Viel Heu, kleines Korn

Die Wetterkapriolen wirken sich auch auf die Ernte in Bönen aus

Biobauer Friedrich Stemper vor Feld
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Biobauer Friedrich Stemper hat mit Kartoffelfäule und Schädlingen zu kämpfen.

Egal ob Bramey oder Nordbögge: Die Felder geben aktuell ein seltsames Bild ab. Ein Teil der Gerste ist geschnitten, der andere nicht. Stroh liegt liegt in Ballen oder Rollen daneben. Der Grund: Es steht Wasser auf den Feldern. Das Getreide ist feucht, kann nicht geschnitten und nicht eingefahren werden. Ist es angesichts des ständigen Wetterwechsels also ein schlechtes Jahr für die Bauern?

Bönen – Halb so schlimm, meint Christian Möllmann, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins Bönen. „Wir kamen ja aus der Erfahrung von einigen trockenen Jahren“, sagt er. Das sei für die Äcker in der Region besser. Kalter Winter, feuchtes Frühjahr und dann trockene Perioden hätten Erwartungen geschürt, die jetzt nicht ganz erfüllt würden.

„Es gab in den entscheidenden Phasen zu wenig Sonne“, blickt Möllmann auf das Wachstum zurück. „Ich muss aber sagen, dass die Gerstenernte keine schlechte war, leicht unterduchschnittlich vielleicht“, erläutert er. Einerseits gebe es genug Körner, das Gewicht dieser, das Hektolitergewicht, sei aber geringer. Beim Weizen, der noch zur Ernte ansteht, rechnet er mit Qualitätseinbußen beim Brotgetreide aufgrund der anhaltenden Feuchtigkeit im Juni, Juli.

Auf den Feldern steht derzeit das Wasser. Das hat Einfluss auf die Ernte.

Ein großes Problem seien die Erntebedingungen. „Wir leben im Bergsenkungsgebiet. Da entstehen Sumpflöcher. Gelegte Halme zum einen, schlechte Befahrbarkeit auf der anderen Seite. Wir können zum Beispiel den Anhänger für Korn nicht neben dem Mähdrescher fahren lassen, dann leidet der Boden.“ Wenn immer am Feldrand „abgetankt“ werden müsse, dauere die Ernte eben länger. „Wenn es eine Woche trocken bleibt, ist die Schose aber gegessen“, glaubt Möllmann.

Allerdings sei der Spannungsbogen seiner nervlichen Anspannung momentan bei siebeneinhalb Punkten von zehn. Um das liegengebliebene Stroh macht er sich keinen Kopf. „Das trocknet durch Wind und Sonne schon noch.“

Das Problem, die Ernte bei weichem Boden zeitig einzufahren, sieht auch Lohnunternehmer und Landwirt Stefan Eickelberg. Ansonsten spricht der Fliericher von einem „eher normalen Jahr.“

„Alles gut mit den Kartoffeln, die Zuckerrüben wachsen, beim Getreide gibt es eine Verzögerung. Das ist 14 Tage zurück“, sagt er. Wechselwetter gehöre zum Leben. „Ich erinnere mich noch an den 4. Februar. Da wurde Katastrophenalarm ausgerufen wegen des Schnees. In meiner Kindheit war das normal.“

Das Stroh muss erst trocknen, bevor es abgefahren werden kann.

Probleme hatten seine Kollegen aus dem Süden. Erdbeerbauer Rudi Louven beklagt Einbußen von 50 Prozent. „Nach überreif kommt faul“, sagt er. Durch die Hitze wären all seine Früchte auf einmal reif gewesen. Bei den Blaubeeren plagt ihn jetzt ein anderes Problem: „Engerlinge haben die Wurzeln weggefressen. Aber ein Kollege aus dem Rheinland hilft mir aus.“ Blaubeeren wird es im Hofladen Louvens also geben.

Bei Friedrich Stemper litten hingegen die Kartoffeln. „Das schwül-warme Wetter fördert natürlich Pilzkrankheiten. Bei meinen Kartoffeln ist Krautfäule aufgetreten. Und der Kartoffelkäfer liebt dieses Wetter. Kupferhaltige Fungizide setzt der Biobauer dagegen selbstredend nicht ein. Beim Roggen gebe es viel Stroh, aber kleines Korn. „Da muss wohl bei der Korneinlagerung etwas schief gegangen sein.“ Das Wintergetreide sei noch gut gewesen. Der Regen und die Wärme hätten auch etwas Gutes: Heu gebe es en masse.

Sei das noch Wetter oder schon Klima, fragt Stemper. Einen Schlechtwettersommer hätte es schon 1987 gegeben, erinnert er sich. Besser sei in jedem Fall die Trockenheit: „Wie sagt man: Die Sonne hat noch keinen Bauern vom Hof getrieben.“

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