Versprechen nicht eingelöst: Warum Bürgermeister Stephan Rotering immer noch nicht in Bönen wohnt

Bürgermeister Stephan Rotering
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Stephan Rotering in seinem Büro im Bönener Rathaus

Bönen - Vor der Bürgermeisterwahl 2015 hatte Stephan Rotering versprochen, mit seiner Familie nach Bönen zu ziehen. Fünf Jahre später wohnt Rotering aber immer noch in Welver. Dafür hat er auch gute Gründe.

Bönen - „Stephan Rotering hält Wort.“ Mit diesem Versprechen hat der parteilose Bürgermeister bei der Wahl 2015 das „rote Rathaus von Bönen“ erobert. Und so prangt es dieser Tage auf den Plakaten, mit denen er sich den Bürgern für eine zweite Amtszeit empfiehlt. Da passt nicht so recht ins Bild, dass er ein Versprechen seit fünf Jahren nicht eingelöst hat: Samt Familien nach Bönen ziehen wollte er, wenn er Chef im Rathaus geworden ist.

Da ist es beim vollmundigen Versprechen geblieben. Weil ihn das selber wurmt, wie Rotering dem WA sagte, und im laufenden Wahlkampf sicher nachhängen werde, habe er mit der Familie beraten und entschieden, sich öffentlich zu erklären.

Schicksalsschläge in der Familie

Dass Ehefrau Dorothee und die Kinder dabei ein gewichtiges Wort mitzureden haben, hat mit den Gründen zu tun, warum Rotering entgegen seiner Pläne das Zuhause bisher nicht aufgegeben hat. Zwei Schicksalsschläge durchkreuzten diese Pläne: Zuerst erkrankte die mit der Familie lebende Schwiegermutter des Bürgermeisters an Krebs und erlag der Krankheit noch im Wahlkampf 2015. Dann bekam Ehefrau Dorothee die gleiche Hammer-Diagnose. Schon der Verlust der Großmutter traf die Familie besonders, denn sie kümmerte sich in Abwesenheit der berufstätigen Eltern um den Pflegesohn, den Stephan und Dorothee Rotering neben ihrem leiblichen Sohn großziehen. Das Pflegekind hat Beeinträchtigungen, die auf Dauer eine Betreuung erfordern. Als nach dem plötzlichen Tod der Schwiegermutter auch die Mutter schwer erkrankte (zwei Mal, wie sich später zeigen sollte), drohte das Familienkonstrukt quasi über Nacht einzustürzen. Rotering zog die Reißleine, was den Umzug betrifft.

„Ich wollte der Familie in dieser Situation nicht auch noch das vertraute Zuhause nehmen“, erläuterte der 48-Jährige. Versprechen hin – Amtsverpflichtung her. „Da geht bei mir das Wohl der Familie vor.“ Zumal sein Wohnort Welver nicht aus der Welt sei. „Ich kann da gut pendeln. Außerdem habe ich in Bönen ja schon ein Haus gekauft, dann kam halt alles anders“, warb der Bürgermeister um Verständnis. Die kleine Wohnung im Obergeschoss bot ihm eine Bleibe, wenn‘s mal später wurde im Büro – oder es bei Schützen, Feuerwehr & Co mal ein Bier gab.

Nach der Wahl wird entschieden

Die Wohnung sei nun vermietet und die Familie aufs Neue auf der Suche, so Rotering. Seine Frau sei genesen und wieder in den Job zurückgekehrt. Um den Jungs ein Zuhause und Umfeld ähnlich dem in Welver zu bieten, suche er nun in Bönen bevorzugt einen Resthof, wie ihn die Familie aktuell bewohne.

Nach dem unverhofften und belastenden Verzug sah der Familienvater mit der Wahl 2020 vor der Brust ab einem gewissen Zeitpunkt keinen Sinn darin, sich mit Frau und Kindern hierher aufzumachen, solange sich nicht eine längere Perspektive auftut. Sprich: Nach der Wahl am 13. September wird definitiv entschieden, wo es hingeht. Keine Frage, dass Stephan Rotering in Bönen gern Wort halten würde.

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