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Über 700 Einschläge: Deutlich mehr Blitze im Kreis Unna

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Von: Ansgar Wolfgart, Volker Griese

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Wenn sich ein Blitz nicht innerhalb der Wolken entlädt, sondern die Erdoberfläche erreicht, sprechen Experten von Erdblitzen. Rund 491.000 solcher Ereignisse gab es 2021 deutschlandweit, gut 1000 im Märkischen Kreis.
Wenn sich ein Blitz nicht innerhalb der Wolken entlädt, sondern die Erdoberfläche erreicht, sprechen Experten von Erdblitzen. Rund 491.000 solcher Ereignisse gab es 2021 deutschlandweit, gut 1000 im Märkischen Kreis. © Bernd März

Im Kreis Unna hat es im vergangenen Jahr deutlich mehr Blitzeinschläge gegeben. Für 2021 zählte der Blitz-Informationsdienst von Siemens 714 Blitze, die die Erdoberfläche des Kreises erreichten.

Kreis Unna – Am 20. Mai dieses Jahres fegte ein Unwetter über Bönen. Die Feuerwehr meldete, dass im Grillenweg in einem Haus der Blitz eingeschlagen war. Passiert ist an diesem Tag zum Glück nichts. In Zeiten des Klimawandels rechnet der Deutsche Wetterdienst aber mit mehr Unwettern. Blitzeinschläge könnten also häufiger vorkommen.

Zumindest für das vergangene Jahr bestätigt das auch eine Statistik des Blitz-Informationsdienstes von Siemens (Blids). Demnach ist die Zahl der Erdblitze im Kreis Unna in 2021 im Vergleich zu den Vorjahren wieder gestiegen. Gemeint sind Blitze, die sich nicht in einer Wolke entladen, sondern die Erdoberfläche erreichen.

Zahl der Einschläge um 64 Prozent gestiegen

„2021 war gegenüber den Vorjahren wieder deutlich niederschlagsreicher bei dennoch hohen Temperaturen, vor allem im Juni. Damit waren die Grundvoraussetzungen für Gewitter – Feuchtigkeit und heiße Temperaturen – vorhanden, um ein doch deutlich blitzintensiveres Jahr zu registrieren“, sagt Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes.

Deshalb sei die Zahl der Blitzeinschläge deutschlandweit gegenüber dem Jahr 2020 um 23 Prozent gestiegen. Im Kreis Unna hat es sogar um 64 Prozent häufiger geblitzt: Nach 434 Erdblitzen im Jahr 2020 waren es nun 714 Einschläge. Allerdings waren die Jahre 2020 und 2019 im Vergleich auch eher blitzarme Jahre.

Auf 50 Meter genau

Der Blitz-Informationsdienst von Siemens (Blids) misst mit rund 160 Messstationen in Europa das elektromagnetische Feld von Blitzen. Aus den Werten der verschiedenen Messempfänger lässt sich auf 50 Meter genau ermitteln, wo ein Blitz eingeschlagen hat. Seit 1991 analysiert Siemens die registrierten Blitze und sendet umgehend Warnhinweise an die Gewitteralarm-Kunden – zum Schutz von Mensch, Tier, Technik und Infrastruktur. Die Kunden des Siemens Blitz-Informationsdienstes sind Wetterdienste, Versicherungen, Industrieunternehmen aller Branchen sowie Betreiber von Stromnetzen, (Sport-)Anlagen und Feuerwehren.

Mit der absoluten Zahl der Blitzeinschläge ist auch die Blitzdichte gestiegen. Mit diesem Wert gibt Blids die Einschläge pro Quadratkilometer an. 2021 lag der Durchschnittswert für Deutschland bei 1,4 registrierten Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer (in absoluten Zahlen rund 491 000 Erdblitze). Im Vorjahr hatte der Wert bei 1,1 gelegen. Die durchschnittliche Blitzdichte für Deutschland in den vergangenen zehn Jahren lag ebenfalls bei 1,4.

Blitzeinschläge häufig im Sommer

Der 542 Quadratkilometer große Kreis Unna wies im Jahr 2021 eine Blitzdichte von 1,32 auf. Damit liegt der Kreis auf dem 149. von bundesweit 402 Plätzen. Ein Jahr zuvor hatten pro Quadratkilometer nur 0,8 Blitze eingeschlagen, 2019 sogar nur 0,63 Blitze. Der zehnjährige Mittelwert für den Kreis Unna liegt übrigens bei 1,65, was vor allem am Jahr 2015 liegt. Damals wurden 3,12 Blitze pro Quadratkilometer registriert – einer der Topwerte in ganz Deutschland.

Die häufigsten Blitzeinschläge werden in Deutschland übrigens wenig überraschend in den Sommermonaten registriert. 2021 hat es laut Blids im Juni bundesweit fast 257 000 Mal geblitzt, davon alleine am 29. Juni gut 45 000 Mal. Mit einigem Abstand folgte der Juli mit rund 98 500 Blitzen auf Platz zwei. Am seltensten blitzte es 2021 im Februar: nur 43 Mal.

Und wie stand der Kreis Unna 2021 im Vergleich mit den direkten Nachbarkreisen da? Nur Dortmund weist mit 1,39 eine höhere Blitzdichte auf. Niedriger war die Dichte in Hagen (0,76), Recklinghausen (1,11), Hamm (0,94), Coesfeld (1,07) und Soest (1,21).

Bosnien ist Blitz-Europameister

Die deutschlandweit geringste Blitzdichte ermittelte der Siemens-Blitzdienst in Solingen mit weniger als 0,2 Blitzereignissen pro Quadratkilometer, Blitzhochburg ist der oberbayerische Landkreis Starnberg mit 7,6 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer. „In Starnberg und Umgebung gab es 43 Gewittertage, davon allein 14 im Juni“, sagt Blids-Leiter Thern und glaubt, dass die Nähe zum Alpenrand dort wie auch bei anderen bayerischen Stadt- und Landkreisen ein Hauptgrund für die Blitzhäufigkeit ist.

Im Vergleich der Nachbarländer liegt Deutschland übrigens im Mittelfeld. Die durchschnittliche Blitzdichte für ganz Deutschland in den vergangenen zehn Jahren lag bei 1,4. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich an Stelle 18 von 43 Ländern. An der Spitze liegt Bosnien-Herzegowina vor Slowenien und Montenegro. Schlusslicht ist Irland, hinter Norwegen und dem Vereinigten Königreich. In Bosnien Herzegowina gibt es im Schnitt mehr als viermal so viele Einschläge wie in Deutschland und sogar 77 Mal mehr als in Irland.

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