Unter Segeln über den Atlantik

Weltumsegler auf Heimaturlaub: Die Reise mit der Blue Horizon geht weiter

Drei Segler auf Boot Blue Horizon
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Die Atlantiküberquerung mit der Blue Horizon haben sie geschafft: Thilo Ernst, Leonie Maßmann und Jonas Manke (von links).

Im August 2020 brachen drei Kamener Studenten mit ihrem Segelboot „Blue Horizon“ von der Marina Rünthe zur Weltumseglung auf. Trotz widriger Umstände und Coronaerkrankung haben sie inzwischen die Atlantiküberquerung gemeistert und sind bis Brasilien gekommen. Ihr Stahlboot, die „Blue Horizon“, liegt derzeit in einem Fluss vor Anker, während das Trio seine Reise unterbrochen hat und auf Familienbesuch zu Hause ist.

Kamen/Brasilien – Eine Weltumseglung zu dritt auf einem relativ kleinen Boot ist schon ein Abenteuer. In Zeiten der weltweiten Coronapandemie wird eine Weltreise aber erst recht zu einer Herausforderung. Das haben auch die drei Freunde Leonie Maßmann, Jonas Manke und Thilo Ernst auf ihrer Reise feststellen müssen. Seit Ende Juni sind die drei Freunde wieder in der Heimat. „Wir genießen es, mal wieder in Deutschland bei unseren Familien und Freunden zu sein“, erzählt Jonas Manke (23). „Die eigene Kultur ist einfach vertraut, und vieles, was wir vorher kritisch gesehen haben, wissen wir jetzt in Deutschland erst richtig zu schätzen.“

13 Tage lang nichts als Wasser, das ist auf engstem Raum eine Bewährungsprobe für die drei Freunde.

Die kürzere Atlantikroute nach Brasilien

Das sei aber nicht etwa das Ende der Reise, sondern ein Zwischenstopp nach einem Jahr mit vielen sehr unterschiedlichen Erlebnissen (wir berichteten). So erkrankten alle drei auch an Corona und mussten im portugiesischen Hafen Lagos in Quarantäne auf ihrem Boot. „Im Nachhinein sind wir froh, dass uns das in Europa passiert ist und nicht in Brasilien“, zieht Jonas Manke Bilanz. „In Portugal sind wir gut versorgt worden an Bord von den Ärzten und mit Lebensmitteln.“

Die Reise verfolgen

Was wäre eine Weltumseglung, ohne Freunde, Familie und alle Interessierten „mitzunehmen“. Das tun die drei Freunde, indem sie regelmäßig Videos drehen und bei YouTube unter dem Stichwort „Blue Horizon“ veröffentlichen. Über die Videos finanzieren sie teilweise ihre Reise. Über Patreon, ein Crowd-Funding-Portal, unterstützen aktuell 189 Personen das Unternehmen Weltumseglung.

Alle Infos zu dem Projekt, Videos, Fotos und Blogs finden sich auf der Internetseite www.bluehorizonsailing.de.

Die Atlantiküberquerung sei erst mal die größte Hürde, die Weltumsegler nehmen müssen, die von Europa aus Richtung Westen starten. „Wir hatten zunächst geplant von den Kanarischen Inseln in die Karibik zu segeln, etwa 2100 Seemeilen. Das hätte je nach Wetterbedingungen 20 bis 25 Tage gedauert“, erzählt Jonas Manke. „Dann hat sich bei Windstärke acht der Mastfuß des Hauptmastes gelockert und wir mussten die Kapverdischen Inseln vor der Westküste Afrikas anlaufen, um den Schaden zu beheben. Wir haben uns dann für die kürzeste Route über den Atlantik entschieden von den Kapverden nach Brasilien.“

Nach acht Tagen: Duschen im Regen

13 Tage rund um die Uhr auf dem Ozean und nichts als Wasser, das ist eine Situation, die man erst einmal bewältigen muss. „Das war schon der Wahnsinn, aber wir haben uns immer sicher gefühlt. Wir hatten Glück mit dem Wetter und keine schweren Stürme“, erzählt Jonas Manke. „Im Gegenteil: Nach Brasilien mussten wir den Äquator überqueren. Dort war es windstill und wir mussten unter Motor fahren. Über Regen haben wir uns nach acht Tagen ohne Dusche dann echt gefreut.“

Blick von oben auf das Deck der Blue Horizon.

Kräfte zehrend sei die Atlantiküberquerung trotz der relativ guten Wetterbedingungen dennoch gewesen, sagt Jonas Manke rückblickend. „Schließlich musste nachts abwechselnd immer einer Wache schieben. Dazu kommt, dass der Seegang einen müde macht. Wir waren nicht richtig seekrank, aber das permanente Schaukeln macht einen schon ein bisschen schlapp. Aber wir wollten das unbedingt und deshalb war unsere Stimmung positiv.“

Manchmal besser auf Abstand gehen

Wie haben die drei Freunde diese besondere Situation auf engstem Raum auf dem Ozean überstanden? „Thilo und ich waren schon lange Zeit Freunde, Leonie ist als Freundin von Thilo dazu gekommen. Aber das hat gut geklappt. Immer, wenn die Stimmung mal nicht so gut war, haben wir darüber gesprochen und sind – soweit das ging – auf Abstand gegangen, haben dem anderen Raum gelassen, haben Musik gehört oder gelesen.“

Nach 13 Tagen und 1100 Seemeilen erreichte die „Blue Horizon“ schließlich Fernando de Noronha. Die kleine Insel 350 Kilometer vor der brasilianischen Küste ist ein beliebtes Feriendomizil – jedenfalls normalerweise. Jetzt herrschte hier aber Corona-Ausnahmezustand und die Segler aus Deutschland durften nicht an Land gehen. „Gerade mal den Müll durften wir entsorgen und Lebensmittel und Wasser an Bord nehmen“, berichtet Jonas Manke. Mit festem Boden unter den Füßen war es also nichts.Weil sie vor der Insel ankern mussten, entdeckten die Kamener Freunde eine Bucht, in der sie mit Delfinen schwimmen konnten. „Ein einmaliges Erlebnis.“

Die drei Freunde blicken auf die traumhaften Buchten der Insel Fernando de Noronha.

Keine Einreiseerlaubnis auf dem Seeweg

Nach drei Tagen setzten die Freunde Segel, um den letzten Abschnitt ihrer Atlantiküberquerung anzutreten. Zwei Tage später erreichten sie die brasilianische Hafenstadt Joao Pessoa. Aber auch hier durften sie zunächst kein Festland betreten. Brasilien, das besonders schwer von der Coronapandemie gebeutelt ist, hatte inzwischen eine Einreisesperre für den Seeweg verhängt.

Delfine umkreisen die Blue Horizon und laden zum Schwimmen ein.

„Wir durften fünf Tage bleiben, um Proviant aufzunehmen und hätten dann weiter segeln müssen Richtung Karibik. Wir haben uns mit dem Hafenmeister besprochen“, erzählt Jonas Manke. „Der riet uns schließlich, Brasilien zunächst mit einem Flugzeug zu verlassen. Wir sind nach Paraguay geflogen und haben uns zwei Wochen das Land angesehen, und sind dann wieder mit dem Flugzeug in Brasilien eingereist.“ Danach erhielten die Segler ein 90-tägiges Visum. Obwohl sie sich lange dort aufhielten, haben sie nur einen kleinen Teil des riesigen Landes gesehen. Die Coronapandemie habe ausgedehnte Rundreisen behindert. Die Situation im Land sei schlimm, es gebe nicht ausreichend Krankenhausbetten und ärztliche Versorgung.

Das Boot wartet in einem Fluss

Als die drei einen Deutschen kennen lernen, der seit sieben Jahren in Brasilien lebt, reift der Plan, die Reise zu unterbrechen und nach Hause zu fliegen. „Er kümmert sich in unserer Abwesenheit um die ,Blue Horizon’, die in einem Fluss ankert, das spart uns die Hafengebühr.“ Die Rückkehr zu den Familien war natürlich sehr emotional, die Freude riesig.

Längere Zwangspause

Allerdings werden die drei Segelfreunde länger in Deutschland bleiben, als geplant. Eigentlich wollten sie ab Oktober ihre Weltumseglung fortsetzen von Brasilien aus in die Karibik und anschließend durch den Panama-Kanal. „Da wären die Wintermonate ideal.“, sagt Jonas Manke. Das könnte aber an der brasilianischen Bürokratie scheitern, die erst für Februar ein Visum ausstellt. „Da merkt man, dass vieles in Deutschland doch sehr gut funktioniert“, hat er inzwischen festgestellt.

Also werden sich die Planungen nach hinten verschieben. Die drei Segler sehen es gelassen. „Segeln um die Welt braucht eben seine Zeit, und drei Jahre sind da schon realistisch.“

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