Nordmanntanne bleibt Spitzenreiter

Trotz Corona: Tannenbaumhändler dürfen weiter verkaufen

Tannenbaum Weihnachtsbaumverkauf Carl Jacobs Bönen
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Carl Jacobs verkauft Weihnachtsbäume in der Bönener Fußgängerzone. Er hat die Tannen im Sauerland selbst ausgesucht und bekommt bei Bedarf Nachschub von dort. Fotos: Liesegang

Auch in Corona-Zeiten gilt: Ein Weihnachtsbaum muss sein. Die Verkaufsstände sind von den Einschränkungen des Lockdowns nicht betroffen. Bei der Wahl des Baumes setzt sich der Trend der letzten Jahre fort.

Bönen/Bergkamen - Der Trend bleibt: Die Nordmanntanne ist weiterhin unangefochtener Spitzenreiter bei den Christbäumen. Sie nadelt nicht und bleibt lange frisch. Und der Baum ist erschwinglich, geht für um die 20 Euro pro Meter ins Netz. Ein weiterer Trend ist, dass die Bäume offensichtlich kaum noch aus dem Ausland importiert werden. Carlo Jacobs in der Bönener Fußgängerzone, „Pilger24“ auf dem Parkplatz des Bergkamener Globus-Baumarktes an der Geschwister-Scholl-Straße und auch das Gartencenter Röttger an der Erlentiefenstraße – sie alle lassen die Bäume im Sauerland schlagen.

Brauche ich eigentlich einen Baum, wenn Weihnachten kleiner ausfällt als sonst? „Unbedingt“, meint Mats Hartz. Der Bönener Grundschüler sucht ihn am Stand von Carl Jacobs gemeinsam mit Mutter Julia aus. „2,30 Meter“, misst der Händler mit dem Arm über seinem Kopf. „Soll ich liefern?“, fragt Jacobs dann noch. „Perfekt!“, ist Julia Hartz überrascht vom Service.

Seit drei Jahren steht Jacobs im Advent zwischen Möbel Köhling und dem Weinhandel Kleibohm in der Bönener Fußgängerzone. „Vorher hatte ich den Blumenpavillon bei Gröblinghoff und in der Adventszeit den Verkauf von Weihnachtsbäumen dort“, erzählt der 70-Jährige. „Die Leute meinten, den dürfe ich nicht aufgeben, sind froh, dass ich weitermache.“

Panikkäufe vor endgültiger Entscheidung

160 Bäume suche er auf „drei Hügeln bei Brilon aus“, der Waldbauer liefere immer frisch Nachschub. Julia Hartz wollten eigentlich auch selbst ihren Weihnachtsbaum schlagen. „Aber das ging in diesem Jahr nur mit Anmeldung. Und so unterstützen wir Händler vor Ort.“

Hilfe bekommt Jacobs aktuell von Martin Schön, schließlich ist einer der beiden mit dem Ausliefern beschäftigt. Schön präpariert gerade den Stamm des Hartz´schen Baumes per Motorsäge für den Klemmständer. „Eigentlich nur Nordmanntannen“, bestätigt er die Nachfrage. „Auf Wunsch ordern wir aber auch Blaufichte“, ergänzt er. Einige haben diesen Duft aus ihrer Kindheit in Erinnerung.

„Man weiß ja nicht, wie lange es noch Bäume gibt“, erklärt der Bönener Karl-Heinz Schmidt. Jacobs beruhigt ihn. „Wir haben bis zum 24. Dezember offen.“ Die Befürchtung, keine frische Tanne mehr zu bekommen, kommt durch die unklare Lage im Hinblick auf den Shutdown am Mittwoch zustande. „Wir haben hier heute bestimmt die dreifache Menge als sonst verkauft“, bestätigt Schön am Montag ein paar Panikkäufe.

Aufatmen im Gartencenter

In Bergkamen, einen Tag später, ist die Lage am Dienstag entspannt. Am Morgen wurde die Coronaschutzverordnung für NRW veröffentlicht. Die erlaubt den Verkauf von Weihnachtsbäumen ausdrücklich. „Ich kaufe immer kurz vor Weihnachten. Dann sind die Bäume zum Fest frisch“, erklärt Andrea Hampel vor dem Globus-Baumarkt. Die 1,20 Meter ihrer Nordmanntanne haben auch nichts mit Weihnachten im kleinen Rahmen zu tun. „Nee. Unsere Wohnung ist klein.“ Ein echter Baum muss es sein, weil es sich ihre 16-jährige Tochter so wünscht. „Ich hab das aber auch lieber mit Duft“, lehnt Hampel einen handlichen, künstlichen Baum ab.

Christopher Bause verkauft ausschließlich Nordmänner im Auftrag der Schmallenberger Baumschule „Pilger24“. „Mein persönlicher Liebling ist aber die Blaufichte“, bekennt er. Abgerechnet werden die Bäume nicht nach Metern, sondern in Größenkategorien. „Es läuft alles ganz normal“, beobachtet Bause. Käufe aus Angst, keinen Baum mehr abzubekommen, stellte er nicht fest.

Claudia Röttger wollte den Baumverkauf bereits auf den Parkplatz verlegen. Aber nun darf das Gartencenter doch weiter öffnen.

Der Weihnachtsbaumstand bleibe auf dem Parkplatz, ziehe aber nach der Schließung des Globus-Baumarktes Richtung Landwehrstraße um, verrät Bause. „Da sind wir sichtbarer. Hier würde uns dann ja Laufkundschaft fehlen.“

Durchatmen kann auch Claudia Röttger nach Veröffentlichung der Schutzverordnung. Sie darf ihr Gartencenter offenlassen, den Verkauf eingeschränkt weiterführen. „Unsere Notlösung, den Weihnachtsbaumverkauf auf den Parkplatz zu verlegen, ist passé“, sagt die Geschäftsfrau. „Es kann überdacht weitergehen.“

An der Erlentiefenstraße gibt es ebenfalls Bäume aus dem Sauerland. „Früher ließen wir uns die Bäume aus Dänemark liefern, seit ein Paar Jahren setzen wir auf einen Waldbauern im Sauerland“, erklärt Röttger. „Der sorgt auch schnell für Nachschub, wenn es einmal eng wird.“ Die Bandbreite entspricht dem Anspruch des Fachbetriebs. „Wir haben Biotannen, Omorika, also serbische Fichten, Koreatannen und Zuckerhutfichten – ein paar 1000 Bäume. Jetzt natürlich nicht mehr“, sagt Röttger. Am stärksten nachgefragt ist aber auch hier die Nordmanntanne. Panikkäufe machten sie und Mitarbeiter Valandis Samaras nicht aus. „Die Leute kaufen aber seit Jahren immer früher ihren Baum.“

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