Waldfriedhof in Bönen? Umweltberater warnt

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Der Mergelbergwald ist bei Spaziergängern, Joggern oder Radfahrern beliebt. Wenn es nach den Plänen des Regionalverbandes Ruhr geht, könnte in einem Teil des Waldes bald ein Friedhof entstehen.

Bönen – Unter raschelnden Blättern im weichen Waldboden gebettet: Immer mehr Menschen können sich vorstellen, statt auf einem Friedhof in einem Wald beerdigt zu werden. Bislang gibt es dieses Angebot in der Gemeinde noch nicht. Das kann sich aber ändern. Der Regionalverband Ruhr (RVR) denkt zurzeit darüber nach, in Bönen eine solche naturnahe Ruhestätte zu schaffen. Eine politische Entscheidung gibt es aber noch nicht dazu.

Lange war der Mergelbergwald in Bönen als Trimm-dich-Wald bekannt. Im Zuge der Trimm-dich-Bewegung der 1970er Jahre wurde auch dort ein Pfad mit robusten Turngeräten angelegt, der Aktive in die Natur locken sollte. Vor 15 Jahren wurden die Geräte abgebaut, dennoch ist der Wald immer noch beliebt bei Joggern, Radfahrern und Wanderern. Ruhe lässt sich dort trotzdem finden, und wenn es nach dem Wunsch des RVR geht, bald sogar die ewige Ruhe. Etwa die Hälfte des Forststückes in der Gemeinde gehört dem RVR, der es auch bewirtschaftet. 

In Zeiten des Klimawandels mit heißen, trockenen Sommern und milden Wintern, die Schädlingen das Leben leicht machen, ist das für den größten Waldbesitzer Deutschlands ein schweres Geschäft. Um die Einnahmen zu steigern, überlegt der Verband daher nun in Bönen und anderen Kommunen, Waldfriedhöfe einzurichten. Ähnlich wie es die beiden deutschen Marktführer, die Friedwald und die Ruheforst GmbH betreiben, könnten dann auch am Kletterpoth Urnen mit Totenasche zwischen Baumwurzeln beigesetzt werden.

Ausschussmitglieder wollen noch beraten

Der RVR ist mit seiner Idee bereits an die Gemeindeverwaltung herangetreten. Die wiederum hat das Thema der alternativen Bestattungsform an die Mitglieder des Fachausschusses Planen, Bauen und Umwelt herangetragen. Sich dazu entschließen, der Beschlussvorlage der Verwaltung zu folgen und den RVR bei der Anlage einer solchen Ruhestätte zu unterstützen, konnten die Mitglieder des Gremiums aber noch nicht. Sie wollen sich zunächst weiter darüber beraten. 

Ein Punkt, der dabei für Gesprächsbedarf sorgt, ist der Umweltaspekt. Den brachte unter anderem Andreas Morgenroth mit ein. Der Umweltberater und Friedhofsplaner aus Hamburg hat durch die WA-Berichterstattung von den Plänen des RVR erfahren und sich direkt an den Fachbereich im Bönener Rathaus gewandt. Morgenroth beschäftigt sich schon lange mit dem Thema und warnt vor einer Schwermetallbelastung durch die Totenasche in den leicht zersetzbaren Urnen. „Durch den Kremationsprozess gelangen vor allem Chrom und Chrom VI in die Asche. Das liegt an den Stählen, die in den meisten Kremationsöfen in Deutschland verwendet werden“, sagt der Hamburger. 

Hoher ph-Wert als Ausschlusskriterium

Der Name Mergelbergwald weise zudem auf eine Bodenstruktur mit einem hohen pH-Wert hin. Falls dies zutreffe, sei das auf jeden Fall ein Ausschlusskriterium für einen Bestattungswald. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass das Grundwasser durch das in den Aschen enthaltene Chrom, Chrom VI und Nickel kontaminiert werde. 

Der Diplom-Ingenieur sieht aber noch ein weiteres Problem: „Falls die üblichen zehn Beisetzungen pro Baum im Wurzelraum vergraben werden, sehe ich allein durch die damit verbundenen Bohrungen und Stanzungen eine zusätzliche Beanspruchung der Bäume. Die stehen aufgrund bekannter Wirkungen des Klimawandels unter Stress. Selbst bei kleinsten Beschädigungen des Wurzelraums können Schadpilze eindringen, die einen so infizierten Baum innerhalb weniger Jahre absterben lassen können“, mahnt er. 

„Die Diskussion über Schwermetallbelastungen bei Kremierungen ist bekannt und wird auch seitens der Wissenschaft kontrovers geführt“, reagiert Fachbereichsleiter Robert Eisler auf den Hinweis des Hamburger Ingenieurs. Diese betreffe allerdings auch alle übrigen Friedhofsflächen. „Auch nicht kremierte Leichen setzen über einen längeren Zeitraum Giftstoffe frei.“ 

Ob es besonders im Wald zu negativen Einflüssen für Bäume und Grundwasser kommen kann, müsse daher vor der Freigabe einer Bestattungsfläche mit Bodenuntersuchungen geprüft werden. „Soweit sind wir allerdings noch nicht. In unserer Vorlage ging es um eine grundsätzliche Entscheidung, ob die Gemeinde sich mit dem Thema, gemeinsam mit dem RVR, beschäftigen soll“, erklärt Eisler. Diese Entscheidung steht nun noch aus und in den Sitzungen des Fachausschusses beziehungsweise des Gemeinderates wird weiter diskutiert.

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