Wahrzeichen in Not: Was passiert mit der Alten Mühle in Bönen?

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Die Alte Mühle muss dringend saniert werden: Das Dach ist undicht, die Holzkonstruktion marode, die Wände feucht.

Bönen – Auf dem Terrazzoboden der Empore hat sich eine schmutzig-braune Wasserlache gebildet. Das Treppengeländer zeigt Rostflecken, der Putz in den Lichtschächten ist aufgebläht, die Wände zeigen Flecken. Die Alte Mühle ist offensichtlich in einem schlechten Zustand – und das nicht erst seit gestern.

Seit mehr als vier Jahren tropft es durch das Dach, Wände werden feucht, die Holzkonstruktion morsch, und auch andere Bauteile müssen dringend saniert werden. Geflickt wird zurzeit nur das Notwendigste, der eine oder andere Dachschindel ausgetauscht. Noch wartet die Gemeindeverwaltung nämlich auf einen Förderbescheid, um die Arbeiten endlich anzugehen.

Den jüngsten Antrag hat die Gemeinde am 17. August vergangenen Jahres bei der Bezirksregierung Arnsberg gestellt. Sie hofft auf rund 200 000 Euro aus dem Programm „Heimatförderung“, und damit auf 80 Prozent der kalkulierten Reparaturkosten in Höhe von knapp 250 000 Euro. Wie Bürgermeister Stephan Rotering berichtet, erreichte der Antrag Ende Oktober das Landesministerium.

Bei Absage muss der Rat neu entscheiden

Im März erwartet er nun die Antwort – hoffentlich eine positive. „Sollte sie negativ ausfallen, ist eine erneute politische Entscheidung über die Sanierung zu treffen, da der gemeindeeigene finanzielle Aufwand dann höher ausfallen, beziehungsweise die Förderung/Gegenfinanzierung nicht kommen würde“, erklärt Rotering. Die Ratsmitglieder müssen sich also überlegen, ob die Sanierung des Bönener Wahrzeichens aus dem Gemeindehaushalt finanziert werden soll.

Im Haushalt waren dafür 2016 schon 75 000 Euro eingestellt worden. Auch die erforderlichen Handwerksleistung hatte die Gemeinde nach eigener Angabe ausgeschrieben. Diese Summe hätte jedoch lediglich für die Reparatur des undichten Flachdaches am Mühlenanbau gereicht.

VHS-Dozentin Dr. Janine Teuppenhayn macht sich Sorgen um das Denkmal. Sie hat Bürgermeister Stephan Rotering getroffen und gemeinsam mit ihm die Schäden begutachtet.

Zwischenzeitlich haben Fachleute aber festgestellt, dass an dem Denkmal viel mehr beschädigt ist, zum Beispiel die Holzkonstruktion, die den Mühlenkopf mit den Flügeln hält, die Kuppel selbst, die Lichtschächte, Wände und einiges mehr. Deshalb hat die Gemeinde auch vor rund einem Jahr Fördermittel aus dem Denkmalschutzprogramm des Landes beantragt.

Tipp von der Heimatministerin

Bis der Landesverband Westfalen-Lippe (LWL) als Denkmalschutzbehörde alle erforderlichen Unterlagen von der Gemeinde zusammen hatte, ist aber noch einmal einige Zeit vergangen. Nach Gesprächen mit einem Architekt und Experten des LWL wurde im August 2018 das entsprechende Leistungsverzeichnis fertiggestellt.

Kurz darauf, am 21. August, erhielt die Verwaltung die Absage für Zuwendungen durch das Denkmalförderprogramm von der Bezirksregierung. „Das Programm war völlig überzeichnet“, erklärt Bürgermeister Stephan Rotering, dass einfach zu viele Hände in den Fördertopf greifen wollten.

Im Juni hätte er das Thema aber bereits mit Ina Scharrenbach, der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung besprochen. Sie gab der Verwaltungsspitze den Rat, umgehend einen Antrag für das Heimatförderungsprogramm zu stellen. Das passierte laut Stephan Rotering am 17. August 2018, noch vor der Absage für Mittel aus dem Denkmalförderprogramm. 

Entscheidung im März

„Wir gehen davon aus, dass über unseren erneuten Förderantrag im März entschieden wird. Bei positiver Bescheidung kann mit der Sanierung unmittelbar begonnen werden“, kündigt Rotering an. Er habe sich eine frühzeitigere Sanierung gewünscht. „Allerdings müssen wir als Haushaltssanierungskommune bestehende Förderungsmöglichkeiten ausnutzen.“

Bis es soweit ist, tropft es weiter auf den Terrazzoboden in der Alten Mühle.

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