Vegan ist Trend in Bönen

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"Vegan"

Bönen - Wer Fleisch isst, schadet dem Klima. Und das behaupten nicht nur die Aktivisten. Auch die Mitglieder des Weltklimarates fordern dringend eine Kehrtwende beim Fleischkonsum. Bei einigen Bönenern scheint diese Botschaft bereits angekommen zu sein. Sie greifen inzwischen viel häufiger zu vegetarischen oder gar veganen Alternativen. Und darauf haben sich die Lebensmittelhändler vor Ort eingestellt.

Im Kühlbereich des Edeka-Marktes Milkner ist inzwischen ein Regalbereich für vegane Produkte reserviert. Die Kunden finden dort zum Beispiel den „pflanzlichen Pastagenuss“, der den Parmesankäse ersetzen soll, vegetarische Schnitzel und sogar „Filets nach Lachsart“. „Es gibt einige Kunden, die darauf achten“, erzählt Marktleiterin Ulla Finsterwalder. Sie hat festgestellt, dass die Nachfrage nach vegetarischen und veganen Produkten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Die Bönener kaufen bewusster ein. „Deshalb haben wir Angebote dazu in allen Bereichen“, so die Marktleiterin. Die reichen von der veganen Schokolade über diverse Brotaufstriche, Bratwurst und Salatmayonaise bis hin zu Getreidebratlingen und Gummibärchen. 

Wer nicht ganz auf Fleisch verzichten, dennoch keine Massentierhaltung unterstützen möchte, der kann bei Edeka auf „Bio“ zurückgreifen. Neben Markenprodukten in der Wurst-, Käse- und Milchabteilung, können die Kunden an der Fleischtheke Rouladen, Filets und Co. aus der Bioproduktion bestellen, Geflügel, Schwein und Rind. Dauerhaft in der Auslage liegt das Bio-Fleisch aber nicht, dafür sei die Nachfrage zurzeit zu gering, heißt es von den Verkäufern. 

Adam Karwoth reagiert in seinem Rewe-Markt in Bönen auf die steigende Nachfrage.

Nebenan bei Rewe-Karwoth steht sogar ein komplettes Kühlregal, das ausschließlich vegane Spezialitäten beherbergt: Tofu, Frikadellen, ein pflanzliches Fleischwurstimitat und vieles mehr. „Die Nachfrage wird immer größer – auch hier in Bönen. Das sehen wir an dem Abverkauf bei uns im Geschäft und außerdem an der Breite des Rewe-Sortiments“, hat Inhaber Adam Karwoth beobachtet. „Das hätten wir vor ein paar Jahren noch nicht gedacht“, räumt der Kaufmann ein. Er reagiert auf den offensichtlichen Trend mit ständig neuen Angeboten, sowohl bei den Frische-, als auch bei den Trockenwaren. So sind bei Rewe vegane Kekse ebenso zu haben wie Backmischungen ohne Ei, käsefreies Pesto oder Sojajoghurt und Hafermilch. Davon profitieren nicht nur Tier- und Klimaschützer. „Immer mehr Kunden leiden unter einer Allergie, beispielsweise einer Laktose-Intoleranz“, berichtet Adam Karwoth. Die freuen sich natürlich, wenn sie in seinem Laden verschiedene kuhmilchfreie Alternativen finden. 

Hohe Auflagen für den Biofleischverkauf

Wer in der Wurst- und Fleischabteilung des Kaufhauses nach „Bio“ sucht, hat dagegen weniger Auswahl. Zwar gibt es einige Sorten verpackter Wurst, in der Fleischauslage fehlt die Bezeichnung „Bio“ hingegen völlig. „Wir haben das Thema auf dem Schirm und sind auch im Gespräch mit Lieferanten. Allerdings sind die Auflagen des Veterinäramtes für den Verkauf von Bio-Fleisch so hoch, dass es sehr schwierig ist, es in die normale Theke zu bringen. Wir müssten zum Beispiel ein getrenntes Kühlhaus dafür vorweisen“, erklärt Karwoth. Er arbeite jedoch weiter an einer Lösung. 

Zumindest abgepackt gibt es Bio-Fleisch bei Penny. Der Discounter führt nach eigenen Angaben zudem mittlerweile mehr als 20 verschiedene vegetarisch beziehungsweise vegane Produkte, etwa einen fleischlosen Burger. „Penny wird den wachsenden Trend weiter begleiten“, erklärt Pressesprecher Andreas Krämer aus der Firmenzentrale in Köln.

„Wir können generell feststellen, dass vegane und vegetarische Ernährung im Trend liegt“, stimmt Verena Lissek von Aldi-Nord ihrem Kollegen zu. „Der zumindest teilweise Verzicht auf tierische Produkte wird für viele unserer Kunden immer interessanter. So sind viele unserer Bestandskunden Flexitarier (siehe Kasten) oder wollen mal einen veganen Tag in der Woche einlegen.“ Die Gründe dafür seien ganz unterschiedlich: Manche wollen sich für das Tierwohl einsetzten, aber auch Gesundheit und Umweltschutz spielt für viele eine Rolle. „Diesen Bedürfnissen unserer Kunden kommen wir nach, indem wir beispielsweise als erster Lebensmitteleinzelhändler vegane Aktionswochen im Rahmen unseres Aktionsprogramms angeboten haben“, sagt die Unternehmenssprecherin. Mit veganen und vegetarischen Artikeln erreiche Aldi Bestandskunden, aber auch neue Käuferschichten. „Derzeit haben wir rund 520 vegetarisch und vegan gekennzeichnete Produktsorten im Food- und Non-Food-Sortiment gelistet. Das Standard-Sortiment umfasst rund 190 vegan gekennzeichnete Produktsorten“, so Verena Lissek. 

Mehr als acht Millionen Deutsche sind Vegetarier

Das ist sicher sinnvoll, denn in Deutschland ernähren sich zurzeit rund acht Millionen Menschen vegetarisch und 1,3 Millionen vegan, wie aus aktuellen Studien hervorgeht. Und täglich kommen nach Schätzungen der Fachleute rund 2000 Vegetarier und 200 Veganer dazu. Weltweit wird die Zahl der vegan-vegetarisch lebenden Menschen momentan auf circa eine Milliarde geschätzt. 

Diese Tendenz hat Lidl natürlich gleichfalls im Blick. Bei der Sortimentsgestaltung orientiert sich der Discounter nach eigener Aussage an Kundenwünschen und greift Ernährungstrends und Produktentwicklungen auf. Für Veganer gibt es bei Lidl eine Eigenmarke. „Da der vegane Markt zunehmend an Bedeutung gewinnt, war es für uns selbstverständlich, unser Sortiment auszuweiten und pflanzenbasierte Produkte unter der neuen Eigenmarke „Next Level Meat“ ins Sortiment aufzunehmen“, erklärt Melanie Pöter aus der Pressestelle Lidl Deutschland. Um nicht nur Vegetariern und Veganern etwas Neues anzubieten, sondern auch klassischen Fleischessern, hat das Unternehmen kürzlich den „Next Level Burger“ entwickelt, eine „Fleischkopie“. „Zudem arbeiten wir Schritt für Schritt daran, unseren Kunden weitere Biofleisch-Produkte anzubieten“, weiß die Unternehmenssprecherin. 

Dass die Unternehmen vor Ort den Markt bedienen, hat sicherlich wirtschaftlichen Erfolg. Genau feststellen, wie hoch der Marktanteil an veganen und vegetarischen Produkten ist, kann beispielsweise Adam Karwoth spontan nicht. „Das müssten wir einmal ausrechnen“, gibt er an. Wie das Marktforschungsinstitut Nielsen bekannt gibt, hat der Umsatz mit Veggie-Produkten im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogeriemärkten jedoch ein neues Rekordhoch erreicht. 960 Millionen Euro wurden von 2017 bis 2018 in Deutschland mit veganen und vegetarischen Lebensmitteln umgesetzt. Das entspricht einem Umsatzplus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Discounter haben demnach ihre Jahresumsätze um mehr als ein Drittel gesteigert, während der klassische Lebensmitteleinzelhandel wie Edeka und Rewe eine Steigerung um 23 Prozent mit Veggie-Produkten verzeichnete.

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