So fährt sich der neue Bönener "Supermäher"

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„Testpilot“ Markus Liesegang durfte im Führerhaus des neuen „Supermähers“ Platz nehmen.

Bönen - Jetzt ist er da: Seit dieser Woche ist der neue „Supermäher“ der Gemeinde im Einsatz. Die Anschaffung des teuren Geräts hatte im Frühjahr für einige Diskussionen gesorgt. Dennoch entschied sich der Gemeinderat für den Kauf. WA-Mitarbeiter Markus Liesegang durfte das Gerät nun Probe fahren.

Mies ist das Wetter an diesem Morgen, erst Schauer, dann Sprühregen. Rasenmähen? Normalerweise eher nicht. Neugierig auf den neuen „Supermäher“ bin ich aber schon. Im Gegensatz zur Bauhof-Mannschaft um Dennis Borkowiak geht es mir ja weniger um das gute Schnittbild als um den Fahreindruck, den der Ransomes MP 655 bei mir hinterlässt. 

Optisch Eins A. Die Spaltmaße stimmen, es klappert nichts. Im Leerlauf ist der 65 PS-Diesel angenehm leise. Grünschnitt an den Spindel-Gehäusen verrät, dass die Maschine schon ausgiebig getestet wurde. Seit Donnerstag besitzt der Bönener Bauhof das 125 000 Euro teure Mähwerk. 

Vorsicht ist geboten

„Die Firma Ermentraut, die den Mäher ausgeliefert hat, hat unsere Fahrer eingewiesen“, erklärt Bauhofleiter Borkowiak, „am Freitag haben wir die Maschine dann ausgiebig getestet.“ Gerhard Becker fährt den MP655 an diesem Morgen am Bönener Gemeindeteich vor. Er ist der zweite Fahrer neben Dirk Middeldorf. 

„Fahren Sie erst einmal ein Stück mit“, erkennt Becker meine Vorsicht, das teure Gerät nicht zu demolieren. Der Profi nimmt im Pilotensessel Platz, ich daneben, angelehnt an die Tür. Die rundherum verglaste Kabine ist geräumig. Becker löst die Feststellbremse, drückt den Schalter für das Mähwerk und senkt die Mähbalken. Los geht’s am Rand des Teichs entlang. 

Im Alltag werden Dennis Burkowiak und Gerhard Becker vom Bauhof mit dem Mäher zu tun haben.

„Hier bei diesem Baum muss ich den Balken einklappen“, erklärt Becker und betätigt entsprechend den rechten Kippschalter. „Wir hatten ja vorher einen ganz ähnlichen Mäher, da betätigte man allerdings noch Metallhebel für die Hydraulik. Dies ist hightech.“ 

Die elektronische Steuerung sei sehr leichtgängig, man müsse sich aber daran gewöhnen. Viel mehr müsse der Fahrer eigentlich nicht wissen, sagt Becker, klappt die vier Mähbalken in die Ruheposition, übergibt mir das Steuer und die Hebel. Das Lenkrad ist zum leichteren Aufsitzen klapp- und stufenlos kippbar. Im Sitz versinkt man gefühlt. Er ist offensichtlich weich gefedert, ich fühle mich übergewichtig.

Auf der Straße bis zu 20 km/h schnell

Also: Gelber Schalter, gleich Spindeln scharf machen, dann absenken und Gas geben. „Gas geben! Ruhig weiter durchdrücken“, fordert Becker. Das Pedal hat einen extrem weiten Weg. Die Geschwindigkeit ist also sehr fein dosierbar. „Sieben bis zehn Kilometer pro Stunde ist die Arbeitsgeschwindigkeit“, erfahre ich. Auf der Straße schafft die Maschine mit ihren hydraulischen Motoren 20 km/h. Ich fahre höchstens vier km/h, arg vorsichtig also. 

Für jemanden, der nur Pkw-Erfahrung hat, ist der Mäher sehr ungewöhnlich. Die Lenkung der kleinen Hinterräder macht die Maschine sehr wendig. Allerdings bedeutet schon der minimale Einschlag der Achsen große Drehwinkel. Bei meinem Schneckentempo ist die Gefahr, Hindernisse zu übersehen, nicht so groß. „Die Balken sind zum Schutz auch federnd gelagert, klappen im Ernstfall weg“, beruhigt der Bauhof-Mitarbeiter. 

Auf bis zu 700 Arbeitsstunden im Jahr soll der Mäher kommen. 

Ich lasse es nicht darauf ankommen. An einer Beule oder einem Lackschaden will ich nicht Schuld sein. Trotzdem: Die Felsbrocken dort sind ein lockendes Testgelände. Die Durchfahrt mit 3,5 Meter Mähbreite funktioniert sicher nicht, also klappe ich beide Außenspindeln an. Der Profi würde die Balken nach Passieren sofort wieder senken, ich suche den Ausgang aus dem Felsenkreis.

Gemäht wird sogar rückwärts

 „Hat der Mäher einen Rückwärtsgang“, frage ich. „Hat er, aber fahren Sie lieber vorwärts daraus“, deutet Becker auf die passende Lücke. „Eigentlich kann er auch rückwärts mähen, die Drehrichtung der Spindel lässt sich zudem umkehren, wenn man irgendetwas ausspucken muss.“ 

Die Hindernisse liegen hinter uns, ich traue mich, einmal richtig Gas zu geben. Das ist ein Gefühl wie im startenden Flugzeug, nicht von der Geschwindigkeit her, aber bezüglich des Ruckelns und des Geräuschs. „Vorsicht! Das ist ein Blühstreifen, der soll stehen bleiben“, mahnt Becker. Upps, die Blüte überlebt knapp. Vom Rasenmähen merke ich übrigens nicht viel. Der ist am Teich sowieso kurz. „Da sieht man den Schnitt fliegen“, berichtigt mich Becker. Die Parkposition ist erreicht. Balken eingeklappt, für die Anfahrt bis zum nächsten Einsatzort gesichert. 

Das Mähwerk des Fahrzeugs ist ausklappbar.

Naja. Mit meinem Arbeitstempo hätte ich die zwei Fußballplätze in einer Stunde nie geschafft. „Es kommt immer auf die Fläche an“, erklärt Becker zur theoretischen Stundenleistung von 10 000 Quadratmetern. „Sportplätze sind am leichtesten, Kinderspielplätze mit ihren Rutschen und Klettergerüsten anspruchsvoller zu fahren.“ Auf den Fußballplätzen ist ein regelmäßiges Schnittbild zwingend, begründet Borkowiak die Wahl des teuren Mähers. 

Bis zu 700 Arbeitsstunden im Jahr

Schnittleistung und Vielseitigkeit seien weitere Kriterien bei der Auswahl gewesen. Die Spindeln können einzeln angesteuert werden, der Mäher ist selbstredend voll geländegängig. Außerdem hat der Neue 15 PS mehr unter der Haube. Der Alte sei schon öfter an die Grenzen gekommen. Immerhin muss der Diesel, mit Euro 6 vermutlich der sauberste in der ganzen Gemeinde, insgesamt neun Hydraulikmotoren mit Öldruck versorgen.

„Die Einsatzstunden hingen vom Klima ab. „Ich denke, dass 550 bis 650 Stunden pro Jahr normal sein werden, es sei denn der Sommer ist so trocken wie letztes Jahr, dann sind es weniger. Wenn es feucht ist, können es aber auch 700 werden.“ Borkowiak schätzt, dass der Ransomes selten länger still stehen wird. 

„Wir gehen ja inzwischen auch im Dezember noch auf die Sportplätze, weil es so warm ist.“ Zuverlässiges Arbeitsgerät sei also gefragt. Solches wie der alte Mäher, der jetzt nach über zehn Jahren Betriebszeit verkauft werden soll. „Es ist viel Geld, keine Frage. Aber es ist ja auch kein Mäher aus dem Baumarkt.“

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