3 Millionen Brötchen täglich

Warnstreik bei Wback: Gehen Burger King jetzt die Brötchen aus?

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Die Streikenden trugen sich in die Listen der Gewerkschaft NGG ein. Die Urabstimmung wird voraussichtlich in zwei Wochen stattfinden.

Bönen – Die wenigsten Menschen kennen die Firma Wback, die ihre Firmenzentrale seit 2003 an der Edisonstraße hat. Aber rund zwei Millionen in ganz Deutschland – so eine Schätzung – beißen jeden Tag in ihre Burgerbrötchen.

Hauptabnehmer ist nämlich Burger King Deutschland, die W-Back exklusiv beliefert. Am Dienstag hat die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) zum Warnstreik bei W-Back aufgerufen, weil die Firmenleitung eine Bezahlung der Mitarbeiter nach Tarifvertrag bislang ablehnt. Gehen Burger King jetzt deutschlandweit die Brötchen aus? 

Vor dem Tor der Firma Wback an der Edisonstraße versammelten sich am Dienstagmittag rund 90 Mitarbeiter. Die NGG hatte zum Warnstreik gegen Wback aufgerufen, um den wiederholten Forderungen nach einem Tarifvertrag nun Taten folgen zu lassen mit einem Arbeitsausstand ab 13 Uhr in der Spät- und Nachtschicht. 

„Ich bin positiv überrascht, wie hoch die Teilnahme ist, denn in den einzelnen Schichten arbeiten teilweise nur 18 Mitarbeiter in der Produktion“, so Manfred Sträter, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. „Wir wollen den Flächentarifvertrag jetzt“, betont er. 

Kein Urlaubsgeld und keine Schichtzulagen

„Es gibt eine Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat, da sind 2017 zwar eine Reihe von Punkten festgehalten worden, aber das ist immer noch weit weg vom Tarifvertrag.“ Zwar sehe die Vereinbarung eine Erhöhung von 2,5 Prozent vor, „aber ob die von 11 Euro Stundenlohn oder 15 Euro berechnet wird, das ist ein großer Unterschied“. 

Auch in anderen Bereichen stünden die Mitarbeiter bei Wback schlechter da als in konkurrierenden Unternehmen, betont Betriebsrat Sefa Cerci: „Wir erhalten 65 Prozent Weihnachtsgeld, aber kein Urlaubsgeld und keine Schichtzulagen.“ 

Der Betriebsrat habe damals versucht, den geltenden Tarifvertrag für die Brot- und Backwarenindustrie NRW bei Wback einzuführen. „Die Geschäftsleitung war dazu aber nicht bereit“, erklärt Cerci. Die Betriebsvereinbarung sollte für zwei Jahre gelten, 2019 sei die Übernahme des Tarifvertrags in Aussicht gestellt worden. 

Abhängigkeit vom Firmenbesitzern in den USA

„Als wir im Januar in einer Betriebsversammlung die Übernahme des geltenden Tarifvertrags forderten, erteilte uns die Geschäftsleitung eine Absage. Dabei ist Wback im Arbeitgeberverband, allerdings ohne Tarif. Die Geschäftsleitung müsste den Tarif nur anerkennen.“ 

Die Geschäftsleitung kann ihre Entscheidungen allerdings nicht alleine vor Ort treffen, denn im Januar wurde Wback von einem Familienunternehmen in den USA übernommen. „Wir haben eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat geschlossen, die nach unserer Auffassung Gültigkeit bis zum 31. Dezember 2019 hat“, sagt Geschäftsführer Matthias Geißler. 

NGG-Geschäftsführer Manfred Sträter spricht zu den Streikenden.

„Wir hatten noch keinen Verhandlungstermin. Es gab am Donnerstag zwar ein Treffen mit Gewerkschaft und Betriebsrat, aber wir können zu diesem Zeitpunkt noch keine Zusagen machen. Wir müssen Rücksprache mit den Eigentümern halten, um ihnnen die Möglichkeit zu geben, die Situation zu verstehen.“ 

Die kennen nach Aussage Geißlers auch die Betriebsvereinbarung, die von allen unterschrieben wurde. „Ich interpretiere das so, dass wir bis zum Ende des Jahres eine Vereinbarung haben. Für uns ist deshalb nicht nachvollziehbar, warum jetzt so kurzfristig neue Forderungen gestellt werden. Es gab zwar Flyer und ähnliches, die einen Tarifvertrag forderten, aber es gab keine Verhandlungen“, so Geißler weiter.

 „Am 11. April haben wir dann klargemacht, dass wir zur Zeit keine Zusagen machen können, denn wir müssen uns mit Amerika abstimmen. Deshalb hatten wir uns etwas mehr Zeit gewünscht und als Termin Donnerstag nach Ostern vorgeschlagen. Ob das zustande kommt, weiß ich nicht. Im Moment ist alles offen.“ 

Stillstand zwei Schichten lang

Auch, ob der Arbeitgeber grundsätzlich ab 2020 der Annahme eines Tarifvertrages für die Mitarbeiter in Bönen und Leipheim zustimmen würde, kann Geißler nicht sagen. Deshalb wirft NGG-Geschäftsführer Manfred Sträter der Wback-Geschäftsführung vor, sie würde auf Zeit spielen. „Sie versuchen weiterhin, den billigen Jacob zu machen, und mit schlechteren Bedingungen für ihre Mitarbeiter den Wettbewerbsvorteil auszunutzen.“ 

Gestern standen die Produktionsstraßen erst einmal in zwei Schichten still. Rund zwei Millionen Burgerbrötchen, sogenannte Buns, laufen hier sonst pro Tag über die Fertigungsstraßen. Die fehlen jetzt bei Burger King. „Das hat zunächst noch keine Auswirkungen“, sagt Matthias Geißler. Da könne sich der Burger--Gigant europaweit bei seinen anderen Lieferanten eindecken. 

Deshalb müssen Burger-Fans über Ostern sicher nicht um Nachschub bangen. Wenn die Urabstimmung nach Ostern allerdings einen längeren Streik bringen sollte, dann könnte das Wback richtig weh tun“, prophezeit Manfred Sträter. Denn die Buns haben eine maximale Haltbarkeit von acht Tagen. „Hoffentlich versorgt sich Burger King dann nicht auf Dauer woanders“, hält Matthias Geißler dagegen. „Dann verlieren wir nämlich alle.“

Wback - das Unternehmen

Die Wback-Werke in Bönen (Zentrale) und Leipheim bei Augsburg zählen zu den modernsten Großbäckereien für Hamburger-Brötchen in Europa: In den beiden voll automatisierten Produktionsstätten in Bönen und Leipheim werden täglich bis zu drei Millionen Brötchen und Backwaren hergestellt für Kunden aus den Bereichen Systemgastronomie, Groß- und Einzelhandel sowie Industrie. 

Beide Standorte beliefern exklusiv alle Burger King-Filialen in Deutschland. Gegründete wurde das Unternehmen mit Sitz an der Edisonstraße 10 in Bönen 2003 von Peter Wendeln mit mehreren Partnern, nachdem die Familie Wendeln 1999 ihre Bäckereien an die Bäckerei-Kette Kamps verkauft hatte. 2013 erfolgte die Mehrheitsübernahme durch die Halder (GIMV) Holding. 2019 kauft der texanische Lebensmittelhersteller C.H. Guenther & Son Wback. 170 Mitarbeiter beschäftigt Wback in Bönen, 70 in Leipheim.

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