Bahnhof, Zechenturm, Mühle

Im Wahlkampf unterwegs: Fünf Stationen mit Bürgermeisterkandidat Stephan Rotering  

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WA-Redakteuer Bernd Kröger ging mit Bürgermeister Stephan Rotering auf Tour durch die Gemeinde

Am 13. September wird der Bürgermeister gewählt. Anzeiger-Redakteur Bernd Kröger ist mit beiden Kandidaten für das Bönener Rathaus auf Tour gegangen. Im ersten Teil zeigt Amtsinhaber Stephan Rotering heute an fünf Orten, was er in seiner Amtszeit erreicht hat und was er für die Zukunft plant. Am Dienstag folgt SPD-Kandidat Thomas Semmelmann.

Bönen - Bürgermeisterwahl, das heißt in Bönen Entweder-oder: Amtsinhaber Stephan Rotering (parteilos) will nach fünf Jahren als erster Rathauschef ohne SPD-Nadel am Revers weiter machen, Herausforderer Thomas Semmelmann (SPD) wieder mit sozialdemokratischer Handschrift regieren. Wer steht für welche Ideen und Themen? Das skizzieren die Wahlkämpfer hier mit einer selbst gewählten Tour durch Bönen, zuerst Stephan Rotering.

Was sehen die Wahlkämpfer, wenn sie heute aus ihrer Perspektive auf die Gemeinde schauen, was sähen sie gern morgen in ihrer Ägide entstehen? Wir haben die beiden Kandidaten gebeten, auf einer Tour durch Bönen an fünf selbst gewählten Stationen ihre Standpunkte und Vorhaben zu erläutern. Die Wahl des Starts, des Vehikels und die Route war ihnen ebenfalls überlassen. Beide entschieden sich fürs Rad, damit endet aber auch die Übereinstimmung. Hier das Protokoll der ersten Tour.

Station 1: Puzzle passt am Bahnhof

Die vermaledeite Schranke, der Bahnhof und alles, was daran hängt – das ist sein Ding: Stephan Rotering rattert die Entwicklung runter und erklärt die nächsten Puzzleteile, die zusammengesetzt die neue Ortsmitte ergeben. Ein historischer Glücksfall, dass zu seiner Amtszeit dafür finanzielle Hürden fallen, die von der Gemeinde bisher schwer zu nehmen waren, das weiß er. 

Aber man müsse die Dinge anpacken, Chancen zu nutzen wissen. „Wir haben den Rathaus-Neubau von Miete in Kauf gewandelt, das spart jährlich 70 000 Euro.“ Eine „super Lösung“ zeichne sich für die ehemalige Brache davor ab. Beim ersehnten Tunnel anstelle der „Glück Auf-Schranke“ hat Bönen den Fuß in der Waggontür. Wenn der Rat der Planungsvereinbarung mit der DB im September seinen Segen gibt, ist das Ticket mit 200 000 Euro Vorausleistung (später 50 000 Euro Eigenanteil) gelöst. 

Erste Station: Bahnhof (von links). Wo heute die Stufen ins Gebäude führen, soll bald das Portal des Fußgänger- und Radlertunnels entstehen, der Gleiszugang barrierefrei ausgebaut werden.

Dann braucht es „nur“ noch sieben bis zehn Jahre Geduld, so die Erfahrung, bis die DB baut und das Warten vor der Schranke ein Ende hat. Rotering: „Ein Meilenstein. Das brennt den Bönenern auf den Nägeln.“ Und bringt den Bürgermeister in Fahrt, er sprudelt nur so: Der separate Radler- und Fußgängertunnel in Planung, Sprung in die Modernisierungsoffensive für Bahnhöfe geschafft, der neue Vorplatz zumindest skizziert: Kreisverkehr, Busanbindung, Radstation. „Mobilitätsknoten“, sagt der Kandidat. 

Vor seinem inneren Auge mit Ladestation für Stromer. Die Polizei wird mit neuer Wache im neuen Volksbank-Bau Präsenz zeigen. Die Quartiersentwicklung mit Baugebiet und Kita an der Postwiese ist mit NRW-Förderung auf dem Weg. Hier steckt wirklich Musik drin und Rotering schätzt den Takt, der treibt ihn sichtlich an.

Station 2: Herzstück am Zechenturm

„Hallo Horst“, ruft mein Tourguide dem Mann im Fenster zu, als wir den Zechenturm ansteuern. Hausmeister Klode beäugt, wer sich da am Bauzaun rumtreibt. Begegnungen wie diese werden wir noch mehrere haben unterwegs. Man kennt sich und quatscht vertraut. „Vom Kämmerer zum Kümmerer“, flachst Rotering über seinen Werdegang. „Unser Herzstück neben der Mühle“, erläutert er, warum wir hier stehen. Mit Herzblut erhalten und betrieben von der Stiftung, die gerade 200 000 Euro in den neuen Sanitärbau steckt. Solch Engagement schätzt er – und fördert es, wo es geht. 

Nächster Halt: Zechenturm. „Unser Herzstück neben der Mühle.“ Hier will Rotering zeigen, dass Kulturveranstaltungen coronagerecht funktionieren können. Er veranstaltet privat ein Konzert als geschlossene Veranstaltung: Am 5. September spielt die Cover-Band „fifty“, via Facebook verlost der Kandidat 50 x 2 Tickets

Weil Corona auch diesen Dreh- und Angelpunkt im Gemeindeleben lähmt, will der Wahlkämpfer hier selbst etwas losmachen: Am Samstag, 5. September, soll die Coverband „fifty“ open air spielen vor registriertem Publikum an festen Sitzplätzen. „Ich will ein Signal geben, dass Kultur möglich ist zu Regeln, die auch in der Gastronomie gelten“, sagt der Kandidat. 50 x 2 Tickets gibt’s per Los im Kreise derer, die auf Facebook die Einladung zum Fest geteilt haben. Rotering zahlt die nicht ganz uneigennützige „private Feier“, der Unterstützerkreis bei CDU, BgB, Grünen und FDP stellt die Fußtruppen für Einlasskontrolle und Bewirtung.

Station 3: Sportplatz am Bad

Nur einen Steinwurf entfernt der nächste Stopp: Auf der Wiese gegenüber des Bads soll der neue Sportplatz entstehen, zwei mal Kunstrasen, als zukunftsträchtige Spielstätte für die Spielvereinigung und die IG Bönen. Die gibt dafür den alten Tennenplatz auf, die SpVg den Rasenplatz am Rehbusch. Der soll Baugebiet werden und Geld bringen.

Zur Person

Stephan Rotering ist Jahrgang 1971, in Südlohn zwischen Borken und niederländischer Grenze geboren und Diplom-Verwaltungswirt von Beruf. Mit Ehefrau Dorothee (Hochzeit 2005) zieht er zwei Kinder groß. Bevor der parteilose Bewerber 2015 ins hiesige Bürgermeisteramt gewählt wurde, war er Kämmerer der Gemeinde Welver. Warum er nach fünf Jahren noch nicht in Bönen wohnt, erklärt Rotering an dieser Stelle.

Damit die Rechnung über 3,3 Mio. Euro aufgeht, braucht’s Geld vom Land. Der Planungsausschuss ist am 18. September zum Votum aufgefordert, damit der Antrag vor Fristablauf am Monatsende rausgeht. „Parkplätze schon da, kein Lärmproblem, passt doch ideal“, finder der Verwaltungschef.

Station 4: Treffpunkt der Dörfler

Auch beim nächsten Projekt rollt der Ball schon (nur wir hatten quälenden Stillstand in sengender Sonne: die Schranke am Schwarzen Weg). Station ehemalige Ermelingschule, demnächst Standort des Dorfgemeinschaftshauses für Bramey, Lenningsen und Flierich, zugleich Baustein im Sportstättenentwicklungskonzept, über das wir gerade sprachen. 

Die gut genutzte Turnhalle bleibt erhalten, östlich davon soll der TV Germania Flierich-Lenningsen einen neuen Rasenplatz bekommen, der die nur mit dem allernötigsten ausgestattete Spielstätte im Butterwinkel mit ihrem Stolperrasen ersetzen soll. Die Schultoiletten auf dem Hof sind okay und bieten sich als Umkleiden an, den Schulbau wird in Kürze der Bagger umschieben. Die Gemeinde macht Platz für das DGH in Trägerschaft des Fördervereins. Wieder hebt Rotering hervor, dass hier Engagement der Bürger ein solides Fundament bildet, auf dem Steuergeld für das Haus gut angelegt ist. 

Nächster Halt: Ermelingschule. Dass die verwaiste Grundschule eine Zukunft als Standort für das Dorfgemeinschaftshaus und den neuen Sportplatz hat, weil die Investition mit bürgerschaftlichem Engagement einhergeht, passt zu Roterings Leitlinien.

„Der Zusammenhalt hat sich schon gezeigt, als wir die Anhörungen für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept gemacht haben. Da waren hier gleich 50 oder 60 Leute“, schwärmt der Titelverteidiger im Rathaus geradezu vom Gemeinschaftsgeist der südlichen Ortsteile. „Bei der Gründung des Fördervereins haben sich 108 Mitglieder eingeschrieben. Ist das nicht faszinierend?“ So gab’s von Heimatministerin Ina Scharrenbach 363 000 Euro Zuschuss fürs Projekt um eine halbe Million Euro.

Treffpunkt 5: Kulturanker Alte Mühle

Zuletzt: „Unsere Mühle, das zweite Wahreichen.“ Damit sie es bleibt, die dortige VHS ein zeitgemäßes Domizil erhält, das Archiv einziehen kann und Bürger bei Kulturveranstaltungen ein- und aus-gehen, ist ein Batzen Geld geflossen. 221 000 Euro für die neue Mühlenkuppel, Reparatur der Wasserschäden darunter, neue Büros und mehr. Für den Heimattreff unterm Dach hat Rotering noch etwas zu geben: Die im Rathaus verwahrte Standarte der Altenbögger Schützen soll die Kammer zieren: „Das passt doch prima.“

Letzter Halt: Mühle. Wichtiger Kulturort und VHS-Sitz mit Sanierung gesichert. Das waren bis hierhier 17,55 Kilometer für Bönen.

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