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Unterwegs mit Bürgerbus in Bönen: „Ein starkes Stück Nahverkehr“

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Von: Karl Löbbe

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Bürgerbus Auto Bönen
Seit Oktober 2019 ist der Bürgerbus fester Bestandteil des Bönener Nahverkehrs. © Robert Szkudlarek

Seit mehr zwei Jahren ist der Bürgerbus in Bönen inzwischen unterwegs, befördert die Bönener ohne große Hürden von A nach B. WA-Mitarbeiter Karl Löbbe hat das Angebot nun selbst ausprobiert und berichtet von netten Begegnungen und dem großen Engagement der ehrenamtlichen Fahrer.

Bönen – Eine Jungfernfahrt ist es nicht, zumindest was das Transportmittel betrifft, das ich nutzen will. Es geht um den Bürgerbus, der seit Oktober 2019 seine Runden durch die Gemeinde Bönen dreht. Gleich von Beginn an mit hoher Akzeptanz, wie die Anzahl von 1100 Fahrgästen in den ersten drei Monaten belegt. Zeitweise durch Corona- Restriktionen ausgebremst, hat sich die Unternehmung aber inzwischen so etabliert, dass sie aus dem Gemeindebild nicht mehr wegzudenken ist.

Für mich trifft die aus der Seefahrt entlehnte Bezeichnung für eine Erstunternehmung wohl eher zu. Ich habe mich endlich entschlossen, das von der Gemeinde initiierte und von der Verkehrsgesellschaft des Kreises Unna (VKU) konzessionierte Projekt zu nutzen. Aktuelle Überlegungen hinsichtlich der eigenen Beweglichkeit lassen einen eben nach Alternativen Ausschau halten.

Bürgerbus Martina Radix Bönen
Martina Radix gehört zu den ehrenamtlichen Fahrerinnen des Bürgerbusses. © Löbbe Karl

Noch geht es mit dem Auto oder mit dem Fahrrad. Aber warum nicht mal das Angebot nutzen und zusätzliche Erfahrungen sammeln? Bequemer geht es nicht. Liegt doch „meine“ Haltestelle für den Bürgerbus gerade mal 100 Meter von meiner Haustür entfernt. Ein Fahrplanstudium verrät mir die Abfahrtszeiten wie auch die Kontaktstellen. Sie sind ideal für Einkäufe im Ort, Arztbesuche, Behördengänge, VHS-Termine oder Friedhofsbesuche und vieles mehr.

Barrierefreier Einstieg

Fast auf die Minute genau rollt das Fahrzeug heran. Werbemäßig bunt aufgemotzt – nicht zu übersehen. Meine Fahrerin ist heute Martina Radix. Man kennt sich, redet miteinander und erfährt: Sie ist von Beginn an dabei. Zweimal im Monat steuert sie den Bus auf der West- oder Ostroute. Sie schätzt, dass sie in dieser Zeit gut 500 Fahrgäste befördert hat. Ohne pandemiebedingte Einschränkungen hätten es leicht mehr sein können.

Gespräche während der Fahrt sind also nicht untersagt. Aber es gilt: Konzentration auf das Fahrgeschehen ist höchstes Gebot. Und die Bürgerbus-Fahrerinnen und -Fahrer unterliegen den gleichen Vorschriften wie die Steuerleute der „offiziellen“ Linienbusse. Fahrtkosten entstehen nicht, sofern man sich als Kunde der hiesigen Volksbank oder Sparkasse ausweisen kann. Andere Fahrgäste zahlen die üblichen Linienbustarife.

Der Einstieg erfolgt nahezu barrierefrei. Automatisch fährt eine Trittstufe aus und ermöglicht einen leichteren Zugang, ideal für den älteren Menschen (auch mit Rollator) wie auch für Kita-Kinder mit ihren Müttern oder Vätern.

Bisher 45000 Kilometer gefahren

Acht Passagiere kann der Bus gleichzeitig befördern, sofern Corona-Restriktionen dies zulassen. Natürlich trifft man jede Menge Bekannte. Es stellt sich heraus: „Alte Hasen“ auf ihren Touren durch Bönen. Sie kennen die Routen, die Haltestellen, wissen, wo man für den beabsichtigten Zweck am besten aus- und zusteigt.

Und auch so lernt man allerhand dazu: Die Namen der Fahrer, die Besonderheiten der Haltestellen auf der jeweiligen West- und Ostlinie, die der Bus zu den festgelegten Zeiten anfährt. Wie ein „normaler Linienbus“ – nur eben als ehrenamtliches Projekt vom Bürgerbusverein mit der VKU abgesprochen als „gute Ergänzung zum ÖPNV“, wie es heißt. Wenn es passt, hält der Bus auch auf Zuruf.

Mit Hochachtung wird erzählt vom Engagement der Fahrer, viele von ihnen schon im Rentenalter, verquickt mit einigen liebevoll ausgeschmückten „Dönekes“, was deren Eigenarten betrifft. Gelobt werden Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bei den kleinen Holprigkeiten im Beförderungsalltag.

Ulrich Gloger Bürgerbus Bönen
Ulrich Gloger ist Vorsitzender des Bürgerbusvereins. © Baur Boris

Viereinhalb Stunden pro Schicht ist ein Fahrer unterwegs. Das macht rund 1820 Stunden im Jahr im Dienst für die Allgemeinheit. Hinzu kommen allerdings noch Säuberungsarbeiten. Auch auf eine sorgfältige Desinfektion muss geachtet werden.

Ulrich Gloger als ehrenamtlicher Vorsitzender des Bürgerbusvereins weiß mehr: „Wir können den Einsatz unserer zurzeit dreizehn Fahrer und zwei Fahrerinnen nicht hoch genug würdigen. Leisten sie doch mit der Arbeit für unsere Gesellschaft willkommene und wichtige Aufgaben“. Natürlich gebe es Voraussetzungen wie Führerschein, Führungs- und Gesundheitszeugnis, Personenbeförderungsschein sowie jährlich diverse Schulungen. „Aber schließlich wollen wir dem Bürger höchstmögliche Sicherheit bieten. Das Gute: Wir können in Kürze drei weitere Aktive in unserer Truppe begrüßen. Weitere Freiwillige sind herzlich willkommen.“

Weitere Fahrer werden gesucht

Und die können dann von sich sagen, die Welt mehr als einmal umrundet zu haben. Denn 45 000 Gesamtkilometer sind zu verzeichnen (Stand Dezember 2021), und kein Ende ist abzusehen. Bei 73 Kilometern pro Schicht kommt man auf rund 580 Kilometer in der Woche oder 2340 Kilometer im Monat. So ist man schnell mal um die Welt gereist. Nicht betonen muss man, dass alle Verantwortlichen den erforderlichen Impfstatus haben. Großes Lob geht auch an die Fahrgäste: „Impfnachweise sind kein Problem und werden ohne Murren vorgelegt“, sagt Gloger.

Seine Begeisterung für das Projekt „ein starkes Stück Nahverkehr“ scheint ungebrochen. Es sei zwar nicht einfach gewesen, den Bus trotz bürokratischer Hürden, der Fördergeldernot mit entsprechenden Beschaffungsvorgängen und trotz zahlreicher Vereinsgründungsvorschriften ins Leben zu rufen und auf die Straße zu den Leuten zu bringen. Aber: „Wir haben für unsere Nachbarn und Mitbürger ein gutes Stück Eigenständigkeit und Teilhabe am öffentlichen Leben geschaffen. Das war es wert. Denn wir nähern uns bei unseren Beförderten mit Riesenschritten der 10 000er-Marke. Darauf können wir mit Recht stolz sein. Und auch darauf, dass wir seit dem 1. Juli 2021 eigenständig sind und somit unsere notwendigen Aufgaben selbst steuern können.“

Nach und nach steigen auf meiner Fahrt Mitfahrer aus, andere kommen hinzu. Ein Kaleidoskop der Gesellschaft, kommunikativ und informativ. Ich habe auch gemerkt: Den Altersdurchschnitt habe ich mit meinen persönlichen Zahlen nicht senken können. Eher angepasst. Aber auf jeden Fall gilt: Die Fahrt mit dem Bürgerbus hat Spaß gemacht. Sie lohnt sich auf jeden Fall. Ich freue mich schon auf die nächste Fahrt.

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