Die Wartezeit an der Schranke ist für Taxen geschäftsschädigend

+
Bitte warten... Fahrgäste werden im Taxi bei der erzwungenen Pause vor der geschlossenen Schranke schon mal nervös, denn die Uhr läuft weiter. Für die örtlichen Taxiunternehmen ist der Bahnübergang ein Übel, das die Planung schwierig macht.

Bönen – Wer als Fahrgast im Taxi sitzt, der hat in der Regel das Taxameter im Auge, das den Fahrpreis anzeigt. Denn die Uhr läuft – bei jedem Kilometer, aber auch wenn der Wagen steht. Vor der geschlossenen Schranke in der Ortsmitte kommen da schon mal einige Minuten zusammen. Für den Gast ist die Zwangspause ärgerlich, denn die Uhr läuft weiter, das kostet bares Geld – und die beiden Taxiunternehmer in Bönen so manchen Kunden.

„Die Schranke ist das größte Übel in Bönen“, sagt Renate Sinnigen, Inhaberin von Taxi Drücke-Milk. „Wenn der Wagen steht, schaltet das Taxameter automatisch um von Fahrstrecke auf Zeit“, erläutert Michael Kovacz, der zweite Taxiunternehmer vor Ort. „Die Gebühren werden vom Kreis Unna festgelegt. Die Grundgebühr beträgt 3,20 Euro. Pro Kilometer kommen jeweils 1,90 Euro dazu. Wenn das Taxi an der Schranke warten muss, schaltet die Uhr von Kilometer auf Zeit um – und berechnet 30 Euro pro Stunde“, erläutert Kovacz. 

Zehn Minuten Wartezeit an der Schranke kosten dann mal eben 5 Euro. „Wir bekommen das inzwischen deutlich zu spüren – die Schranke kostet uns Kundschaft“, sagt Kovacz. „Wer drei Kilometer auf der Bahnhofstraße von A nach B fahren will, und womöglich erst Mal eine Viertelstunde an der Schranke steht, der verkneift sich die Taxifahrt beim nächsten Mal, wenn möglich.“ 

Das sei auch ein Grund, warum die Zahl der privaten Fahrten immer mehr zurück gehe. „Bei uns macht das vielleicht noch zehn Prozent aus. Den größten Anteil mit rund 70 Prozent haben inzwischen Krankenfahrten zum Arzt oder zum Krankenhaus. Auch das zweite Taxiunternehmen in der Gemeinde, Taxi Drücke-Milk, leidet unter der häufig geschlossenen Bahnüberquerung. Die Schranke wirke sich schon geschäftsschädigend aus, macht Renate Sinnigen deutlich. „Der Fahrgast sitzt im Taxi und hat permanent die Uhr im Blick. Wenn sie lange warten müsen, und der Preis läuft weiter, dann werden viele Kunden schon nervös.“ 

Dabei haben die Taxiunternehmen keinen Einfluss auf die Preisgestaltung, die für alle Betriebe im Kreisgebiet in einer einheitlichen Tarifordnung des Personenbeförderungsgesetzes festgelegt ist. „Die alte Dame auf dem Rücksitz trommelt irgendwann mit den Fingern – und wir Fahrer auch“, sagt Jörg Milk, der mit seiner Mutter das Taxiunternehmen Drücke-Milk betreibt. Durch die Wartezeit am Bahnübergang könne der Fahrpreis etwa von Gröblinghoff rauf nach Bönen stark variieren. 

Wenn das „Kuckuck“ genannte Taxischild auf dem Dach leuchtet, ist das Taxi frei, ist es aus, ist der Wagen besetzt. Blinkt das Schild, dann handelt es sich um einen Notfall

Er würde liebend gern auf die Wartezeit an der Schranke und das Geld verzichten. „Das macht meine Disposition sehr schwierig“, erklärt er. „Was sage ich dem Kunden, der anruft, und möglichst schnell in Altenbögge abgeholt werden will, wenn ich gerade auf dem Weg nach Bönen zur Alten Kirche bin? Ich komme in zehn oder 20 Minuten, je nachdem, wie lange es an der Schranke dauert?“ Das sei eine unbefriedigende Antwort. 

Denn jeder zweite Anrufer fragt nach seiner Erfahrung: „Wie schnell sind Sie da?“ Wer anruft, der möchte auch, dass sein Taxi möglichst schnell kommt und will nicht lange warten. „Wir sind schließlich ein Dienstleister. Muss der Kunde lange an der Straße stehen, ohne dass das weiße Auto in Sicht kommt, dann ist er unzufrieden und denkt darüber nach, ob er nächstes Mal wieder anruft.“ 

Auch Milk bestätigt, ähnlich wie Konkurrent Kovacz, dass immer weniger Privatkunden ein Taxi ordern. „Es gibt kaum noch große Veranstaltungen, von denen man mit dem Taxi nach Hause fährt.“ Und es gebe kaum noch Ausgehkultur in Bönen, weil es kein Nachtleben und kaum noch Kneipen gebe, sagt Milk. 

Dennoch besteht für die Taxiunternehmen eine Betriebspflicht, von der es keine Befreiung gibt: 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag. Seit 30 Jahren fährt Jörg Milk nachts – alleine. Für mehr Fahrer gibt es zu wenig Nachfrage. „In der Regel mache ich ein bis vier Fahrten pro Nacht. Das ist auch abhängig vom Wetter. Schlechtes Wetter, Winter, Schnee und Regen sind mein Freund, dann laufen die Geschäfte besser“, bestätigt Milk. 

Immerhin sei nachts die Schranke seltener geschlossen, so kommen Fahrer und Fahrgast schneller ans Ziel ohne lange Wartezeiten. „Denn da fahren weniger Züge“, sagt Milk. „Das heißt aber auch, dass man sich gar nicht erst an den Bönener Bahnhof stellen muss, um auf Kundschaft zu warten. In Nordbögge fahren zwar nachts noch Züge, aber da fällt für uns in der Regel nichts ab.“ 

Das Geschäft laufe heute in der Regel über den Anruf in der Zentrale. Deshalb nutzt Milk die Nachtschicht auch, um Büroarbeit zu machen, wenn es ruhig ist – oder Kundenfragen zu beantworten: Wann erstattet die Krankenkasse die Fahrt zum Arzt? Wie und wo bekommt der Fahrgast diesen Taxischein? Denn ähnlich wie bei Kovacz machen auch bei der Firma Drücke Krankenfahrten mittlerweile einen großen Teil des Geschäfts aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare