Das Bienenjahr

Viel Arbeit für das süße Gold: Unterwegs mit einem Imker bei der Honigernte

Honig Schleudermaschine
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Bevor der Honig aus der Maschine fließt, hat der Imker viel Arbeit.

Wie überstehen Bienen eigentlich den Winter? Wie vermehren sich die Bienenvölker? Was machen die Tiere an heißen Sommertagen? Antworten auf Fragen wie diese gibt unsere Serie „Das Bienenjahr“. Die Artikel geben Einblick in die Arbeit der Imker und das Leben der Bienen. In der aktuellen Folge geht es um das, was viele wahrscheinlich am stärksten mit dem Thema Bienen verbinden: um Honig.

Bönen - Für einen Imker ist die Honigernte eine anstrengende und zeitaufwendige Arbeit, sagt Martin Greitzke und fordert mich zum Selbstversuch auf. Mit dem Bönener Hobbyimker fahre ich an diesem Morgen zunächst Richtung Kamen. In einem Privatgarten stehen dort vier Beuten. Greitzke hat unter der Woche schon Bienenfluchten – eine Art Schleuse für die Tiere – unter den Honigraum gesetzt, damit sich dort weniger Tiere aufhalten, die etwas dagegen haben könnten, dass ihnen jemand den Honig klaut. Wir sind allerdings nicht die Einzigen, die es auf das flüssige Gold abgesehen haben. Eine Ameisenstraße führt ebenfalls in die Zarge.

Der Bönener Imker hebelt nach und nach die Wabenrahmen heraus, fegt die verbliebenen Bienen runter und schaut, ob die Honigmenge das abschließende Schleudern lohnt. Mal mehr, mal weniger Waben sind verdeckelt. „Hier kandiert der Honig schon“, deutet Greitzke auf den mattweißen Inhalt im Sechseck. „Das heißt, in dem Honig ist ein hoher Rapsanteil.“ Ich bekomme eine Probe. „Wenig Süße, wenig Aroma“, urteile ich. Ein paar Rahmen weiter ein anderer Eindruck. Diese Probe ist deutlich süßer, schmeckt nach Honig. Das hänge vom Reifegrad ab, erfahre ich und bekomme den Auftrag, die erste Kiste mit acht Rahmen in den Kofferraum zu tragen. Ganz schön schwer. Wir füllen an diesem Standort drei weitere Kisten. Dann geht es zum Hof Menken ins Bönener Bauerndorf.

Die Arbeit kann schmerzhaft enden

Greitzke kann seinen Honig immer dem Standort der Beuten zuordnen. „Ich behalte von jeder Charge eine Probe zurück, dokumentiere auch“, sagt er. Wenn irgendwas mit dem Honig ist, eine Analyse Schadstoffe ergibt, kann er dem auf den Grund gehen.

WA-Reporter Markus Liesegang hilft mit bei der Honigernte.

An dem Bienenstock in Bönen wird meine Helferstelle erweitert. Ich darf auch Rahmen entnehmen. „Am besten fängst Du in der Mitte an. Und nicht so zaghaft“, empfiehlt Greitzke. Die Rahmen kleben aneinander. Es ist offensichtlich ein Rahmen für Anfänger: Keine einzige Biene macht den Beseneinsatz nötig. Der Charakter des Volkes im nächsten Stock ist dann ein aggressiverer. Greitzke bekommt einen Stich in den Finger und flucht, zieht trotz der Hitze seinen Schutz an. Ich halte mich abseits, werde dennoch angegriffen. Eine Biene verfängt sich im Resthaar, der Versuch, sie loszuwerden, endet mit einem Stich. Ein heftiger Schmerz, der aber schnell nachlässt. Der Imker entfernt den Stachel. Alles ist gut. Die Arbeit geht weiter.

„Mein Honigkeller ist fertig. Den habe ich unter der Woche geputzt“, erklärt Greitzke zum blitzblanken Raum. Honig ist ein Lebensmittel, Sauberkeit oberstes Gebot. Betreten wird der Raum dann mit Überziehern und Haarnetz. „Das ist tatsächlich neu“, bemerkt der Imker zu meinem Staunen über blitzenden Edelstahl des Entdeckelungsgeschirrs.

Nach der Entfernung der Rahmen aus den Bienenstöcken geht es in den Honigkeller, wo Imker Martin Greitzke seine Schleudermaschine präsentiert.

Greitzke hat bis zur letzten Saison mit dem Equipment eines Kollegen gearbeitet, der jetzt verzogen ist. Der erste Rahmen steht im Ständer, routiniert entfernt der Imker die Wachsdeckel, 30 Sekunden die eine, genauso lange braucht er für die andere. Drei Minuten benötige ich anschließend für eine Seite. „Du stichst auch zu tief, nimmst zu viel Honig mit raus“, bekomme ich zu hören. Der fließt zwar aus dem abgestriffenen Wachs noch in den Auffang, sollte aber eigentlich in den Tank der Schleuder. Vier Rahmen kommen schließlich in die Maschine. Die Schleuderzeit ist überraschend kurz. Dann müssen sie aber noch gewendet werden. „Es gibt auch Automaten, die die Rahmen selbstständig drehen“, sagt der Bönener. Das sei eine Sache des Preises. „Der Kunde sieht meist nur die Bienen, nicht das Drumherum.“

Der Kunde sieht meist nur die Bienen, nicht das Drumherum.

Imker Martin Greitzke

Letzter Arbeitsschritt für mich: die Kontrolle des Wassergehalts. Greitzke bestreicht das Sichtfenster eines Refraktometers mit Honig. „Genau auf Kante“, urteilt er nach dem Blick durchs Okular, 18 Prozent. Ich gucke ebenfalls. Eine Linie zwischen hell und dunkel bestätigt die Aussage des Imkers. Wenn der Wassergehalt höher wäre, dürfte er den Honig nicht in ein Glas des Deutschen Imkerbundes abfüllen – quasi eine Qualitätsgarantie. Ist mehr als 20 Prozent Wasser im Naturprodukt, könnte der Honig gären.

Mit dem Refraktometer wird der Wassergehalt des Honigs überprüft.

Über eine Stunde dauert das Sammeln der Rahmen, eine gute Stunde das Schleudern der Hälfte der Beute aus Kamen und vom Telgenbusch. Greitzke will noch andere Standorte besuchen. Und dann ist auch für ihn der anstrengende Tag vorbei. Die Couch ruft. Ich gönne es ihm.

Die Arbeit mit den Bienen beschert den Imkern fast das ganze Jahr über viel Arbeit, etwa mit der Kontrolle der Bienenstöcke nach dem Winter oder der Überwachung der Königin.

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