Vier Ausreiseversuche gescheitert: Bönener auf den Philippinen gestrandet

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Der Bönener Thomas Hahn (rechts) hofft, die Insel ebenfalls bald in Richtung Heimat verlassen zu können.

Bönen – Sechs Wochen Fernost: Diesen Traum hat sich Thomas Hahn im Frühjahr erfüllt. Mitte Februar machte er sich auf den Weg. Zurückkommen wollte der Bönener am Sonntag. Doch jetzt sitzt der 49-Jährige gemeinsam mit einem Freund auf der philippinischen Insel Negros fest. Vier Versuche, zurück nach Deutschland zu kommen, sind bisher gescheitert.

Als Thomas Hahn am 12. Februar ins Flugzeug stieg, war die Welt noch in Ordnung – fast jedenfalls. Zwar tobte in China bereits der Coronavirus, doch war Sri Lanka, sein erstes Urlaubsziel, davon noch verschont. Die geplante Rundreise konnte er also zunächst ungestört genießen. 

Wie geplant stieß am 4. März in Singapur ein Freund aus Duisburg zu ihm. Nach und nach sickerten jedoch Nachrichten von der sich ausbreitenden Pandemie zu den beiden durch. Inzwischen auf den Philippinen angekommen, hörten der 49-Jährige und sein Begleiter am 13. März schließlich, dass in Manila eine Ausgangssperre verhängt werden soll. Zwei Tage später, also am 15. März, sollten zudem alle Fährverbindungen und Flüge von der Insel Negros eingestellt werden. Und genau auf dieser Insel hatten sich die Beiden einquartiert. Ursprünglich wollten sie von dort aus am 18. März aufbrechen, um über Manila, Singapur, Colombo und Dubai nach Hause zu gelangen. Thomas Hahn und sein Freund versuchten vergeblich, die Flüge umzubuchen und früher zu starten. 

Alleine im Hotel

Von der Fluggesellschaften bekamen sie stattdessen die Nachricht, dass auch die ursprünglich geplanten Verbindungen mittlerweile storniert worden waren. Auf Anraten der deutschen Botschaft in Manila kauften sie auf eigene Kosten weitere Flugtickets zu deutlich überhöhten Preisen. Die sind aber verfallen, weil sie die Insel nicht verlassen konnten. Freunde und Angehörige aus Deutschland halten die Beiden seitdem auf dem Laufenden, bei welchen Stellen sie sich melden und in welche Listen sie sich eintragen müssen. Ansonsten bekommen die Deutschen nur spärlich offizielle Informationen. Was ihnen die Situation besonders schwer macht, sind dagegen die vielen verwirrenden und zum Teil falschen Nachrichten. So hörten Hahn und sein Freund etwa, dass am 13. März doch ein Schiff von Negros zur Nachbarinsel Cebu ablegen sollte. 

Dort befindet sich ein internationaler Flughafen. In aller Eile packten sie ihre Sachen und eilten zum Hafen. Als die Zwei dort ankamen, war die Fähre bereits abgefahren. Fünf Tage später brachen dann einige Franzosen auf, die noch mit ihnen im Hotel verblieben waren. Sie sollten per Schiff abgeholt werden. Für den Bönener und den Duisburger gab es hingegen keine Passage. Sie sind jetzt die einzigen Gäste im Ressort. „Das ist schon sehr unheimlich. Selbst die Inhaber verlassen es abends, sodass keine Menschenseele mehr hier ist“, schildert Hahn. Zunächst dürfen die Beiden dort bleiben. „Sie haben versprochen, uns nicht auf die Straße zu setzen, wie es manchen anderen geht“, ist der 49-Jährige dankbar für das Verständnis der Gastgeber. 

Gecko klaut Hörgerät

Dennoch möchte er natürlich so schnell wie möglich heim. Am Freitag sind er und sein Begleiter in die nächstgelegene Stadt gefahren, um sich dort ärztlich untersuchen zu lassen. Dass sie gesund sind, war nämlich die Voraussetzung dafür, dass sie am Samstag ein Schiff nach Cebu hätten besteigen können. Doch der für den 21. März geplante Flug von der Nachbarinsel hat keine Überfluggenehmigung bekommen, und so blieben die beiden Deutschen lieber vor Ort im relativ sicheren Hotel. Am Flughafen in Cebu sollen etliche Reisende seit Tagen kampieren, die auf einen Heimflug warten. Die nächste Chance für die beiden Männer aus NRW sollte sich am Dienstag bieten: ein Flug nach Frankfurt. Dieser wurde ebenfalls abgesagt. Die deutsche Botschafterin in Manila schickte ihnen eine E-Mail. 

„Die Bundesrepublik und die Botschaft arbeiten mit Hochdruck daran, im Urlaub gestrandete Deutsche nach Deutschland zu holen“, heißt es darin. Die Reisenden sollen die Internetseite der Botschaft und die sozialen Medien im Auge behalten. Am Mittwoch bekamen die Zwei die nächste Nachricht über eine mögliche Heimreise. Demnach sollen alle Familien mit Kindern unter zwölf Jahren, Menschen über 60 Jahren und mit Erkrankungen bevorzugt ausgeflogen werden sollen. Thomas Hahn hofft, dass sie am Freitag dabei sind. „Stefan ist 60 Jahre alt und ich bin schwerbehindert“, so der Bönener. 

Medikamente gehen zur Neige

Er ist auf Medikamente angewiesen, die langsam zur Neige gehen. Sein Freund ist Arzt und wird dringend in seiner Klinik erwartet. Trotz allem ist der Bönener optimistisch: „Abgesehen von gewissen Stresssituationen meistern wir die Situation noch ganz gut. Wir stehen früh auf, haben uns ein Programm auferlegt, damit wir eine gewisse Tagesstruktur haben. Das ist ganz wichtig, um die negativen Gedanken auch mal aus dem Kopf zu bekommen. 

Ach ja: Mein Telefon ist kaputt und ein Hörgerät ist von einem Gecko geklaut worden.“ Laut Hahns Lebenspartner Michael Rosenkranz räumen die Beiden jetzt das Riff vor Ort auf, um etwas Sinnvolles zu tun. Er selbst hütet in der Zeit das Haus in Bönen, arbeitet im Homeoffice und kümmert sich um Dackel Nero. Die beiden hoffen, dass der 49-Jährige ihnen schnellstmöglich und vor allem gesund wieder Gesellschaft leistet.

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