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IHK-Wirtschaftsgespräch dreht sich um größte Herausforderung

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Von: Sabine Pinger

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IHK Dortmund und Döllken Profiles laden zum Austausch in s Bönener Industriegebiet ein.
Rund 50 Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik nutzten die Gelegenheit, um sich beim IHK-Wirtschaftsgespräch zu informieren und auszutauschen. © Pinger Sabine

Krachend fielen die letzten 20 Zentimeter auf den Boden. „Wenn wir jetzt nicht handeln, landen wir alle dort unten.“ Mithilfe eines Gliedermaßstabes, den er Stück für Stück zerbrach, drückte Wolfgang Breuning das aus, was sich am Dienstagabend als roter Faden durch das diesjährige Wirtschaftsgespräch der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dortmund zog: Es ging um den Klimawandel und seine Folgen, um Nachhaltigkeit und Strategien.

Der Gastgeber von der Döllken Profiles GmbH stellte den rund 50 Besuchern aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik vor, wie sich sein Unternehmen der größten Herausforderung in der Menschheitsgeschichte stellt. Demnach produziert das Unternehmen etwa am Standort Bönen selbst Wärme aus Produktionsabfällen in einem Blockheizkraftwerk, bietet den Mitarbeitern einen Bustransfer an und recycelt Fremdmaterial in seinen Kunststoffprofilen. Dass das keineswegs nur dazu dienen soll, die Menschheit zu retten, machte der Geschäftsführer gleichfalls deutlich. „In naher Zukunft werden Unternehmen, die keine Nachhaltigkeitsstrategien verfolgen, keine Erfolge verzeichnen“, mahnte Breuning. Der Klimawandel bedrohe den Wohlstand aller.

Christian Zurbrüggen, der als Moderator durch die Veranstaltung führte, teilt diese Auffassung. „Ich bin davon überzeugt, dass die Kunden künftig mehr nachfragen werden“, sagte der IHK-Vizepräsident und Unternehmer. Schon deshalb müsse sich die Wirtschaft nachhaltig aufstellen, von der augenblicklichen Preisexplosion auf dem Energiesektor mal ganz abgesehen. Zurbrüggen will beispielsweise in eine riesigen Photovoltaikanlage investieren und so Strom erzeugen.

Gewerbegebiete zukunftsfähig machen

Davon bräuchte es viel mehr in den Gewerbegebieten der Zukunft. Wie die aussehen sollten und müssen, erklärte Sascha Dorday, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna. Allerdings gibt es im Kreis nicht mehr viele Flächen, die noch entwickelt werden können, wie er berichtete. Es bestünden indes etliche Möglichkeiten, die vorhandenen Industriegebiete klimafreundlicher zu gestalten. Dazu gehörten begrünte Fassaden und Dächer, Wasser- und Grünflächen sowie regenerative Energieanlagen und darüber hinaus passende Mobilitätsstrukturen.

Zugleich spielt die Klimareselienz, also die Fähigkeit, den Folgen des Klimawandels zu widerstehen, eine immer größere Rolle, gab der Diplom-Geograf an. Hitzewellen, Stürme, Starkregen und extreme Trockenheit treten auch in dieser Region immer häufiger und stärker auf. Berücksichtigt werden müsse das bei jedem Neu- und Umbau, um die Gebäude und Anlagen sicherer zu machen.

Wie notwendig Klimaanpassungsmaßnahmen für die hiesigen Betriebe sind, betonte Bürgermeister Stephan Rotering nachdrücklich. Er befasste sich dieses Mal eben nicht mit den sonst bei dieser Veranstaltung üblichen Bilanzen der heimischen Wirtschaft, den Umsätzen oder dem Wachstum, sondern beschwor vielmehr die Unternehmer, sich unverzüglich auf den Weg in Richtung Klimaneutralität zu machen. „Obwohl ich wenig hoffnungsvoll bin, dass wir die Klimaneutralität in Deutschland je erreichen“, bemerkte der Verwaltungschef.

Wolfgang Breuning (Döllken Profiles GmbH) und Christian Zurbrüggen (Wohnzentrum Zurbrüggen) sehen nachhaltiges Handeln als unbedingt erforderlich an
Für Döllken-Chef Wolfgang Breuning (links) ist Nachhaltigkeit eine Frage des Überlebens. IHK-Vizepräsident Christian Zurbrüggen sieht darin aber auch Chancen. © Pinger Sabine

Dennoch: „Wir dürfen nicht erst handeln, wenn es hier richtig ungemütlich wird.“ Was heute in Pakistan geschehen ist, könne morgen jedes andere Land der Welt treffen – auch Deutschland. Der Hunger nach Energie steige nichtsdestotrotz weiter, deshalb müssten regenerative Alternative schneller und stärker kommen. Eine Windkraftanlage im Bönener Industriegebiet könnte da ein Baustein sein, von dem die hiesigen Firmen direkt profitieren, „Tun Sie sich zusammen“, forderte Rotering die Unternehmer auf. Vieles ließe sich gemeinsam umsetzen und nutzen, zum Beispiel Photovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerke.

„Sie werden mit mir in zehn Minuten die Welt retten müssen“, kündigte hingegen Stefan Peltzer an. Mehr Zeit hatte der Regionalbetreuer der IHK als letzter Redner des Abends nämlich nicht für seine Präsentation. Der Anspruch sei aber tatsächlich nicht geringer. Peltzer skizzierte entsprechend im „Galopp“ einige Ideen, mit denen sich die Betriebe in verschiedenen Bereichen gegen den Klimawandel stemmen und dabei auf Hilfen und Netzwerke zurückgreifen können.

Stefan Peltzer bezog sich jedoch auf das Klimaziel der Bundesregierung, bis 2045 Klimaneutral zu werden. Das ist jedoch eindeutig zu spät, wie inzwischen klar ist. Um das im Pariser Klimaabkommen festgelegte Ziel von einem maximalen Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius überhaupt noch zu erreichen, muss Deutschland erheblich früher die CO2-Emission auf Null gefahren haben, möglichst in den nächsten acht bis zehn Jahren. Und selbst dann wird der Klimawandel massive Auswirkungen auf das Leben aller Menschen haben.

Mehr Beschäftigte, mehr Auszubildende

Trotz all dieser negativen Faktoren – Christian Zurbrüggen führte neben der Klimakrise den russischen Angriffskrieg, Engpässe beim Material und beim Personal, Störungen in der Lieferkette und die weiterhin grassierende Corona-Pandemie an – wolle er nicht nur Trübsal blasen. „Ich möchte auch ein bisschen Optimismus versprühen“, sagte der IHK-Vizepräsident. Immerhin sei die Zahl der IHK-zugehörigen Unternehmen im Bezirk in diesem Jahr um 32 auf 852 gestiegen, den größte Zuwachs verzeichneten mit 5,8 Prozent die Dienstleister. In Bönen sind derzeit 8354 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 257 mehr als vergangenes Jahr.

Und es gibt mehr Auszubildende, wie der Hauptgeschäftsführer der IHK Dortmund, Stefan Schreiber, ergänzte. Demnach haben jetzt 87 Azubis ihre Lehre in der Gemeinde begonnen, vor einem Jahr waren es 79. „Dass wieder verstärkt junge Menschen ausgebildet werden, freut mich besonders.“

Schreiber machte zudem Werbung für das Ehrenamt bei der Kammer und wies auf die im Oktober anstehenden Wahlen zur IHK-Vollversammlung hin.

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