Feuerwehr zwölfmal im Einsatz

Trotz umgestürzter Bäume und Waldsperrung: "Sabine" schwächer als erwartet

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In der Nähe des Musikkarussells an der Lenningser Straße entwurzelte der Sturm einen alten Silberahorn. Ansonsten kam die Gemeinde glimpflich davon.

Bönen/Kreis Unna – Es hätte schlimmer kommen können. Nachdem Sturmtief Sabine in der Nacht zu Montag über Bönen und den Kreis Unna hinwegfegte, zogen die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr eine zufriedene Bilanz. 

In den meisten Fällen mussten nur umgestürzte Bäume beseitigt werden und es wurde glücklicherweise niemand verletzt. Auch Busverkehr und Müllentsorgung liefen fast reibungslos. Die Kinder freuten sich über schulfrei.

Zwölf Einsätze der Feuerwehr

Es war ein langer Tag, beziehungsweise eine lange Nacht für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Bönen. Sie beendeten ihre Bereitschaft zwischen 2 und 3 Uhr am Montagmorgen. Wäre danach ein weiterer Einsatz erforderlich gewesen, wären die Kräfte wie sonst üblich über ihre Melder von der Leitstelle des Kreises alarmiert worden. Insgesamt rückten 46 Retter zwischen Sonntagabend und Montagmorgen zwölf Mal aus. 

Überwiegend brachten sie dabei die Kettensägen zum Einsatz, um vom Sturm umgekippte Bäume und abgebrochene Äste von Straßen und Wegen zu beseitigen. Zwei Bauzäune hielten „Sabine“ ebenfalls nicht stand und mussten von den Einsatzkräften wieder aufgerichtet werden, um nicht zum gefährlichen Hindernis zu werden. Ebenfalls sicherten die Feuerwehrmitglieder die abgerissene Markise eines Kioskes. Um kurz vor 23 Uhr mussten die Einsatzkräfte zu einem auf eine Stromleitung umgestürzten Baum ausrücken.

So richtig zur Ruhe kamen sie nach der stürmischen Nacht aber auch am Montagmorgen nicht. Um 9.49 Uhr gab es den nächsten Alarm. Diesmal lag ein Baum auf der Straße „Am Heukamp“ in Osterbönen und musste mit der Motorkettensäge zerkleinert und zur Seite geräumt werden. Zudem mussten die Fahrzeuge wieder für künftige Einsatze vorbereitet werden, Geräte gereinigt und verbrauchtes Material aufgefüllt werden. 

Koordiniert wurden die Sturmeinsätze der Bönener Feuerwehr vom Gerätehaus in Nordbögge aus, um die Kreisleitstelle zu entlasten. Die hatte nämlich alle Hände voll zu tun mit den zahlreichen Einsätzen im gesamten Kreis. „Sabine“ brachte auch im Kreis Hunderte zumeist ehrenamtliche Helfer auf die Beine. 

Von Sonntagnachmittag bis Montagmorgen, 8 Uhr waren inklusive der Bönener Kräfte über 610 Helfer von Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk mit den Folgen der extremen Böen beschäftigt. Der Führungsstab der Kreiseinsatzleitung war bis weit nach Mitternacht im Dienst. Unterm Strich wurden bis zum Morgen weit über 200 Einsätze gezählt, wie die Kreisverwaltung bilanziert. 

Diese Zahl wird laut Kreisbrandmeister Thomas Heckmann aber wohl noch steigen, wenn weiterer Rückmeldungen aus den Städten und Gemeinden eingelaufen sind. Schwerpunkte der Einsätze waren (Stand 8 Uhr) Unna (sieben), Schwerte (25), Kamen und Lünen (jeweils 24).

Polizei meldet nur wenig Schäden

In Selm, Fröndenberg und Holzwickede hielten sich die Schäden wie in Bönen hingegen in Grenzen, wie die Kreispolizeibehörde berichtet. Sie hat die Feuerwehren beim Sichern des Verkehres unterstützt und Strecken gesperrt. In den allermeisten Fällen mussten sich die Einsatzkräfte um umgestürzte Bäume kümmern. Zwei davon – in Selm und Werne – ladeten dabei auf Pkw-Dächern, einer auf einem Lkw in Schwerte. Eine Frau fuhr zudem mit ihrem Fahrzeug gegen einen auf die Fahrbahn gefallenen Baum. Sie wurde bei dem Unfall nicht verletzt, ihr Auto wurde jedoch stark beschädigt.

Umgestürzte Bäume 

Laut Gemeindeverwaltung sind nach einer ersten Begutachtung keine größeren Schäden an Gebäuden entstanden. Hier und da wurden Dachrinnen abgerissen oder Sichtschutzwände umgeworfen. 

Am Musikkarussell an der Lenningser Straße fiel ein alter Silberahorn dem Sturm zu Opfer. Der Baum wurde komplett entwurzelt. Im Mergelbergwald fiel der Schaden deutlich geringer aus, als es nach den Prognosen zu befürchten war, stellt Bauhofleiter Dennis Borkowiak erleichtert nach einer ersten Begutachtung fest.

 „Es hat zwar einige kleiner Bäume getroffen, aber keine ortsbildprägenden“, erklärt der Gärtnermeister. Dennoch hat die Gemeinde den Wald für die nächsten Tage vorsorglich gesperrt. Noch immer können beschädigte Äste herunterkrachen und zur Gefahr werden. Durch die lang anhaltende Trockenheit in den vergangenen Jahren sind viele Bäume angeschlagen und haben solch einem Sturm wenig entgegenzusetzen. 

Wer am Sonntagnachmittag noch draußen unterwegs war, konnte die Kraft des Sturmes am eigenen Leib erfahren.

In den kommenden zwei, drei Tagen wollen die Bauhofmitarbeiter im Mergelberg aufräumen. Dennis Borkowiak geht davon aus, dass Spaziergänger, Radfahrer und Jogger dann ab Donnerstag wieder hinein gehen können. Falls jemand dort oder in anderen Bereichen des Ortes noch Schäden entdeckt, soll er sich unter der Rufnummer 93 30 an die Gemeindeverwaltung wenden, die dann eine Sicherung veranlasst.

Kaum Probleme im Busverkehr

Im Gegensatz zur Deutschen Bahn, die am Sonntag sowohl den Regional- als auch den Fernverkehr in NRW komplett einstellte, fuhren die Busse der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) am Sonntag und Montag ganz regulär, betätigt VKU-Sprecherin Inga Fransson. „Während die Bahn auf Schienen fährt und Sturmschäden nicht ausweichen kann, sind die Busse flexibler und können mögliche Hindernisse umfahren.“ 

Es hätte anders kommen können, so Fransson, aber letztlich hatte Sturmtief Sabine nicht die Stärke von Kyrill. „Aber das war ja zunächst nicht vorhersehbar. Wir haben das Feedback der Busfahrer vor Ort eingeholt. Bei Sicherheitsbedenken, wenn die Fahrer gesagt hätten, es geht nicht, dann hätten wir den Verkehr sofort eingestellt. Aber so konnte der Verkehr ganz normal laufen.“ Die Haltestellen Südfeld in Heeren sowie Bahnhof Königsborn konnten wegen Sturmschäden nicht angefahren werden. Einzig der Schülerspezialverkehr zu den Förderzentrenten wurde eingestellt, weil die Schulen geschlossen waren. „Ansonsten haben wir keinen speziellen Schülerverkehr“, sagt Inga Fransson. Deshalb fuhren alle Linien am Montagmorgen ganz regulär.

Taxiunternehmen profitieren nicht

Für die Taxiunternehmen in der Gemeinde war die Sturmnacht eher ein Verlustgeschäft. Da die Züge bis 10 Uhr am Montagmorgen nicht fuhren, brauchten viele Menschen auch keinen Transport zum Bahnhof. Die meisten Menschen hätten es vermieden, vor die Tür zu gehen und unterwegs zu sein, deshalb standen auch die Wagen von Taxi Kovacs nachts nicht an den Halteplätzen, um auf Fahrgäste zu warten. Auch am Montagmorgen sei das Geschäft eher ruhig gewesen, weil Schul- und Krankenfahrten ausfielen. Bei Taxi Drücke-Milk hielt sich die Nachfrage die Waage. Es habe einerseits Fahrgäste gegeben, die mit dem Taxi statt dem Zug zur Arbeit gefahren seien. Aber viele ältere Kunden seien während des Sturms lieber zu Hause geblieben.

Müllabfuhr später unterwegs

Trotz heftiger Windböen blieben am Montagmorgen keine Mülltonnen ungeleert am Straßenrand stehen. „Die Mitarbeiter erreichten wegen des Wetters erst nach 8 Uhr die Wagen und fuhren mit Verzögerung in ihre Bezirke“, so GWA-Sprecher Andreas Hellmich. „Aber wir haben die Leerungszeiten nach hinten verschoben, sodass wir das reguläre Pensum geschafft haben.“

Nur wenige Kinder in den Schulen

Bereits am Freitagabend hatte Bürgermeister Stephan Rotering angekündigt, dass die Bönener Schulen aus Sicherheitsgründen am Montag geschlossen blieben. Für alle Kinder, deren Eltern keine Betreuungsmöglichkeit haben, hatten sich Lehrer für die Betreuung zur Verfügung gestellt. Am MCG und an der Pestalozzihauptschule waren jedoch keine Schüler aufgetaucht. Die Humboldt-Realschule war gestern nicht erreichbar. An der Goetheschule mussten drei Kinder und an der Hellwegschule sechs OGS-Kinder betreut werden, deren Eltern keine Möglichkeit hatten, eine Betreuung zu finden.

Mehr Informationen zu den Folgen des Sturmtiefs lesen Sie in unserem News-Ticker.

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