Über 50 Helfer sammeln in  Osterbönen einen Container voller Abfall 

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Ortsvorsteher Uli Pohlmann (Mitte) teilt vor dem Arbeitseinsatz die Helfer in Gruppen ein. Über 50 Freiwillige treten in Warnweste an, um kräftig mit anzupacken und Osterbönen vom Müll zu befreien.

Bönen - "Frühjahrsputz" war das Motto, das sich über 50 Helfer am Samstag auf die Fahne geschrieben haben. Sie warfen sich in die Warnweste und rückten dem Müll in Osterbönen zu Leibe. Der Einsatz hat sich gelohnt: Einen ganzen Container  Unrat trugen die Freiwilligen zusammen. 

Es war ein Kampf gegen Umweltverschmutzung, aber auch gegen das Klischee des eigenen Images. „Schützenvereine? Da wird doch nur gesoffen und geschossen“, lautet ein oft gehörter Vorwurf von Außenstehenden. Dass dem nicht so ist, machten knapp 40 Mitglieder des Bürgerschützenvereins Bönen, Wester- und Osterbönen sowie weitere Helfer am Samstagvormittag deutlich. Sie zogen sich gelbe und orangefarbige Warnwesten über, schnappten sich Müllsäcke und Müllgreifer und befreiten Osterbönen von achtlos in die Gegend geworfenem Müll. 

Am Ende der Aktion war ein großer Container beinahe komplett mit Abfall gefüllt. Teilweise bot sich den freiwilligen Helfern ein abscheuliches Bild. Papiermüll inmitten der Natur, Plastik in Gräben, Ersatzteile auf Waldwegen. „Wir sind auf Bierflaschen gestoßen, die bereits überwuchert waren“, berichtet Martin Brünnich, erster Vorsitzender der Bürgerschützen. „So lange hat sich niemand mehr um einige Wegabschnitte gekümmert.“ 

Mühsamer „Frühjahrsputz“: Uli Pohlmann sammelt Papier, aber auch eklige Hinterlassenschaften ein.

Brünnich und drei seiner Vereinskollegen führten die Müllsammelaktion vom Vereinsheim der Schützen an der Witheborgstraße durch das Sandbachtal und entlang der Lenningser Straße. Ein Abschnitt, der es nötig hatte: „Die Straßengräben sind teilweise so voll, dass wir mit einem Müllsack gar nicht auskommen“, zeigt sich der Vorsitzende schockiert von den Zuständen. Aber er bleibt optimistisch: „Das hier ist eine super Aktion. Was wir hier machen, ist nicht nur eine Luftnummer, sondern damit können wir wirklich etwas bewirken.“ 

Schon seit langer Zeit hatten die Schützen die Idee der Unternehmung im Kopf. Für Ulrich Pohlmann, Ortsvorsteher von Westerbönen und Osterbönen, war der Zeitpunkt nun perfekt: „Es ist doch schön, wenn zu Beginn der Vegetation kein Müll mehr herumliegt.“ Pohlmann übernahm die Schirmherrschaft über die Aktion und organisierte in Absprache mit der Gemeinde alles Nötige. 

Von der hohen Beteiligung war der Ortsvorsteher am Samstagvormittag positiv überrascht: Auch weil das Wetter mitspielte, versammelten sich am Morgen über 50 Helfer am Gerätehaus der Feuerwehr. In Vierergruppen zogen die Müllsammler dann in alle möglichen Richtungen los. Einige kümmerten sich um das Zentrum Osterbönens, andere gingen bis zur Gemeindegrenze zur Stadt Hamm. Auch die Weetfelder Straße, der Grenzweg und der Hagenweg wurden abgedeckt. 

Martin Brünnich ist schockiert, was so alles weggeworfen wird.

Um den fleißigen Saubermachern unnötige Arbeit zu ersparen, dachte sich Ulrich Pohlmann etwas Besonderes aus: „Niemand braucht die vollen Müllsäcke mitzuschleppen“, erklärte der Ortsvorsteher. „An gewissen Punkten, die wir im Vorfeld kommuniziert haben, können die Säcke abgestellt werden. Drei Traktoren sind als Mülltaxen unterwegs, sammeln die Säcke ein und bringen sie zu einem Container.“ 

Pohlmann selbst teilte die Gruppen nicht nur ein, sondern packte natürlich auch mit an. Er übernahm den Kreisel auf der Rhynener Straße Richtung Hamm. „Auto- und Lkw-Fahrer schmeißen hier gerne Müll aus dem Fenster auf die Grünfläche“, erzählt er. Dementsprechend viele Verpackungsmaterialien pickt er mit dem Müllgreifer vom Boden auf. 

Urinflaschen im Kreisel gefunden 

Auch eklige Entdeckungen bleiben ihm nicht erspart: Eine mit Urin gefüllte Plastikflasche findet den Weg in Pohlmanns Müllbeutel. Offensichtlich hat sich ein Autofahrer während der Reise erleichtert und das Gefäß dann mitten in den Kreisel geworfen. 

Kuriose Entdeckungen machte auch die Gruppe um Martin Brünnich: „Wir haben eine ganze Reihe Einmachgläser an verschiedenen Stellen des Weges entdeckt“, berichtet der Bürgerschütze. „Gefüllte Einmachgläser. Wir wissen nicht, was drin ist. Sieht wie Pflaumenmus aus.“ 

Das Aufspüren von mindestens 20 Flaschen Chantré lässt Jörg Müller, zweiter Vorsitzender der Bürgerschützen, zum Hobbydetektiv werden: „Hier geht bestimmt regelmäßig jemand mit dem Hund Gassi, der zu Hause keinen Schnaps trinken darf.“ Die Müllstücke regen die Fantasie der Helfer an. Galgenhumor hilft, um die teils traurigen Anblicke etwas abzumildern. 

Am Ende des Tages durften sich die Aufräumer auf die Schulter klopfen: Fast ein ganzer Müllcontainer war mit Abfall gefüllt, der zuvor noch in der Natur herumlag. Am Gerätehaus der Feuerwehr gab es für alle Teilnehmenden dann Getränke und bunte Ostereier.

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