Warteschlangen im Rewe

Ein mulmiges Gefühl: Kein Abstand im Engpass vor der Postagentur

Kunden im Eingang Rewe-Markt Karwoth Bönen vor der Postagentur
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Abstand – Fehlanzeige: Hier wird es richtig eng. Im Gang vor der Postagentur im Rewe-Markt bilden sich nicht nur regelmäßig Warteschlangen (rechts), es passieren auch Kunden in beiden Richtungen.

Wer zum Schalter der einzigen Postagentur in der Gemeinde unter dem Dach des Rewe-Marktes will, muss manchmal erst Mal Schlange stehen. Das nervt viele Kunden, ist aber nicht das eigentliche Problem. Wirklich Sorge macht vielen, dass Abstände nicht eingehalten werden können.

Bönen – Nicht ausreichend Platz ist im Durchgang vor dem Schalter für Wartende und für Menschen, die sich hier mit Einkaufswagen begegnen. Abstand halten in diesem Nadelöhr – Fehlanzeige. Marktleiter Adam Karwoth verspricht: „Wir kümmern uns.“

„Das geht einfach gar nicht“, kommentiert Dieter Hinkmann. Mit über 80 Jahren traut sich der Nordbögger kaum noch an den Postschalter, weil er die Infektionsgefahr fürchtet. „Die Leute stehen in ausreichenden Abständen hintereinander, aber sie haben keinen Abstand zur Seite.“ Tatsächlich bildeten sich in der Vorweihnachtszeit lange Warteschlangen an Menschen, die einen Brief aufgeben oder Pakete auf die Reise schicken wollten.

Die Corona-Pandemie sorgt auch weiter für hohes Paketaufkommen

Aber auch im Januar ist das Kundenaufkommen weiterhin hoch. Schließlich bleibt im Lockdown oft nur das Versenden von Paketen, um seine Familie und Freunde zu erreichen. Auch der Kauf von Waren aller Art im Onlinehandel hat sprunghaft zugenommen. Wer von den Zustellern nicht zu Hause angetroffen wird, muss sich mit der Sendungsbenachrichtigung in die lange Schlange stellen.

Die reicht bei der unter der Regie des Rewe-Marktes betriebenen Postagentur zuweilen bis zur Eingangstür am Parkplatz. „Die Leute drücken sich schon an die Wand, während sie warten, aber für Passanten, die den Durchgang ebenfalls in beiden Richtungen nutzen, ist kaum noch Platz“, bemängelt Dieter Hinkmann. „Da wird es einem schon mulmig.“ Er schlägt vor, den Durchgang nur in einer Richtung zu nutzen und in der anderen Richtung außen herum zu gehen. Eine weitere Erleichterung wäre aus seiner Sicht eine Erweiterung der Öffnungszeiten, damit sich die Kunden besser auf den Tag verteilen könnten.

Problem bei der Verwaltung bekannt

Was sagt die Bönener Verwaltung als Ordnungsbehörde zu dem Engpass vor der Postagentur? „Die Situation vor der Postagentur und generell in den Zugängen zu den benachbarten Geschäften sind bekannt“, so Jörg-Andreas Otte, zuständiger Fachbereichsleiter im Rathaus. „Aus einer Vielzahl von dort – auch gemeinsam mit der Polizei – durchgeführten Kontrollen konnten wir die Erkenntnis gewinnen, dass es sich bei den langen Warteschlangen nicht um einen andauernden Zustand handelt. Tatsächlich gab es in insbesondere in den Tagen vor Weihnachten ein teilweise großes Kundenaufkommen.“

Zeitweise sei der Zutritt zum Drogeriemarkt durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes geregelt worden, obwohl die Verantwortung für die Einhaltung der Regelungen der Coronaschutzverordnung bei den Gewerbetreibenden liegt. „Diese haben dafür Sorge zu tragen, dass die zulässige Gesamtpersonenzahl nicht überschritten wird und dass Warteschlangen vermieden werden. Mit den Gewerbetreibenden stehen wir im regelmäßigen Austausch.“

Marktleiter Karwoth: Die Mitarbeiterinnen am Schalter geben alles

Ansprechpartner hier ist Rewe-Marktleiter Adam Karwoth, der die Postagentur betreibt und sich der Problematik durchaus bewusst ist. „Wir werden die Situation, für die sich offenkundig keine abschließende Lösung anbietet, weiterhin regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen ergreifen. Letztlich bleibt es aber auch eine Entscheidung der Kunden, ob, zu welchem Zeitpunkt und durch welchen Eingang die Geschäfte besucht werden.“ Ein Einkauf zu den Randzeiten – soweit möglich – könne zu einer besseren Verteilung der Kundenströme beitragen.

Karwoth betont, dass seine Mitarbeiterinnen alles Mögliche getan haben und auch in Zukunft tun werden, damit alle Postkunden so schnell wie möglich bedient werden. „Ich habe vollsten Respekt vor der Arbeit, die meine Mitarbeiterinnen leisten, aber mehr geht leider nicht, und dafür sollte jeder Kunde Verständnis haben. Wenn es keinen siebten Gang am Auto gibt, dann kann der Wagen einfach nicht schneller fahren. Wir haben nur zwei Schalter, an denen bedient werden kann, und damit ist das Limit erreicht.“ Eine Ausweitung der Öffnungszeiten sei somit mit dem bestehenden Personal nicht machbar.

Alternativen zur Postagentur

Viele Bönener sind genervt, weil sie regelmäßig in der Schlange stehen müssen, um Briefe und Päckchen am Schalter im Rewe-Markt aufzugeben oder entgegenzunehmen. Vorgegeben von der Deutschen Post sind Kernöffnungszeiten an sechs Wochentagen mindestens drei bis vier Stunden täglich. Aber es gibt auch andere Anlaufstellen in der Gemeinde, um der Warteschlange zu entgehen.

Briefe: Wer nicht jedes Mal warten möchte, wenn er einen Brief verschicken muss, der kann Briefmarken auch auf Vorrat kaufen und den Brief in den Postkasten werfen. Es geht übrigens auch digital: Mit einer App, die einmal auf dem Smartphone installiert wird. Damit kann ein Zahlencode als Postwertzeichen gekauft werden. Das Geld wird abgebucht, der Zahlencode mit Kugelschreiber auf den Briefumschlag geschrieben und das Porto als bezahlt erkannt. Mittlerweile ist dieser Dienst ohne Aufpreis verfügbar.

Päckchen und Pakete: Ein hinterlegter Ablageort oder nette Nachbarn ersparen Empfängern den Weg zur Postagentur, die nicht zu Hause angetroffen werden. Pakete können auch zu einer der zwei Bönener Packstationen dirigiert werden: am Pennymarkt, Heinrich-Wieschhoff-Straße 1 und bei Aldi, Marmelinghöfener Weg 3. Hier können auch Pakete abgegeben werden, ebenso wie an den Paketshops Tabakstube Kurth, Bahnhofstraße 127a und Kiosk Kavsur, Bahnhofstraße 186. Voraussetzung: Das Paket ist mit Wertmarken oder online frankiert. Dann nehmen auch die DHL-Fahrer das Päckchen mit.

Weitere Informationen gibt es auf www.dhl.de

Auch ihm sei die Problematik der geringen Abstände bewußt. „An einem ,normalen’ Wochentag besuchen etwa 1500 Kunden unser Haus, während der Feiertage waren es um die 2500 Kunden am Tag. Das sind Ausnahmezustände, die genau zwei mal im Jahr vorkommen. Wir haben bereits Maßnahmen zum besseren Abstandhalten ergriffen, indem wir vor einiger Zeit die Warteschlange in Richtung des Parkplatzes umgeleitet haben, da hier mehr Platz zu Verfügung steht.“ Vorher stand die Schlange in Richtung Bäckerei.

„Ich nehme natürlich die Beschwerden unserer Kunden ernst“, betont Karwoth, „und habe mir auch schon Gedanken dazu gemacht. Wir könnten zum Beispiel den Kopierer versetzen, um an dieser Stelle mehr Platz zu schaffen.“ Er werde sich mit seinen Mitarbeitern beraten und weitere Schritte einleiten. „Wir kümmern uns um das Problem“, verspricht der Rewe-Marktleiter.

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