Vertrag verletzt: Bönener Imker soll Bienenhaus abbauen

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Beim Bau des Bienenhauses hielt sich Adolf Siegfried an die Maßvorgaben der Gemeinde. Bei der Nutzung hat die Verwaltung hingegen Zweifel.

Bönen – Ohne Bienen sind wir Menschen verloren. Die  Insekten bestäuben nämlich fast 80 Prozent aller Kultur- und Wildpflanzen und sorgen so dafür, dass wir und unsere Nutztiere ausreichend Nahrung haben. Deshalb unterstützt die Gemeinde vieles, was Bönen bienenfreundlicher macht. Adolf Siegfried hat allerdings aus seiner Sicht eine andere Erfahrungen gemacht. Der Imker soll sein Bienenhaus und 20 Völker, die auf einem gemeindeeigenen Grundstück in Flierich stehen, bis zum Herbst beseitigen. Die Verwaltung hat ihm das Nutzungsrecht für die Fläche gekündigt.

Vor zwei Jahren ist der ehemalige Steinfurter nach Bönen gezogen. Als passionierter Imker wollte er natürlich seine Bienen mit in die neue Heimat nehmen. Sein Problem war jedoch, dass er in ein Vier-Familien-Wohnhaus in der Ortsmitte gezogen ist und keine Möglichkeit hatte, seine Bienenstöcke unterzubringen. Also fragte er im Rathaus nach. 

Drei Monate lang wurde er nach eigenen Angaben von den Sachbearbeitern vertröstet. In seiner Not wandte Siegfried sich schließlich an den Bürgermeister. Stephan Rotering sagte ihm sofort Unterstützung zu und forderte einen Mitarbeiter auf, ihm zehn geeignete Stellen innerhalb der Gemeinde zu zeigen, von denen er sich zwei Standorte aussuchen sollte. „So viele hat er mir zwar nicht gezeigt, aber ich habe einen Platz bekommen“, erzählt der Neu-Bönener. 

Dieser Ort ist ein Grundstück in einem Landschaftsschutzgebiet am Butterwinkel in Flierich – ideal gelegen für die fliegenden Bestäuber. Nutzen durfte Siegfried es kostenlos. 

Bienenhaus dient als Werkstatt und Lager

Er stellte seine Magazinbeuten, die Heimstätten der Insekten, dort auf und baute sich ein Bienenhaus in den, von der Gemeinde vorgegebenen Abmessungen von drei mal fünf Metern. Darin platzierte er nicht nur einige Stöcke mit Ausflugöffnung, sondern lagert zudem notwendige Materialien für die Bienenzucht und die Honigverarbeitung. Auch eine kleine Werkstatt hat sich in dem selbstgezimmerten Haus aus OSB-Platten eingerichtet. „Wenn ich mit Bienen arbeite, brauche ich das alles“, macht der Bönener deutlich. 

Schließlich gebe es an den Stöcken immer etwas zu reparieren und zu erneuern. Ein Jahr lang arbeitete der Imker ungestört in Flierich, bis er von der Verwaltung ins Rathaus bestellt wurde. Die zuständige Sachbearbeiterin erklärte ihm, dass sich Nachbarn über ihn beschwert hätten. Er sei zu laut gewesen. „Ja, ich hatte einen Rasenmäher, aber gemäht habe ich nur tagsüber“, sagt Adolf Siegfried. Er sprach die drei Grundstücksnachbarn direkt auf den Vorwurf an, doch die wussten gar nichts von einer Beschwerde. Den Rasenmäher entsorgte der Bönener. 

Neben den Beutemagazinen richtete sich der Imker eine Werkstatt und ein Lager ein.

Im Januar 2018 bekam er Post von der Verwaltung. Diesmal wurde ihm vorgeworfen, dass er auf dem Grundstück einen Grill benutzt und einen Kaninchenstall aufgestellt hat. Den Grill hatte sich Siegfried angeschafft, um ausgediente Wabenrähmchen zu verbrennen, wie er sagt. „Natürlich kann man sie  zum Wertstoffhof bringen, aber ich habe sie lieber verbrannt, falls sie irgendwelche Krankheitserreger an sich haben“, berichtet er. 

Trotzdem hielt Siegfried sich an die Vorgabe und entsorgte das Gerät, und die drei Kaninchen nebst Stall gab er ebenfalls auf. Dann störten die Gemeinde noch die Blumenkästen, die er vor das Haus gestellt hatte sowie die fünf Terrassenbretter vor dem Eingang. Und Adolf Siegfried weiß, dass er der Verwaltung noch einen anderen Grund gegeben hat, ihm zu kündigen: „Im Winter kam ich schlecht vom Grundstück weg, da dort alles total schlammig war. Also habe ich auf eine Fläche von etwa fünf Metern am Weg Schotter gekippt“, räumt er ein. 

Prozess gegen die Gemeinde verloren

Auch den beseitigte der Bönener im Oktober, als die Verwaltung dies anmahnte. „Ich habe die Mitarbeiterin gefragt, wie ich die Fläche wiederherstellen soll, ob mit Erde, Sand oder Anderem. Sie wollte mir Bescheid geben, doch bis heute habe ich keine Antwort bekommen.“ 

Seiner Ansicht nach hat er immer alles getan, was die Gemeinde von ihm verlangt hat. Doch die kündigte Siegfried das Nutzungsrecht dennoch, mit der Begründung, dass er die Fläche nicht ausschließlich zur Imkerei, sondern als Kleingartenanlage nutzten würde. Adolf Siegfried nahm sich einen Anwalt und klagte gegen die Kündigung. Den Prozess hat er verloren. 

„Die Gemeinde hat kein Herz für Bienen“, sagt Adolf Siegfried nun. Das sieht Fachbereichsleiter Robert Eisler jedoch anders. „Es wurde gerichtlich festgestellt, dass Herr Siegfried die ihm zur Nutzung überlassene Fläche entgegen der vertraglichen Regelungen gestaltet und genutzt hat und somit die Fläche wieder zu räumen hat“, berichtet Eisler. Es gehe dabei nicht um Bienenschutz, sondern um eine zivilrechtliche Auseinandersetzung zwischen Pächter und Verpächter. Obwohl die Verwaltung den Imker mehrfach darauf angesprochen hat, habe er nicht nur gegen vertragliche Regelungen, sondern außerdem gegen das Naturschutzgesetzes verstoßen. „Deshalb blieb der Gemeinde keine andere Möglichkeit“, erläutert Eisler. Das hätte auch Siegfrieds Anwalt akzeptiert und das Amtsgericht bestätigt. „Insofern hat er die Fläche bis zum 31. Oktober zu räumen und im ursprünglichen Zustand an die Gemeinde zurückzugeben.“ 

Die Verwaltung hat diese Entscheidung bereits vor einem Jahr getroffen und mit der zuständigen Naturschutzbehörde abgestimmt. Somit habe der Imker genügend Zeit zum Rückbau seiner Anlage, stellt der Fachbereichsleiter fest. 

Adolf Siegfried ist verzweifelt. „Natürlich kann ich das Haus abbauen, aber wohin soll ich mit meinen Bienen?“, fragt er. Zurzeit hat er sie in den Osten Deutschlands gebracht, damit sie in der Futterpause zwischen Raps- und Lindenblüte genügend Nahrung finden. „Doch in zwei Wochen kommen sie wieder, und dann weiß ich nicht, wo ich sie hinbringen soll.“ Sollte er keine neue Heimat für die Insekten finden, müsste er sie vernichten.

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