Vergewaltigung einer jungen Bönenerin wird erneut vor Gericht verhandelt 

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Bönen/Dortmund – Vor dem Dortmunder Landgericht wird zum zweiten Mal eine Vergewaltigung verhandelt, die das mutmaßliche Opfer offenkundig zutiefst traumatisiert hat. Ein 27-jähriger Bergkamener steht in einer Berufungsverhandlung vor Gericht, weil er am 31. Oktober 2018 eine Gleichaltrige in deren damaliger Wohnung an der Lenningser Straße in Bönen gewürgt, zu sexuellen Handlungen genötigt und vergewaltigt haben soll.

In einem ersten Verfahren vor dem Schöffengericht in Unna war der bislang völlig unbescholtene Mann Ende Januar zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Mit dem eingelegten Einspruch will der teilgeständige Sextäter nun offenbar eine mildere Strafe erwirken.

Mehrere Stunden lang befragte der Berufungsrichter den Angeklagten und dessen nach wie vor unter dem erlebten Gewaltgeschehen leidendes Opfer. Die Büroangestellte hat mittlerweile ihre Wohnung aufgekündigt, hat das Sofa, auf dem sich die sexuellen Übergriffe ereignet hatten, verkauft und steht unter psychologischer Betreuung.

 Im Internet hatte die zierliche Frau den groß gewachsenen korpulenten Mann kennen gelernt und gleich klar gestellt, dass „beziehungsmäßig nichts laufen werde“. Doch da man sich sympathisch war, kam es zu gemeinsamen Einkaufsbummeln und Besuchen sowie rein platonischen Gesprächen über sexuelle Vorlieben.

Am Tatabend geriet die offenbar klar definierte Distanz zwischen den Beiden aber ganz offenkundig durch das Verhalten des Angeklagten ins Trudeln. In eher distanziert wirkenden Worten schilderte er, wie er sexuelles Interesse an der Bekannten gezeigt habe und sie dann auch mit Gewalt zum Anfassen seines Geschlechtsteiles, zu masturbierenden Bewegungen und zum Oralverkehr gezwungen habe. 

Teilweise sei das Geschehen ein „Missverständnis“ gewesen, er sei von ihrem Einverständnis ausgegangen, habe aber irgendwann gemerkt, dass er „Sch... gebaut“ habe und sofort aufgehört. Seine Bitte um Entschuldigung habe die Bekannte, die sich zwischenzeitlich im Badezimmer verschanzt habe, ignoriert und ihn mit Worten aus der Wohnung geworfen.

Mit tränenerstickter Stimme schilderte die Bergkamenerin das erlebte Gewaltgeschehen. Sie habe Angst gehabt, sich geekelt, sich nach Kräften gewehrt, ihn sogar in den Oberarm gebissen und immer wieder deutlich gemacht, dass sie nicht wolle. 

Auf das Gericht wartet nun die schwere Aufgabe, die beiden teilweise sehr unterschiedlichen Schilderungen zu werten und abschließend zu entscheiden, ob das erstinstanzliche Urteil angemessen war oder abgemildert werden muss.

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