Unnaer Tafel schließt überraschend die Bönener Ausgabe

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Gerd Wiese hat am Montag noch seine Bönener Kunden mit Lebensmitteln versorgt. Er ist enttäuscht, dass er und seine Mitarbeiter nicht über die Schließung informiert wurden.

Bönen/Unna - Mit „Bis nächstes Jahr“ haben sich die Mitarbeiter der Unnaer Tafel in der Bönener Ausgabestelle am Montag von ihren Kunden verabschiedet. Gemeint war damit der 7. Januar. Nun wird es wohl aber länger dauern, bis sich die Helfer und ihre Kunden wiedersehen. Voraussichtlich erst ab April können Gerd Wiese und sein Team wieder Lebensmittel in der Awo-Tagesstätte an Bedürftige verteilen.

Die Tafel schließt für diese Zeit außerdem die Ausgabestellen in Unna-Massen, Holzwickede und Fröndenberg. Das teilte der Verein gestern auf seiner Internetseite mit.

Für Gerd Wiese kommt diese Ankündigung völlig überraschend. Er wurde erst am Donnerstag telefonisch von der Vorsitzenden des Vereins, Ulrike Trümper, darüber informiert.

„Ich bin maßlos enttäuscht“, sagt der Leiter der Bönener Ausgabestelle. „Das ist eine äußerst ungünstige Situation.“ Zumal er und seine Kollegen die Kunden noch nicht einmal persönlich auf die Schließung hinweisen konnten. „Sie werden auf jeden Fall am 7. Januar vor der Tür stehen“, ist er überzeugt. Bei einer Nachricht an der verschlossenen Tür will Wiese es keinesfalls belassen. „Wir werden vor Ort sein und mit den Leuten sprechen“, kündigt er an. 

Tafel spricht von personellem Engpass

Der Grund für die Schließung ist laut Tafel vor allem ein personeller Engpass. Um an den neun Ausgabestellen im Kreis genügend Lebensmittel verteilen zu können, bestehe ein erheblicher personeller Bedarf. Den deckte die Organisation nach eigenen Angaben bislang vor allem mithilfe der Förderungen durch das Jobcenter und den Kreis: 35 Stellen im Bereich „Soziale Teilhabe“ und einige Arbeitsgelegenheiten wurden demnach finanziell unterstützt, sodass diese Beschäftigten gemeinsam mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern die Ausgabestellen bedienen konnten. 

Das Teilhabechancengesetz sehe nun aber deutlich weniger Fördermittel für den Kreis vor – und damit auch weniger geförderte Stellen. „Uns wurden drei geförderte Stellen zugesagt – 32 weniger als bisher“, heißt es in der Mitteilung der Vorsitzenden Ulrike Trümper und ihres Stellvertreters Roland Lutz. 

Zwar wurde dem Verein eine Aufstockung bei den Arbeitsgelegenheiten, den „Ein-Euro-Jobs“, bewilligt, diese Stellen seien jedoch nur schwer zu besetzen, weil der „Topf“ im Kreis ziemlich leer sei. „Wir werden durch den erheblichen Verlust von Personalförderungen die Tafelarbeit im Kreis Unna nicht mehr im gewohnten Umfang aufrecht erhalten können. Wir sehen uns daher gezwungen, vier Ausgabestellen ab 1. Januar zu schließen“, heißt es weiter auf der Internetseite. 

Nur ehrenamtliche Kräfte in Bönen 

Das versteht Gerd Wiese zumindest für Bönen nicht. „Bei uns arbeiten ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter. Wir sind von den Kürzungen also überhaupt nicht betroffen“, sagt er. Und wenn es darum ginge, die Waren aus der Zentrale in Unna zu holen, dann wäre er auch bereit, mit seinem privaten Fahrzeug zu fahren und die Lebensmittel zu holen. „Ich fahre auch zweimal. Dann sollte ich die 30 Kisten wohl mitbekommen“, so Gerd Wiese. 

Während die Unnaer Tafel hofft, den Betrieb in den vier Ausgabestellen im zweiten Quartal 2019 durch Nachfinanzierungsmöglichkeit von mehr Stellen wieder aufnehmen zu können, hofft Wiese auf eine schnellere Lösung für die Bedürftigen in der Gemeinde. Telefonisch waren die Verantwortlichen am Freitag nicht zu erreichen. 

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