125 Jahre Volksbank in Bönen

Ein Verein, der den Sparsinn fördert und Darlehen vergibt

Jürgen Müller und Oliver Drave vor dem Gebäude Volksbank Bönen mit Gründungsurkunde
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Bankvorstand Jürgen Müller teilt bereits 29 der 125 Jahre Volksbank in Bönen. Sein Kollege Oliver Drave startete 1995 seine Ausbildung bei dem Kreditinstitut und ist dem Unternehmen treu geblieben. Aus dem Archiv des Hauses haben sie zur Feier des Tages die Gründungsurkunde geholt.

Bönen – Schon einige Krisen hat die Volksbank Bönen gemeistert, zwei Weltkriege, die große Inflation und zwei Wirtschaftskrisen überstanden. 125 Jahre nach ihrer Gründung steht sie nach wie vor eigenständig und verlässlich ihren Kunden als Partner in Finanzangelegenheiten zur Verfügung.

Den Blick hat sie laut Vorstand in die Zukunft gerichtet, wie das aktuelle Neubauprojekt, das Forum am Gleis, zeigt. So könnten also am Gründungstag des Unternehmens, am 1. März, die Sektkorken knallen – eigentlich. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die rund 50 Mitarbeiter jedoch alle Pläne für den Festtag über den Haufen werfen. Es bleibt der Blick zurück in die Geschichte.

Dass es nur bedingt sinnvoll ist, Geld in den Sparstrumpf zu stopfen und reiche Nachbarn um Kredit anzupumpen, stellten die Menschen bereits vor rund 500 Jahren fest. Damals entstanden die ersten Banken, zunächst in Italien, später auch in Deutschland. Nach einer Missernte im Jahr 1842 wurden dann in den ländlichen Gebieten erste Kreditgenossenschaften gegründet, nach der Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen „Einer für alle, alle für einen.“

In Bönen taten sich 15 Landwirte, 13 Handwerker, drei Kaufleute und fünf Gastwirte zusammen. Sie hoben am 1. März 1886 den „Spar- und Darlehnskassenverein eGmuH (Spadaka) aus der Taufe. Ihre Ziele fassten sie im Gründungsprotokoll zusammen. Danach sollte der Verein Geldanlagen erleichtern, den Sparsinn fördern und den Genossen Darlehen für ihren Wirtschaftsbetrieb gewähren. Das Startkapital der späteren Volksbank betrug 25 000 Mark.

Krieg und Krise belasten den Verein

Als Kassenraum diente zunächst ein Zimmer in der Wohnung von Heinrich Lohmann am Kirchplatz. Das war recht praktisch: Besetzte er doch gleich nebenamtlich die Kassenstelle.

Als erster Rechnungsführer führte Heinrich Lohmann die Geschäfte noch in seiner Wohnung (hier mit seiner Familie) am Kirchplatz.

In den kommenden Jahrzehnten entwickelte sich der Spadaka stetig weiter. Der Erste Weltkrieg bremste jedoch die positive Entwicklung jäh aus. Erst nachdem 1919 der Scheck- und Überweisungsverkehr in Deutschland eingeführt und die Gemeinde durch den Bergbau zunehmend vermögender wurde, profitierte der Spar- und Darlehensverein wieder von der Entwicklung. Kurzfristig, denn durch die große Inflation Anfang der 1920er Jahre geriet er in eine bedrohliche Notlage. Das Geschäft stand kurz vor dem Aus. Dennoch gelang es der Genossenschaft, sich wieder auf sicheren Grund zu stellen. 1927 konnten die Mitglieder so das erste Geschäftslokal eröffnen, zwei Angestellte und ein Lehrling führten dort den Betrieb.

Und wieder musste sich der Spadaka einer Herausforderung stellen: In den 1930er Jahren stieg die Arbeitslosigkeit im Land immens an, die Wirtschaftslage war extrem angespannt. Doch die 189 Mitglieder brachten den Verein erneut durch die schwere Zeit. Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges ging sogar ein großer Wunsch in Erfüllung: Ein Mitglied der Verwaltung finanzierte den Umbau eines Gebäudes in zentraler Lage am Bahnhof inmitten der Gemeinde. Dort konnte die Bank endlich in ein eigenes Gebäude ziehen. Heute ist an dieser Adresse eine Anwaltskanzlei zu finden.

Die Zweigstelle am Marktplatz in Altenbögge ist vergangenes Jahr auf die gegenüberliegende Seite umgezogen.

Der Zweite Weltkrieg brachte kurz darauf viel Leid über die Menschen. Der Geschäftsablauf des Spadaka war stark davon beeinträchtigt und kämpfte mit vielen Widrigkeiten. Mit der Währungsreform nach Kriegsende begann allerdings bald der Aufschwung, und immer mehr Bönener schlossen sich der Genossenschaft an. Das machte es 1965 erforderlich, eine Zweigstelle einzurichten. Sie wurde an der Bahnhofstraße 208, gegenüber der Alten Mühle, eröffnet.

Noch heute ist dort eine SB-Filiale beheimatet. Nur drei Jahre später folgten Zweigstellen in Lenningsen, Nordbögge und Altenbögge. Während die ersten beiden mittlerweile wieder aus den Ortsteilen verschwunden sind, ist die Filiale in Altenbögge im vergangenen Jahr quer über den Marktplatz in die ehemalige Sparkassen-Geschäftsstelle gezogen.

Spadaka wird 1980 zur Volksbank

Nach und nach hielt mehr Technik Einzug in das Bankgeschäft. 1963 wurde die Buchhaltung auf das Lochkartenverfahren umgestellt, 1971 der Mikrofilm eingeführt. Die Mitgliederzahl war zwischenzeitlich auf 1781 angewachsen, sodass seit 1974 eine Vertreter- statt einer Generalversammlung einberufen werden musste. Es konnten längst nicht mehr alle Mitglieder daran teilnehmen.

1975 drehten die Mitarbeiter erstmals den Schlüssel zur Eingangstür des neuen Bankgebäudes am jetzigen Standort an der Bahnhofstraße gegenüber des Bahnhofes um. Für seinerzeit etwa 1,5 Millionen D-Mark wurde das moderne Flachdachgebäude errichtet, 21 Jahre später noch einmal aufgestockt.

1975 zog die Volksbank an ihren heutigen Standort an der Bahnhofstraße 125.

Mitte der 1970er Jahre wies die Bank eine stattliche Bilanzsumme von 32 Millionen D-Mark aus, rund 3500 Mitglieder gehörten der Genossenschaft an. Die hieß ab 1980 übrigens nicht mehr Spar- und Darlehnsverein sondern nunmehr Volksbank Bönen eG.

In den Folgejahren passte sich das Geldinstitut immer wieder dem technischen Fortschritt an. Die EDV hielt Einzug, Geldautomaten wurden installiert. Die Kunden konnten nun selbstständig Geld abheben oder einzahlen – auch außerhalb der Öffnungszeiten. Das erforderte den Ausbau des SB-Bereiches, führte aber ab 2001 zusammen mit dem populärer werdenden Online-Banking dazu, dass sich die kleinen Niederlassungen in den Dörfern nicht mehr rentierten.

Die Euro-Einführung 2002 stellte die Volksbank abermals vor eine Herausforderung, die mit viel Arbeit verbunden war.

In den vielen Jahren seit der Gründung hat sich die Volksbank als solide und verlässlich bewiesen. Mit dem Vertrauen der Mitglieder im Hintergrund konnte sie 2008 die weltweite Finanzkrise gut überstehen. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, hat das Unternehmen seinen Immobilienbereich weiter ausgebaut und eigene Projekte angestoßen. So wurde 2019 das Raiffeisen-Karree hinter dem Vitalishof von 18 Mietparteien bezogen.

Jetzt ist es das Forum am Gleis, das zu Beginn des kommenden Quartals fertiggestellt werden soll. Der Neubau schließt direkt an das vorhandene Bankgebäude an und soll eine Intensivpflegeeinrichtung, eine Polizeidienststelle, Artzpraxen und einige Wohnungsmieter beherbergen. „Das Projekt ist nicht nur für uns wichtig“, betont Vorstandsmitglied Oliver Drave. „Es tut Bönen gut, und wir freuen uns, dass wir uns aktiv an der Gestaltung des Bahnhofsumfeldes beteiligen könne.“

Ein Ansprechpartner vor Ort

Während in der Vergangenheit zunehmend mehr Banken zu großen Unternehmen fusionierten, wollen die Verantwortlichen bei der Bönener Volksbank das Motto „Aus der Region – für die Region“ in die Zukunft tragen. „Wir haben bewusst unsere Eigenständigkeit bewahrt, und das ist auch unser Ziel für die kommenden Jahre“, sagt Oliver Drave. „Vielen Menschen ist es wichtig, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben.“

Die Volksbank sieht sich aber nicht nur als Geschäftspartner für die Bönener, sondern ebenso als Mitglied der Gemeinde. Das unterstreicht sie mit ihrem Engagement vor Ort. „Jedes Jahr spenden wir 40 000 Euro an hiesige Vereine und Organisationen“, berichtet Vorstandschef Jürgen Müller. Ohne die regelmäßige finanzielle Unterstützung der Bank wäre etwa die Teilnahme der Gemeindebücherei an der Onleihe 24 nicht möglich.

Beteiligt an der Volksbank Bönen sind aktuell 6682 Mitglieder. Die Bilanzsumme erreichte im vergangenen Jahr einen neuen Höchstwert von 218,2 Millionen Euro und der Jahresüberschuss nach Steuer betrug 365 175,36 Euro.

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