Kreis pachtet Ackerfläche

Über 20 000 Bäume: In Bönen wächst ein neuer Wald

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Alle 80 Zentimeter ein Baum: Ergün Yilmaz und Veli Özcan pflanzen die neuen Bäume mit einer Setzmaschine.

Bönen – Ein neuer Wald wächst seit Dienstag auf einem ehemaligen Rapsacker zwischen Rhynerner Straße und Hagenweg. Der Kreis Unna pachtete dafür vom Bönener Landwirt Matthias Overbeck die 2,7 Hektar große Fläche.

Gesponsert wird die Aktion vom Katharinen-Hospital Unna, das 8000 Euro in Bäume investiert. „Wir werden ihn Katharinenwäldchen nennen“, verriet Dr. Christoph Hoestermann vor Ort.

„Wir wollen damit unseren ökologischen Fußabdruck, der auch durch zahlreiche Verordnungen ziemlich groß ist, verkleinern“, erklärte Hoestermann. Der neue Wald profitiert dabei von der Restcent-Aktion der Mitarbeitervertretung des Unnaer Krankenhauses. 

Aufforsten mit Setzmaschine

Die Nachkommabeträge des Monatsgehalts stiften 70 Prozent der um die 1000 Angestellten. Es kämen zwischen 3700 und 3900 Euro jährlich zusammen. Die Geschäftsleitung verdoppelt den Betrag. „Bisher ging das Geld meist an soziale Einrichtungen“, sagt Udo Moenikes. Der Sozialarbeiter des Krankenhauses hatte den Vorschlag gemacht, dieses Jahr ein ökologisches Zeichen zu setzen. 

Da der Kreis Unna waldarm ist, freute es den zuständigen Umweltdezernenten Ludwig Holzbeck, dass Overbeck für seine Fläche anfragte. Freie Areale für eine Aufforstung seien nämlich ebenfalls Mangelware. „In der Hellwegbörde herrscht zum Beispiel Vogelschutz, da dürfen wir nicht aktiv werden.“ Das Aufforsten des ehemaligen Ackers wird ruckzuck ablaufen. Die Mönchengladbacher Baumschule, die mit der Pflanzung beauftragt wurde, nutzte eine Setzmaschine. Gepflanzt werde in Gruppen, erklärte Mitarbeiter Veli Özcan. 

Ein neuer Wald entsteht zwischen Hagenweg und Rhynerner Straße: Ergün Yilmaz, Veli Özcan, Christian Larisch (Geschäftsführer Katharinen-Hospital), Umweltdezernent Ludwig Holzbeck, Sebastian Heide-Napierski und Irina Tien vom Kreis Unna, Dr. Christoph Hoestermann, Landwirt Matthias Overbeck und Förster Matthias Müller begleiteten gestern die Pflanzaktion.

Die Baumarten wechseln auf den 27 000 Quadratmetern. Den Pflanzplan für die insgesamt 20 075 Stieleichen, Hainbuchen, Erlen, Vogelkirschen, Ulmen, Winterlinden und Feldahorn hatte Förster Matthias Müller erstellt. „Ob das nicht zu viele Bäume pro Hektar seien. Die Frage hören wir immer wieder“, war Holzbeck nicht weiter verwundert. Müller antwortete mit den Gegebenheiten der Natur. 

„Dort gibt es durch natürliche Aussaat auf den Hektar gesehen sogar weit mehr, über 50 000 Pflanzen.“ Auf dem Aufforstungsgelände werden es 7500 pro Hektar sein. Mit der Anzahl hätte der Kreis gute Erfahrungen gemacht. „Wir pflanzen so dicht, um möglichst schnell einen geschlossenen Wald zu haben“, erklärt Müller. Gepflegt werden müsse nur am Anfang, die ersten Jahre. Das hieße, die Konkurrenz wie zum Beispiel Brombeeren zurückzuschneiden. Danach wachse der Wald selbst zu einer „natürlichen Gesellschaft“, einer aus heimischen Gehölzen. 

Weitere Bäume sollen folgen

Ob die Baumarten auf Dauer auch resistent gegenüber dem Klimawandel seien, darüber mochte Müller keine konkrete Aussage treffen. „Wir haben beobachtet, dass die Stieleiche den trockenen Sommer besser verkraftet als die Buche“, sagt er. In jedem Fall soll der Baumbestand langfristig auch wirtschaftlich genutzt werden. Von künftigen Generationen. „In 150 bis 180 Jahren werden dort dieselbe Anzahl großer Bäume stehen, die wertvolles Holz liefern werden.“ Nur die vitalsten Bäume würden schließlich in der Natur überleben. 

Eine Nutzung als Naherholungsgebiet, wenn die Bäume einen richtigen Mischlaubwald darstellen, schwebt dem Kreis übrigens nicht vor: „Wir planen keine Infrastruktur“, sagt Müller. Der Zaun gegen Wildverbiss werde auch wieder entfernt. 

Über 20000 Bäume werden auf dem Gelände gepflanzt.

Eine Vorstellung wie der Wald in 20 Jahren aussehen wird, bekommen Spaziergänger und Radfahrer übrigens mit Blick auf die Fläche direkt daneben. Die stellte Overbeck vor 20 Jahren zur Verfügung. Dort wurde erst in den letzten 14 Tagen das erste Mal „geläutert“, also in Bezug auf den Astwuchs ausgedünnt. Overbeck will noch mehr Wald mit Blick auf den Klimaschutz. „Wir müssen doch etwas tun. Im kommenden Jahr sollen noch zehn Hektar dazukommen.“ 

Also der Rest des Ackers im Dreieck Weetfelder Straße, Hagenweg und Rhynerner Straße. Die Pacht der bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen ist ausgelaufen.

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