zeigte, habe das Gebäudemanagement zunächst angenommen, das vorherige Problem mangelnder Lüftung hinter den Schränken sei aufs Neue aufgetreten. Später zeigte sich, dass in der Dreifachhalle in den Bodenhülsen für die Masten für Volleyballnetze und andere Geräte bis zu 20 Zentimeter hoch Wasser stand. Seitdem müht sich Wegner, mit einem Nasssauger des Vereins das Gröbste zu entfernen.

„Vielleicht ist schon im Winter Wasser eingedrungen, wir wissen es nicht genau“, so Eisler. Ein „Starkregenereignis“, so heißt es im Versicherungsdeutsch, käme in Betracht, Oberflächenwasser sowieso. Denn mit dem Bau des tiefer gehenden Schwimmbads nebenan habe sich gezeigt, dass unter dem Hallenbau kein Wasser mehr stehe. Denn das sei zuvor für die Kühlung der Goetheschule genutzt worden, bis dieses Rohrsystem unter der Halle nicht mehr kalt wurde.

Gleichwohl wird die besagte Hebeanlage nach wie vor benötigt, wie sich folgenschwer zeigte. An der aus Edelstahl konstruierten Anlage war eine Pumpe abgerissen. Da die Anlage nicht mit der Gebäudeleittechnik vernetzt war, fiel das zunächst nicht auf und der Schacht lief unbestimmte Zeit über.

Die Bauweise der Halle könnte eine Rolle spielen. Sie ist auf dem Hügel teils ins Erdreich gesetzt, damit sie nicht so hoch aufragt.

Ab 14. Juni soll sich nun ein Unternehmen daran machen, Boden und Gemäuer der Sporthalle zu trocknen. Der Schwingboden mit etwa 50 Zentimeter Holzkonstruktion samt Dämmwolle unter dem Kunststoffbelag muss dafür wohl aufgeschnitten und später repariert werden. Obwohl durchnässte Dämmwolle wegen des Schimmelrisikos kaum zu sanieren ist, gibt sich Robert Eisler optimistisch: „Vielleicht können wir den Boden ja retten“. Als das zuletzt am MCG aus statischen Gründen nicht zu machen war, wurden 150 000 Euro für den neuen fällig.

Ins Geld geht der Schaden ohnehin: In den Sanitärräumen müssen teils die Fliesen runter, um Wände trocken zu legen. Vollgesogene Dämmung in den Leichtbauwänden ist auszutauschen. Da kommt einiges zusammen. Deshalb wird der Versicherungsanspruch noch geprüft.

„Ärgerlich, dass dies gerade jetzt passiert, da die Corona-Lockerungen bald wieder Sport zulassen“, reagiert Eisler auf den Frust der Sportler. „Wir werden uns mit den Vereinen zusammensetzen. Diese Kommunikation müssen wir noch verbessern“.

Das sieht TuS-Vorsitzender Marvin Manz auch so: „Ich bin irritiert, dass die Gemeinde nicht mit mir spricht. Wir stecken Geld in die Halle, nehmen kleinere Reparaturen vor und müssen wegen Corona unsere Mitglieder bei der Stange halten“. Unterstützt und ernst genommen, fühle er sich nicht. „Die Halle war immer der ganze Stolz der Gemeinde. Da muss man unseren Mitgliedern und allen Bönenern doch zügig erklären, was ja jetzt passiert. Viele Ausweichmöglichkeiten haben wir ja nicht“.

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